Die Kombination von Drama und Musical ist definitiv ein recht schweres Unterfangen. Denn wo das eine Genre generell eher Freude und Unterhaltung im klassischen Sinne bietet, möchte die andere Filmgattung ernstere Gefühle beim Zuschauer auslösen, sei es in Form von unterschwelliger Trauer oder dem "Gedanken machen" über das, was er gerade zu Gesicht bekommen hat. Deshalb ist ein Musical mit ernsthafter Komponente kaum irgendwo auffindbar. Eines der erfolgreichsten dieser seltenen Gattung ist da "Rent", welches am Broadway erstaunliche Erfolge feiert und auch schon viele Preise mitnehmen durfte. Familienfilmregisseur Chris Columbus hat dieses Musical wohl gesehen und sich (ungewöhnlich im Vergleich zu seiner sonstigen Filmkost) gedacht, dass dieses Stück auch ins Kino gehört. Doch zumindest auf der Leinwand geht "Rent" nicht wirklich auf.
"Rent" erzählt die Geschichte von insgesamt 8 unterschiedlichen Hauptfiguren, welche allesamt gerade noch so am unteren Ende der Mittelklasse leben und wie sie insgesamt 1 Jahr verbringen. Dabei geht es um allerhand Probleme, wie Drogen, Geldarmut, Mieten die nicht gezahlt werden können, dem Ausleben von Homosexualität und AIDS und vielem anderen mehr. Allesamt haben sie zu kämpfen, halten sich mit den verschiedensten Jobs über Wasser. 525.600 Minuten im Leben dieser Figuren und keine ist wie die andere... Eigentlich, so könnte man meinen, kann das Stück einen durchaus klugen und realistischen Blick auf das Leben in den Armenvierteln geben und auf Menschen, die allesamt nur knapp davor stehen ganz abzurutschen, aber aufgrund ihres Mut zum Leben doch vieles schaffen, was sie sich sonst nicht erträumen würden. Leider aber bleibt die Geschichte, zumindest hier im Film, auf einem genauso schmalen Niveau hängen, wie schon so viele Musicals vor ihm, wobei dies hier aber viel negativer wiegt, als z. Bsp. bei "Mamma Mia" oder "Hairspray"! Denn wo diese beiden Musicals eher als "Feel-GoodMovies" gedacht sind, will "Rent" doch mehr sein, was es aber im Endeffekt nicht wirklich ist.
Der Hauptgrund liegt dabei vor allem in der ungemein dünnen Figurenzeichnung. Egal ob es der arme Amateur-Filmemacher ist, das homosexuelle Pärchen, der AIDS-Kranke in seinen letzten Tagen, die Drogensüchtige Stripperin, der gefallene Rockstar oder der böse Vermieter, welcher früher ebenfalls einmal zu ihnen gehörte, wirklich keine der Figuren besitzt eine besondere Tiefe oder die Möglichkeit vom Zuschauer mit sonderlicher Sympathie geadelt zu werden. Allesamt bleiben sie recht oberflächlich in ihrer Gestaltung und geben einem nicht wirklich Anlass dazu, mit ihnen mitzufühlen. Das sie dabei auch noch recht Klischeehaft sind, mag dabei noch das geringste Übel sein, denn um den Zuschauer die Missstände in den einzelnen Vierteln näher zu bringen, braucht es Figuren, die man erkennen kann. Aber ein bisschen mehr Tiefe hätte eben trotzdem nicht geschadet.
Zumal auch die Songs und die Musik insgesamt ein zweischneidiges Schwert sind. Es ist ohne Frage, dass jeder der Songs für sich gelungen ist und nicht wenige, trotz der ernsten Thematik, sogar richtig Laune machen. Vor allem der Titelsong "Rent" und "Seasons of Love" sind schöne Baladen und schmissige Songs in einem. Aber auch jedes andere Lied ist für sich gelungen, textsicher und besitzt mitunter mehr Tiefe als jeder der Figuren. Doch wenn man sich die Songs so vornimmt wie sie gedacht sind, nämlich als Transporteur der eigentlichen Geschichte, so muss man leider doch feststellen, dass nicht wenige von ihnen die Story nicht wirklich voranbringen, manche sogar richtig Fehl am Platz wirken. Zumal alles in allem auch etwas zu viel gesungen wird. Das mag bei einem Musical erst einmal ein wenig komisch klingen, aber ein gutes Musical zeichnet sich nun einmal davon aus, dass es die Kombination zwischen dem gesprochenen und dem gesungenen Wort elegant verbindet, doch hier kommen auf 90% Gesang gerade einmal 10% gesprochenes Wort, was eben kaum Luft zum atmen läßt und Passagen verfälscht, die gesprochen viel eindringlicher und glaubwürdiger wirken würden, als eben gesungen. Selbst bei einem Musical ist an manchen Stellen weniger mehr.
Extrem viel reißen können dafür aber die Darsteller, welche größtenteils auch im Original-Broadway-Musical zu sehen sind. Rosario Dawson, welche man ja schon so vielen Filmen der etwas härteren Gangart kennt ("Death Proof", "Sin City"), ist hier alles in allem etwas zahmer als sonst zu erleben, wenngleich ihre Rolle als Drug-Queen dennoch nicht von ungefähr kommt. Anthony Rapp macht als unermütlicher Amateur-Filmer auch eine gute Figur und auch Taye Diggs, Tracie Thoms, Jesse L. Martin und Wilson Jermaine Heredia können überzeugen. Vor allem Letzterer macht als Aids-Kranker Transvestit eine äußerst gute Figur. Der Gesang ist dagegen zwar nicht bei jedem so ganz überzeugend, aber ein Missgriff ist glücklicherweiße nicht zu finden!
Fazit: Alles in allem ist "Rent" somit trotzdem besser, als wie es jetzt vielleicht erst einmal wirken mag. Auch wenn die Story (für ein ernsthaftes Drama) zu dünn ist, die Charaktere an der Oberfläche schwimmen und die Songs nur selten die Geschichte vorantreiben, so kann man sich damit trotzdem einen recht ärgerlosen Musicalabend machen, bei dem man vor allem immer wieder versuchen sollte, die eigentliche Ernsthaftigkeit des Ganzen nach hinten zu schieben. Auch wenn dies vielleicht ein wenig hart klingen mag, aber wenn man darauf zu sehr achtet, muss man "Rent" ziemlich schnell als gescheitert betrachten. Als reiner Musicalfilm kann man aber Unterhaltung daran finden, denn die Songs sind, für sich betrachtet, allesamt klasse und nicht selten von Wert. Aber hier eben leider nicht als Filmutensil!
Wertung: 6/10 Punkte