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Eisstation Zebra (1969)
Eine Kritik von Fastmachine (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 08.06.2005, seitdem 386 Mal gelesen
Der „Kalte Krieg“ hatte auch seine guten Seiten. Das Weltuntergangsszenario vom atomaren Schlagabtausch sorgte für eine Unzahl von hochkarätigen Agententhrillern. „Eisstation Zebra“ gehört zweifellos dazu. Der Film spielt perfekt mit den Mythen des Genres, teilt aber auch seine Schwächen.
Schon zu Beginn wird der Zuschauer auf die Bedeutung der kommenden Ereignisse eingestimmt. Ein Satellit taucht in die Erdatmosphäre ein und geht über der Arktis nahe der britischen Wetterstation „Zebra“ nieder. Zwischenschnitte auf riesige Funkempfangsstationen und Teleskope in Ost und West zeigen mehr als deutlich, dass der Satellit für die Supermächte von großer Wichtigkeit ist. So suggestiv diese Bilder auch sind, sie verraten nicht, worum genau es geht. Der Zuschauer wird zum Spekulieren eingeladen, die Spannung schon von Anfang an aufgebaut.
Im nächsten Kapitel lernen wir dann den Helden des Films kennen, Captain Ferraday (Rock Hudson), Kommandant eines amerikanischen Atom U-Boots. Unter mysteriösen Umständen wird er auf eine Geheimmission in die Arktis geschickt. Offizielle Begründung: Rettung der Besatzung von Eisstation Zebra, die nach aufgefangenen, verstümmelten Funkrufen in Gefahr ist. Ferraday wird automatisch zur Identifikationsfigur für die Zuschauer, da er genauso wenig über die Hintergründe seiner Mission aufgeklärt wird und auf eigene Faust versucht, mehr herauszufinden. Anlass zum Misstrauen hat er genug. Vor dem Auslaufen in einem schottischen Hafen wird ihm eine Abteilung Marineinfanterie mit an Bord gegeben. Drei seltsame Passagiere kommen an Bord, teilweise erst nach der Abfahrt per Hubschrauber.
Argwöhnisch versucht Ferraday, Näheres aus seinen „Gästen“ herauszubekommen.
Undurchsichtige Figur Nr.1: „Mr.Jones“ (Patrick McGoohan) – offensichtlich ein Tarnname. Jones hat ungewöhnliche Vollmachten. Er scheint über die Vorgänge bei Zebra völlig im Bilde und lässt deutlich durchblicken, dass er ab einem gewissen Stadium das Kommando der Mission führen wird. Jones wird als mit allen Wassern gewaschener Geheimagent vorgestellt, der keinen Zweifel daran lässt, auch die schmutzigsten Geschäfte zu erledigen. Gleichzeitig trägt er eine kühle, verschlossene Haltung nach außen.
Undurchsichtige Figur Nr.2: „Mr.Vaslov“ (Ernest Borgnine) – ein russischer Überläufer und nun Kollege von Mr.Jones. Vaslov ist äußerlich das Gegenteil von Jones, nämlich offenherzig, redselig und gefühlsselig, ganz dem Klischeebild der „russischen Seele“ entsprechend. Mit kindlicher Naivität begeistert er sich für die Technik des Atom U-Boots und verdächtig neugierig schaut er sich an Bord um, sehr zum Befremden der amerikanischen Besatzung.
Undurchsichtige Figur Nr.3: Captain Anders (Jim Brown) – der Kommandant der Marineinfanteristen. Anders ist ein ganz scharfer Hund. Auf Beliebtheit legt er keinen Wert, denn seit seiner Ankunft haben die Marineinfanteristen wenig zu lachen. Anderson schleift sie gehörig und nimmt jede Gelegenheit wahr, das Arschloch vom Dienst heraushängen zu lassen. Im Ernstfall will Anders eine perfekt funktionierende Einheit haben, die genau das tut, was er ihr befiehlt. Anders wird von Beginn an von Jones und Vaslov argwöhnisch beäugt.
In der abgeschlossenen Welt des U-Boots entwickelt sich langsam ein Klima des unterschwelligen Misstrauens. Geschickt inszeniert der Film Verdachtsmomente gegen jeden der drei undurchsichtigen Passagiere, über die niemand etwas weiß. Für diese Entwicklung der Figurenkonstellation lässt sich der Film sehr lange Zeit, da sich die Verdachtsmomente meist aus vermeintlich nebensächlichen Vorkommnissen speisen. Der Zuschauer rätselt mit Captain Ferraday, der als einziger stets aufrichtig und integer erscheint, wem man vertrauen kann und wer hier falsch spielt. Unvermittelt wird aus der unterschwelligen Bedrohung lebensbedrohlicher Ernst, als das U-Boot plötzlich auf Grund von Sabotage in Seenot gerät und zu sinken beginnt. In letzter Sekunde kann das Schiff gerettet werden. Seitdem grassiert das offene Misstrauen. Jemand will verhindern, dass die Mission ihr Ziel erreicht. Der Feind befindet sich in den eigenen Reihen. Jemand, der für seine Überzeugung zu sterben bereit ist, wie der Vorfall bewiesen hat.
