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Vernetzt - Johnny Mnemonic (1995)
Eine Kritik von Snake_Plissken (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 12.05.2006, seitdem 721 Mal gelesen
Vier Jahre bevor „Matrix“ den Science Fiction-Film revolutionierte, erschien mit „Vernetzt“ die Geschichte des Johnny Mnemonic (Keanu Reeves). Obwohl der zukünftige Neo als titelgebender Hauptdarsteller mitwirkte und Regisseur Robert Longo ein ordentliches Budget auf den Kopf hauen konnte, wurde der Film von den Kritikern nur so in der Luft zerrissen und war auch an der Kinokasse ein Riesenflop.
Und dies obwohl einiges für einen Erfolg des Filmes sprach: Neben dem schon erwähnten Hauptdarsteller Reeves, der zwar schauspielerisch kein Meister seines Faches ist, doch auch nicht viel schlechter agiert, als in „Matrix“ (hier allerdings in einem auffallend schlecht sitzenden Anzug), entstammte auch die literarische Vorlage aus bekannter Feder: William Gibson, Erfinder des „Cyberpunk“ und Autor des berühmten Romans „Neuromancer“ schrieb zu seiner eigenen Kurzgeschichte auch das Drehbuch. Zudem verfügte „Vernetzt“ über ein ansehnliches Budget, dass sich in aufwendigen Kulissen und ebensolchen Spezialeffekten bemerkbar machte. Auch die Darstellerriege war mit vielen bekannten Gesichtern gespickt. Neben dem schon mehrfach erwähnten Keanu Reeves waren Udo Kier, ICE-T, Takeshi Kitano und Dolph Lundgren zu sehen. Dies alles hat „Vernetzt“ nicht zum erhofften und sicherlich einkalkulierten Erfolg verholfen.
Man merkt dem Film an, dass er aus einer Zeit stammt, in der Computerthemen in Hollywood mystifiziert wurden und der Cyberspace ein großer und unheimlicher Raum war. Der Computer und die entsprechende Technologie hatten auch noch nicht in dem Maße in den menschlichen Alltag Einzug gehalten. Aus heutiger Sicht und mit dem heutigen Wissensstand, den der durchschnittliche Kinobesucher hat, wirken viele Szenen (vor allem die im Cyberspace) hanebüchen. Das ist ein großes Problem des Films. Ein weiteres (und das größere) besteht in der Tatsache, dass er für einen Mainstreamfilm zu trashig geraten ist. Die Handlung ist schon kein Pulitzeranwärter, zudem kommen die meisten Figuren betont eindimensional und beschränkt rüber. Höhepunkt dieses Phänomens ist der Auftritt von Dolph Lundgren als Cyborg-Priester, der völlig chargierend einige gewalttätige Kurzauftritte ohne Sinn und Verstand absolvieren darf / muß. Dass er auch anders (und besser) kann, hat er jüngst in „The Mechanik“ bewiesen, der für einen B-Actioner überaus gelungen ist. Selbst mit viel gutem Willen ist spätestens dem letzten Zuschauer der Geduldsfaden gerissen, wenn ein merkwürdiger Delphin namens Jones den Tag rettet. Wem besagter Faden da nicht reißt, weiß entweder nicht, wie man Pisa-Studie schreibt, oder ist noch cooler als Clint Eastwood in „The Good, the Bad and the Ugly“. Die vereinzelt eingefügten Splattereffekte (die ganz gut aussehen) retten da auch nicht mehr viel.
Eines kann man „Vernetzt“ jedoch nicht abstreiten: Der Film ist unterhaltsam. Das sind Autounfälle für Gaffer aber auch... Wen das alles nicht schreckt und wer den Film vielleicht auch eher als Komödie wahrnimmt, kann durchaus mal einen Blick riskieren...
Fazit:
3/10
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