Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 14.11.2006, seitdem 1024 Mal gelesen
Mitte der 90er gab es kleine Welle von Zukunftsvisionen, die sich alle schon mit Virtual Reality in der einen oder anderen Form beschäftigten: „Strange Days“, „Virtuosity“ und „Vernetzt – Johnny Mnemonic“.
Im Jahre 2021 ist die Welt mal wieder gänzlich abgefucked, Amerika liegt wirtschaftlich am Boden und ist Ghettogebiet, während in Asien der Fortschritt blüht. Konzerne haben die Macht übernommen, Infos sind die heißeste Ware und eine geheimnisvolle Krankheit dezimiert die Menschen – vor allem die armen. Ein wenig „Blade Runner“ und etwas „Cyborg“, so sieht also das Rezept für „Vernetzt“ aus und tatsächlich erinnern die Fabrikkomplexe nach Neo Noir Art sowie die Slumviertel an die beiden Vorbilder.
Um Daten zu transportieren benutzt man mnemonische Kuriere, welche die Daten in ihrem Kopf auf einer Festplatte transportieren. Johnny (Keanu Reeves) ist ein solcher Kurier und nimmt einen illegalen Auftrag an, bei dem er seine Festplatte bei weitem überladen muss. Damit sind nicht nur die Daten in Gefahr, er wird auch innerhalb kurzer Zeit an Überlastung sterben, sollte er die Infos nicht downloaden können, womit dann den obligatorischen Wettlauf mit der Zeit gestartet hätte.
Doch kurz nach dem Datentransfer stürmt ein Killerkommando den Raum, metzelt die Anwesenden nieder und will auch Johnny einsacken. Doch der entkommt, hat die skrupellosen Häscher auf den Fersen...
„Vernetzt“ ist sicher leidlich unterhaltsam, wirkt aber leider stets wie aus dem Baukasten für Erlöserfilme zusammengestellt. Johnnys Daten sind natürlich von besonderem Wert und er wird sie nachher altruistisch einsetzen, die Killer gehören natürlich zu den bösen Konzernen und Hilfe gibt’s von guten Rebellen. Viele Aspekte werden kurz etabliert, aber kaum vertieft; so müssen die Texttafel am Anfang sowie ein kurzer Besuch in einem Krankenhaus dazu dienen, die ach so gefährliche Krankheit darzustellen, was aber nicht ausreicht. Zudem merkt man die Anlehnung an bekannte Vorbilder; z.B. beschützt auch hier ein Auftragsleibwächter, Jane (Dina Meyer), den Datenträger, in diesem Falle Johnny, genauso wie in „Cyborg“. Zwar wirkt das Ganze auf der anderen Seite wie ein Probelauf für „Matrix“, nur dass dieser deutlich pfiffiger und temporeicher daherkam.
Immerhin wird die Hatz auf Johnny relativ flott vom Leder gezogen, sodass zumindest kaum Längen entstehen. Fast alle paar Meter tun sich neue Gefahren auf oder es springen widerliche Subjekte aus dem Schatten, die Johnny mitsamt den Daten für Geld ausliefern wollen. Wirklich spannend ist die Chose wegen der kaum entwickelten Story nicht, langweilig aber auch selten. Selbst für die Entstehungszeit nur halbwegs OK sind die Cyberspace-Effekte, wenn Johnny im virtuellen Raum nach Infos usw. sucht, die sein Leben retten können.
Leider geizt „Vernetzt“ auch etwas mit Schauwerten, denn das Szenario liefert zwar ganz ordentliche Stimmung, wirklich beeindruckende Bilder kommen aber nicht heraus. Auch Action kommt bei „Vernetzt“ etwas kurz, gerade der Showdown ist doch ziemlich schnell abgehandelt. Immerhin bieten die Auseinandersetzungen gute, nicht übermäßig spektakuläre Hausmannskost, wobei die Filmemacher immerhin bei der Waffenwahl teilweise kreativ waren (z.B. Laserpeitschen, Armbrüste und explodierende Autowracks).
Keanu Reeves agiert hier relativ ausdruckslos und bleibt etwas blass, ist aber kein Totalausfall. Dina Meyer ist auch nur solider Durchschnitt, Ice-T spielt wie üblich den coolen Ghetto-Macker. Dolph Lundgren als fanatischer Killerpriester ist leider total verschenkt und hat nur wenige Szenen, doch dafür gibt es in Nebenrollen noch positive Überraschungen: Takeshi Kitano, Udo Kier und Henry Rollins dürfen alle in kleinen Parts mittun und machen ihre Sache alle gut.
So bleibt ein leidlich unterhaltsamer, aber wenig spannender Sci-Fi-Thriller, dem es etwas an Schauwerten mangelt. Ohne allzu große Längen, mit ein paar netten Actionmomenten, aber unterm Strich einfach viel zu wenig aufregend.
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