|
 |

Ansicht eines Reviews
Pterodactyl - Urschrei der Gewalt (2005)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 27.12.2005, seitdem 2610 Mal gelesen
Während Peter Jackson den Affen loslässt, beglückt uns der ehemals erstklassige Action-Regisseur Mark L. Lester („Commando“, „Showdown in Little Tokyo“) mit einem späten Sauriernachklapp von schwachem Niveau aus seiner eigenen Produktionsstätte American World Pictures. Der ehemalige Qualitätsgarant scheint inzwischen wohl auch nur noch auf den schnöden Mammon ausgerichtet zu sein. So schaut „Pterodactyl“ jedenfalls aus.
Der einschlägig bekannte B-Autor Mark Sevi („Sci-fighters“, „Dead Men Can't Dance“) fabrizierte hier für ihn eine sich viel zu ernst nehmende Monstergeschichte (die Charaktere tragen die Namen bekannter Schriftsteller...), an der selbst der Genrefan ganz schön zu knabbern hat, denn den Dilettantismus kann man kaum noch überbieten.
Gedreht wurde irgendwo im ehemaligen Ostblock (Ich vermute mal Polen oder Rumänien..) mit offensichtlich knappen Budget. Lester entlässt hier den Paläontologen Professor Michael Lovecraft (Cameron Daddo) mitsamt seinen Quälgeistern von Schülern (immerhin glänzt „Maxim“ – Girl Mircea Monroe als verzogenes Gör mit optischen Reizen), die den gängigen Klischees entsprechen und sich mit den üblichen Daily Soap – Attitüden begegnen, in eine bewaldete Gegend an der türkisch-armenischen Grenze, um sie in der Nähe eines Vulkans (Gibt es da wirklich Vulkane?) nach alten Dinoknochen graben zu lassen. Praktisch, dass sich da gleich lebendige Flugsaurier, sogenannte Pterodactyls, tummeln. Da kennt der Forscherdrang keinen Halt.
Parallel dazu robbt Coolio („The Convent“, „Red Water”) mitsamt seiner Special Forces Einheit auch in der Gegend herum, um einen sich dort versteckenden Rebellen-Anführer zu kidnappen (Warum? Weshalb? Wieso? Keine Ahnung!). Beide Gruppierungen laufen sich zwangsläufig über den Haufen und kämpfen gemeinsam ums Überleben. Na da kommt Freude auf...
Ganz davon ab, dass dieser Quatsch mit den durch ein Beben freigelegten Dinoeiern, aus denen prompt der hungrige Nachwuchs schlüpft, der sich überdies als kugelsicher herausstellt, ausgemachter Humbug ist, nerven mal wieder einige Klischees und noch mehr die miesen Effekte. Seine hohe Einstufung hat der Film übrigens ein paar mittelprächtigen Körperzerlegungen durch die Pterodactyls zu verdanken. Mehr ist da nicht.
Sich vehement gegen den gesunden Menschenverstand stemmend, läuft die Opferschar natürlich alle paar Minuten übers offene Feld, anstatt im Wald zu bleiben, wo die Viecher überhaupt keinen Bewegungsspielraum haben, woraus dann regelmäßig Opfer und Gekreische resultieren, bevor man wieder im Dickicht verschwindet.
Der Aufbau der Geschichte entspricht so ziemlich jedem erdenklichen Klischee bis zum faszinierten Prof., der dann lieber die lebendigen Fossilien studieren will, anstatt seinen Allerwertesten in Sicherheit zu bringen. Das Vorgehen der, Special Forces, nachdem sie in einem lahm umgesetzten Shootout ein Wald-Camp der Rebellen ausgeräuchert haben, entspricht nicht mal im Ansatz dem Verhalten von ausgebildeten Soldaten (Man läuft immer unkoordiniert wie ein Hühnerhaufen herum) und Goofs (verschwindende Tarnschminke) schleichen sich zudem auch noch ein.
Hinzu gesellt sich zudem grober Schwachsinn, wie der Rebellen-Führer, der sich in seinem Camping-Zelt eine Sexsklavin hält, die ihn erst erdolchen will, nachdem Coolio ihm eins überbrät, etc etc...
Ob nun ein simpel und miesgetrickstes Verteidigungsszenario in einer Blockhütte oder die Rettung von Überlebenden aus einem luftigen Pterodactyl – Nest, wirklich spannend oder unterhaltsam wird dieser leidenschaftslos inszenierte B-Schrott nie. Lester wirft zwar relativ inflationär mit mittelprächtig ausschauenden Gore-Effekten um sich, aber da die Schicksale an die stereotypen Figuren ohnehin verteilt sind und das Geschehen den ausgestampften Pfaden der ausgelutschten Standardformel folgt, kann man sich unschwer ausmalen, wer überleben wird und wer nicht.
Immerhin bleibt „Pterodactyl“ mit knapp 85 Minuten lediglich bei einer Minimallaufzeit, so dass der uninspiriert heruntergeratterte Nonsens nicht ganz so viel Zeit kostet.
Wer nicht davon genug bekommen kann, einer wenig zugänglichen, allen erdenklichen Klischees entsprechenden Opferriege, die dann auch noch den gesunden Menschverstand über Bord kippt, dabei zuzusehen, wie sie von schwachen CGI-Geschöpfen gejagt und zur Strecke gebracht wird, für den könnte das hier allenfalls noch etwas sein.
Fazit:
Einfallsloser, überflüssiger Monster-Schwachsinn von Mark L. Lester, der hiermit endgültig den letzten Kredit bei mir verspielt hat. „Pterodactyl“ schaut in etwa wie eine der jüngst von Nu Image am Fliessband produzierten Horrorproduktionen aus und hält auch deren Niveau. Da sich der Film viel zu ernst nimmt, die Dialoge genauso mies wie die Darsteller sind und nur die Standardformel voller Plotholes mühselig heruntergekaut wird, bleibt man geradeso noch im unteren Durchschnitt hängen. Allerhöchstens etwas für die Lester-Komplettisten. Ich bleibe jedenfalls lieber bei „Frankenfish“.
Um Louis Morneaus begabten Stammkameramann George Mooradian („Bats“, „Bet Your Life”) tat es mir by the way richtig leid.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von Blade Runner
Zurück
 |
 |
|