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V wie Vendetta (2006)

Eine Kritik von Fabse (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 08.04.2006, seitdem 680 Mal gelesen


Bald traue ich mich schon fast gar nicht mehr Einleitungen zu Comic-Verfilmungen zu tippen: Soll ich jetzt etwa wieder aufzählen, welche Heiterkeit und welch chronische Schmerzen mir die ganze Bande an vergangenem Ideenrecycling eingebracht haben oder soll ich nun einfach hinter jeglichem Namen der für die Leinwand adaptierten Werke einfach nur eine Zahl von eins bis zehn klatschen? Bei V for Vendetta zeichnet sich diesmal wieder Alan Moore für die Graphic Novels verantwortlich. Bereits in der jüngsten Vergangenheit wurde schon mit den Stoffen des Comic-Künstlers Schindluder betrieben, dass es nur so rauchte. Nach der Schändung die Moores Stoffe durch die Filmfassungen von From Hell (immerhin nett anzuschauen) und LXG (Liga der außergewöhnlichen Grütze) erfuhr, veranlasste der Maestro des Zeichenstiftes nun von vorn herein, dass sein Name nicht in den Credits der neuesten cineastischen Light-Version seiner Ideen auftauchen sollte. Wenn man bedenkt, dass sich die Waschowski-Brothers als Produzenten beteiligten und mit James MacTeigue ein Zögling aus George Lucas Umkreis den Regieposten inne hatte, wohl nicht die dümmste Idee.

England in naher Zukunft: Nach Krisen, Bürgerkriegen und anderen Katastrophen erhebt sich auf der Insel ein faschistisches Regime unter der Führung des Kanzlers Sutler. Der totale Überwachungsstaat, der seine Untergebenen durch sämtliche Medienorgane manipuliert und Abweichungen im Denken der Individuen mit dem Tod bestraft bestimmt den Alltag. Kleriker, die sich mit Minderjährigen für Verschwiegenheit auszahlen lassen, Sprachorgane, die öffentlich Andersartige diffamieren und vertuschte ethnische Säuberungen :Alles könnte so wunderbar scheiße in Great Brittan sein, wenn nicht plötzlich ein Terrorist mit einer Guy-Fakwes-Maske auf der Bildflächer erscheinen würde. Innerhalb eines Jahres plant der maskierte Rächer namens V das Regime von innen heraus zu zerstören und den Sieg gegen das System mit der Sprengung des Parlaments zu besiegeln. Nach einigem hin und her gelingt es V schließlich auch die junge Evey zunächst unfreiwillig doch später umso gefestigter von seiner Idee zu überzeugen, das totalitäre Regime zu stürzen.

Einst als bösartiger Tritt in die Fresse des Thatcherismus von Alan Moore und seinem Mitstreiter David Lloyd aus der Taufe gehoben, präsentieren uns hier die Mannen hinter der Matrix-Kacke die Leinwandversion der Story. Dass man die epische Auslegung und die detailversessenen Querverweise des Originals nicht in zwei Stunden Hollywoodware pressen kann war eigentlich klar, doch so wie der Film die Bedrohungen durch das System visualisiert bleibt der Schrecken der Endzeitvision weit hinter dem der Vorlage zurück. Wie gewohnt schmeißen Hollywoods Mittelschul-Philosophen Wachowski wieder mal mit bedeutungsschwangeren Fragmenten um sich und verprellen die No-Brainer-Klientel genauso wie die Fans der Graphic Novels. Um die Substanz der Vorlage auf die Leinwand zu übertragen fehlt es V for Vedetta in Filmform einfach an den Möglichkeiten, die Story angemessen zu vertiefen. Viel zu komprimiert kommt hier ein Film vorbeigehüpft, dem man zu jeder Zeit seine Zurechtstutzung auf ein Popcorn-Publikum anmerkt. Während der Actionkostkonsument sich schier zu Tode langweilen wird, erleidet auch der Zuschauer, der einen intellektuellen Anspruch hegt, die Gewissheit, dass die pessimistische Erwartungshaltung gegenüber V for Vendetta begründet war. Über bleibt ein nicht wirklich übler Streifen, dessen schauspielerische Leistungen durch die Bank weg durchschnittlich bleiben (John Hurt, Stephen Fry, Natalie Portman , Hugo Weaving und Stephen Rea bleiben hinter ihrem Potenzial zurück) und vereinzelt Ansätze zeigt, die schnell wieder vergeigt werden. Einzig die zweite Stunde des Films weiß da etwas rauszureißen und verleiht auch dem ansonsten recht phlegmatisch erscheinenden Streifen etwas an Spannung und Dynamik. Über die angepappten Versatzstücke der aktuellen US-Politik in V schweigt man sich dann besser aber aus. Wenn das etwas wie subversive Kritik an der Bush-Administration darstellen soll, ist sie an dümmlicher Plakativität kaum zu überbieten. Der Mainstreamhardliner, der schon die Analphilosophie aus Matrix in den Himmel lobte und dessen Tiefgründigkeit abseits vom erbärmlichen Product-Placement vermutete, wird auch bei der V-Adaption frohlocken.


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