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V wie Vendetta (2006)

Eine Kritik von Coolidge (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 19.03.2006, seitdem 771 Mal gelesen


Nach der überaus gelungenen From Hell Verfilmung der Gebrüder Hughes und der exorbitant schlechten League Of Extraordinary Gentleman Zelluoid Fassung kommt jetzt also die dritte Leinwandadaption eines Alan Moore Stoffes. Vetraut wurde damit der im Regiefach noch unbefleckte James McTeigue, der allerdings in der Abteilung Special Effects schon in diversen Blockbustern der letzten Jahre Lorbeeren sammeln konnte. Unterstützt wurde er dabei von niemand anderen als den Wachowski Brüdern, die schon vor ihrer Arbeit an der Matrix Trilogie ein Drehbuch basierend auf Moores Graphic Novel verfasst hatten. Alan Moore selbst übrigens hält laut L.A. Times Interview das Drehbuch für den letzten Müll, was erst einmal etwas abschreckt. Um diese Aussage aber richtig einordnen zu können, muß man Moores Charakter kennen, ist er doch sowas wie das enfant terrible der Comic Szene. So eine Aussage rutscht ihm durchaus auch mal aus dem Affekt raus, spielt er doch gerne und ausgiebig die beleidigte Leberwurst. Nun, auf dem Plakat von V Für Vendetta ist auf den ersten Blick Moores Name auch nicht mehr zu sehen. Stattdessen springt einem "From The Creators Of The Matrix Trilogy" in großen Lettern entgegen. Da soll sich jetzt jeder seinen Teil zu denken.

Der Film spielt in einem imaginären faschistischen Großbritannien der nahen Zukunft. Der maskierte Freiheitskämpfer V versucht mit Hilfe von terroristischen Aktionen das totalitäre System umzustürzen. Als er die junge Evey (Natalie Portman) vor der Geheimpolizei rettet, wird diese zu seinem Verbündeten.

Eher mit gemischten Erwartungen in die Vorstellung gegangen wurde ich wirklich positiv überrascht. Sah der Trailer noch nach einem klassischen Action Superhero Flick mit viel Matrix Style Action aus, muß man zwar sagen das selbige im Endprodukt durchaus seinen Platz hat, aber niemals auf Kosten der Story in den Vordergrund tritt. Viel wichtiger war es den Verantwortlichen den Focus auf die Beziehung zwischen V und Evey zu setzen. Insbesondere der Entwicklung von Natalie Portmans Charakter wird sehr viel Platz eingeräumt. Durchaus schlüssig macht die Figur der Evey im Film wohl die größte Entwicklung, wobei (ohne zu viel erzählen zu wollen) V ihr mit helfender Hand zur Seite zu steht. Da das Ganze aber auf sehr schlüssige (und vor allem auch unterhaltende) Art und Weise geschieht, kann man dies eigentlich nur als Pluspunkt anführen.

V selbst ist schon ein etwas seltsamer Superhero, wirkt er doch auf den durchschnittlichen Action Fan erstmal alles andere als cool. Sein Hang zur Dramatik, zu geschwollenen Monologen und viktorianischer Kostümierung sowie sein Faible für die Rosenzucht machen ihn zu so etwas wie den Morrissey unter den autonomen Freiheitskämpfern. Stehts läuft er aufgrund seines Auftretens Gefahr, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Angemerkt sei hier nur die Szene, in der er in voller Maskenmontur + Küchenschürze beschwingt seiner neuen Gefährten zum Frühstück ein Ei in die Pfanne haut.

Über die moral issues, die der Film versucht an den Mann zu bringen, muß man nicht viel Worte verlieren, sind sie doch alles andere als originell. Immerhin wird man im Laufe des Plots nicht für dumm verkauft, was man ja heutzutage bei Filmen dieser Kategorie ja schon extra erwähnen muß. Die Story hat desweiteren den ein oder anderen Twist zu bieten, was aber nie aufgesetzt und gestelzt bei mir angekommen ist.

Inwieweit der Original Stoff abgewandelt wurde, kann ich leider nicht sagen, aber wenn Änderungen vorgenommen wurden, dann auf wirklich sinnvolle Weise. Der Film entertaint wirklich nahezu perfekt, auch wenn das der ein oder andere Kinogänger anders erlebt hat (zumindest herrschte recht reger Verkehr auf dem Weg zwischen Vorführsaal und Toilette). Hier gibt es wirklich nicht viel zu mäkeln, Erbsenzähler könnten den Subplot um Vs Entstehungsgeschichte einen leichten Mangel an Originalität vorwerfen, aber wer will hier schon Erbsen zählen. Die Optik ist, wie es sich für eine Comic Verfilmung gehört, natürlich auch überdurchschnittlich. Besonders wenn es zu Kontrasten zwischen klassicher Comic Optik und nüchterner Real Life Darstellung kommt wird es sehenswert.

Auch wenn die Charaktere vielleicht nicht ganz so mit Tiefe glänzen können wie das bei From Hell der Fall war und es vielleicht einen Tick (wirklich nur ein Tick) mit dem Pathos übertrieben wurde, so ist das hier doch die beste Comic Verfilmung seit mindestens Sin City.

Mir hat es wirklich außerordentlich gut gefallen, ich würde sogar behaupten der Film sagt mir sogar noch etwas mehr zu als es damals der erste Matrix getan hat. Wie groß der Einfluss der Wachowski Brüder wirklich war sehen wir aber spätestens bei McTeigues ersten wirklichem Alleingang.

09/10


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