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Reine Nervensache (1999)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 21.10.2005, seitdem 373 Mal gelesen
Ganz nette, jedoch landläufig etwas überbewertete Komödie mit der Robert De Niro sein Mafiafilmimage auf die Schippe nimmt.
Paul Vitti (Robert De Niro) ist Mafiaboss in New York, doch nach einem Anschlag auf sein Leben hat er Probleme: Er bekommt Angstzustände, muss häufig heulen und verliert seinen Biss. Damit die anderen Mafiabosse dies nicht mitbekommen und ihn töten, sucht er sich den Psychiater Ben Sobel (Billy Crystal) aus, der ihn therapieren soll. Gezwungenermaßen behandelt Ben den schwierigen Patienten…
„Reine Nervensache“ gehört zu den Komödien, die fast gar keine Story, sondern mehr ein Grundkonzept haben: Die Mafiariten, die hier mit der spießigen Art des ängstlichen Psychiaters kollidieren. Die Verstrickungen um rivalisierende Mafiosi sind da Nebensache und dementsprechend ist dann auch herzlich wenig aufregend, wenn „Reine Nervensache“ nicht die Lachmuskeln rührt. Das ist dann auch das große Manko des Films, denn zwischen den Witzen zieht sich das Teil dann doch reichlich in die Länge.
Sicherlich wäre das nicht weiter tragisch, wenn jeder Gag ein absoluter Brüller wäre, doch auch hier kann „Reine Nervensache“ nicht zu 100% überzeugen. Die Gags wiederholen sich doch etwas, wenn Vitti andauernd in Tränen ausbricht oder zum wiederholten Male behauptet Sobel sei ein toller Psychiater, obwohl der kaum etwas für ihn getan hat. Doch diverse sehr gelungene Momente entschädigen dann an mehreren Stellen, z.B. wenn Vitti unabsichtlich Sobels Hochzeit durch einen vom Dach geworfenen Killer zum Platzen bringt, des Psychiaters Sohn mehr Begeisterung über den neuen Patienten zeigt als Papi lieb ist oder Sobel sogar auf einer Mafiatagung reden muss. Leider zeigt „Reine Nervensache“ diese Stärke nicht oft genug, um mehr als nur ganz nett zu sein.
Lustige Dreingabe hingegen sind die zahlreichen Parodien auf Mafiafilmklischees, z.B. das obligatorische Essen im italienischen Restaurant, diverse Attentate nach den üblichen Mustern usw. Einige Szenen aus „Der Pate“ werden mehr (Sobels Alptraum) oder weniger direkt (Erzählung von der Ermordung von Vittis Vater) parodiert, sodass „Reine Nervensache“ für den Kenner der Materie noch etwas interessanter wird.
Ebenfalls erfreulich ist die Spielfreude der Darsteller, allen voran Robert De Niro, der hier seine ultraharten Mafiosirollen recht köstlich auf die Schippe nimmt. Stets zwischen dem aufbrausenden Gangster und dem emotionalen, therapiebedürftigen Waschlappen schwankend beweist er viel Selbstironie, während Billy Crystal zwar auch überzeugt, aber doch eine recht typische Rolle ohne große Variationen spielt: Der unsichere, etwas vom Leben gelangweilte Spießer. Schön auch der Auftritt von Lisa Kudrow als überforderte Verlobte, während Chazz Palminteri als Vittis Rivale zwar OK ist, aber keine Akzente setzen kann.
Bleibt unterm Strich eine nette Mafiakomödie, welche das Genre relativ treffend auf die Schippe nimmt, der aber die großen Brüller fehlen und deren Handlung zwischen den Gags doch einigen Leerlauf hat.
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