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Für ein paar Dollar mehr (1965)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 16.03.2002, seitdem 1380 Mal gelesen


Der eine Film war ein Überraschungserfolg, also wurde auf der Schiene weitergemacht. Eastwood kehrt zurück als der Mann mit dem Poncho und diesmal sollte es keine Fortsetzung werden, sondern größer, besser, epischer.
Leone hatte dazugelernt, Eastwood hatte dazugelernt. Und trotzdem: beide üben auch hier noch.

Trotzdem ist dieser Film frischer, moderner, paßt schon fast wie angegossen, der neue europäische Western-Anzug. Und die Beteiligten taten alles, um keinen Nachzieher zu drehen, sondern die Idee auszubauen. Eastwoods Mann ohne Namen ist hier Kopfgeldjäger geworden und obwohl sich vieles in diesem Film um ihn dreht, ist es eigentlich nicht sein Film. Die wahre Hauptrolle, die mit einigem Hintergrund ausgestattet ist, bekleidet Lee Van Cleef, der hier als Nebenpart/Partner/Gegner agiert. Van Cleef wirkt souveräner und bedrohlicher und ergibt mit Eastwood die Paarung alter Hase/ junger Fuchs. Tatsächlich scheint er über die volle Distanz meistens die Fäden in der Hand zu haben, auf die Eastwood mehr reagiert, als wirklich zu agieren.

Einen Schurken präsentieren wir natürlich auch, nämlich El Indio, alias Gian Maria Volonte, der das Bild des durchgeknallten, dem Wahnsinn nahen Gegners vermutlich mitgeprägt hat. Auch bei ihm gönnt uns der Film einen Blick in die Tiefe und zeigt die (im Film sehr spät erklärte) Verbindung zwischen Van Cleef und Volonte, aber immerhin bildet die Rachegeschichte/Schuldfrage hier einen Nährboden, um über die vordergründige Kopfgeldjagd auf Indio und seine Bande herauszuwachsen.

Mit 130 Minuten gönnt der Film seinen drei Hauptcharakteren (alles andere ist mehr oder weniger Statisterie) reichlich Platz zusammen oder getrennt zu glänzen. Eastwood nähert sich hier vom Opportunisten mehr dem generellen "Heldenbild" an und wirkt nicht mehr so zynisch wie im vorherigen Film. Van Cleef dagegen ist schwer auszurechnen, da er nicht zeigt, welcher Seite er zuzuordnen ist oder ob er ein Gewissen besitzt.
Es kommt zu einem Katz- und Mausspiel, daß nach erfolgter Konfrontation zu einer gefährlichen Partnerschaft wird, in dem getrennt gearbeitet, aber gemeinsam zugeschlagen wird.
Eastwood schleicht sich wieder in die Bande ein und auch Van Cleef wird noch mit ihr zusammenarbeiten, doch diesmal ist der Plot feiner ausgearbeitet, weitschweifiger, aber auch raffinierter. Auch kommt langsam aber sicher der schwarze Leone-Humor mehr zum Vorschein, der im Vorgänger eher Zufall war.
Wie sehr hier ein Reifungsprozess beobachtet werden kann, zeigt das markante Titel-Thema Morricone, daß schon ganz nah an den Klassikern der nächsten beiden Leone-Filme ist.

Beeindruckend auch hier wieder die Kaltblütigkeit und der hohe Bodycount dieses Westerns, in dem der Edelmut und das Heldentum gegen weniger würdige Motive (Geld!) eingetauscht werden. Ins Gewicht fällt allerdings noch eine zeitweise Zähigkeit im Erzählfluß, die darin gipfelt, dass alles einen Schritt von "meisterhaft" entfernt ist. Großartig dürfen wir allerdings sagen.

Die Dreier-Figurenkonstellation fand ihre Fortsetzung dann im Trilogie-Abschluß "Zwei glorreiche Halunken", noch besser abgegrenzt und noch feiner abgerundet, wobei die Idee des finalen Shootouts sowohl übernommen als auch ausgebaut wurde. Vertrauter, gekonnter, einfach besser - und an der Kasse brachte das die nötigen paar Dollar mehr. (7,5/10)


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