Neben diesem klassischen Thrillerplot kann „Eisstation Zebra“ vor allem durch die fantastische und damals noch faszinierend neuartige Kulisse eines Atom U-Bootes glänzen. Nur durch die Mitwirkung der amerikanischen Marine waren die für damalige Verhältnisse spektakulären und auch heute noch gut anzusehenden Szenen auf dem U-Boot sowie vor allem die Unterwasseraufnahmen möglich. Insbesondere die Szenen, in denen das U-Boot unter dem Polareis taucht und unterseeisch zwischen den Eisbergen navigiert, haben eine beeindruckende optische Überzeugungskraft. Man darf an die Schilderungen des Lebens an Bord allerdings nicht die Maßstäbe von späteren Produktionen wie „Das Boot“ anlegen. Gemessen daran wirkt hier alles zu sauber, perfekt und vorbildlich. Die Besatzung wird so geschildert, wie sich die amerikanische Marine damals wohl selbst sehen wollte. Sicher spielt hier auch die Entstehungszeit (1968) eine Rolle, da der Film noch ganz dem klassischen Kino verpflichtet ist und mit dem „dreckigen“ Look der siebziger Jahre nichts am Hut hat. Zudem interessiert sich der Film im Gegensatz zu „Das Boot“ gar nicht für die Lebensumstände der Besatzung, sondern konzentriert sich voll auf die spannende Agentengeschichte.
Schließlich erreicht das U-Boot die Eisstation Zebra und taucht zwischen den Eisschollen aus dem Polarmeer auf. Doch in der Station hat sich eine Katastrophe ereignet. Auch hier hatten Agenten beider Seiten ihre Finger im Spiel. Die Spannung zwischen den undurchschaubaren Figuren spitzt sich zu, es kommt zu hinterhältigen mörderischen Anschlägen. Wer steht hier auf welcher Seite? Unvermutete Wendungen und tragische Missverständnisse lassen die Spannungskurve noch einmal steigen. Ebenso wie die Spannung innerhalb der Gruppe steigt, so wird auch durch Verschärfung der äußeren Umstände nochmals an der Spannungsschraube gedreht. Während die Amerikaner verbissen nach dem niedergegangenen Satelliten suchen, haben auch die Russen eine Fallschirmjägereinheit in Richtung Zebra in Marsch gesetzt. Um jeden Preis wollen sie den Satelliten für sich. In einem dramatischen Finale kommt es zur Konfrontation der Supermächte im Eis der Arktis. Die Masken fallen, noch einmal wird falsch gespielt. Für einige atemlose Momente steht die Welt am Rande eines Krieges.
Mehr sei nicht verraten.
Wer sich mit dem Genre des Agententhrillers in den sechziger und siebziger Jahren beschäftigt hat, wird schon aus der Konstruktion der Geschichte den Urheber erkannt haben.
Alistair MacLean war seinerzeit der bekannteste Thrillerautor des Genres, zahllose seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt. Es ist im Nachhinein erstaunlich, wie er mit einem im Grunde immer gleichen Plot doch allzeit enorm spannende Unterhaltung liefern konnte. Sicher, wer einige MacLean Verfilmungen gesehen hat, dem werden die Grundelemente nur allzu bekannt vorkommen. Eine abgeschlossene Gruppe mit geheimnisvollem Auftrag. Ein ebenso rätselhaftes wie gefährliches Zielobjekt. Die Zustände am Zielobjekt sind ganz anders, als es einem vorher gesagt wurde. Und vor allem: Der Feind ist stets in den eigenen Reihen anwesend. Doch wer ist der Verräter? MacLeans Figuren sind immer dubios angelegt, hier kann sich jeder als Verräter entpuppen, der das Gegenteil von seinen bisher vorgetragenen Ansichten vertritt. Am bekanntesten sind vielleicht „Agenten sterben einsam“ und „Die Kanonen von Navarone“, beide mit dem Zweiten Weltkrieg als Hintergrund, der für MacLean auch lebensgeschichtlich prägend war.
„Eisstation Zebra“ gehört auch aus heutiger Sicht zu den besten Verfilmungen eines MacLean Thrillers, obwohl er an „Agenten sterben einsam“ nicht ganz herankommt. Der Film bietet über 140 Minuten gut dosierte Spannung. Von den ersten Verdachtsmomenten bis zur dramatischen finalen Konfrontation reißt der Spannungsfaden niemals ab, das ist mehr, als man von den meisten Filmen damals wie heute sagen kann. Die Nachteile von MacLeans Thrillern finden sich allerdings ebenso allesamt in diesem Film wieder. Alle Hauptfiguren sind bloße Typen, kein Charakter wird psychologisch vertieft. Allein dadurch können sie scheinbar glaubwürdig ihre Absichten so rasant grundlegend ändern. Die Figuren stehen ausschließlich im Dienste der Spannungsführung, es wird ihnen kein Eigenleben zugestanden. Folglich haben es auch die Schauspieler schwer, hier zu wirklich großer Form aufzulaufen. Sie können kaum mehr leisten, als durch ihre Leinwandpräsenz den Rollentyp überzeugend wirken zu lassen. Die Besetzung der Rollen ist daran gemessen gut gewählt, ohne dass irgendeinem von den Schauspielern besondere Leistungen abverlangt worden wären. Ebenfalls wenig ins Gewicht fällt die absolute Konstruiertheit der Story. Ebenso wie bei einem James Bond Film zählt hier die Spannung, nicht der Realismus.
Fazit: Thrillerfans sollten diesen Klassiker des Genres unbedingt im Regal stehen haben. Atemlose Spannung in einer faszinierenden Kulisse – genau das, was man von einem guten Genrefilm erwartet, wird hier geboten. Vielleicht würde heute niemand mehr den Film auf 140 Minuten bringen, doch ist die Länge hier kein Nachteil für die Spannungskurve. Sicher ist dem Film in der Personenzeichnung und in den Spezialeffekten sein Alter anzusehen, auch mögen einige der damals spektakulären U-Bootaufnahmen heute selbstverständlich sein, jedoch hat sich die Grundqualität des Films bis heute gut gehalten.
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