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Eisstation Zebra (1969)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 03.08.2005, seitdem 862 Mal gelesen
Der schottische Bestsellerautor Alistair MacLean hat, neben diversen mittelprächtigen Romanen, ein paar fesselnde Kriegsreißer geschrieben, denen zumindest teilweise auch eine adäquate Verfilmung wiederfuhr. Als Beispiele seien da „The Guns of Navarone“ und der im selben Jahr wie „Ice Station Zebra“ produzierte Genreprimus „Where Eagles Dare“ genannt. Ein eher unrühmliches Gegenbeispiel stellt „Force 10 from Navarone“ dar. Alle drei haben aber eins gemeinsam: Sie spielen vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs.
Mit „Ice Station Zebra“ nahm sich MacLean indes dem (damals) aktuellen Zeitgeschehen, nämlich dem Kalten Krieg, an und spielte vortrefflich damit, wovor seinerzeit die gesamte Menschheit Angst hatte. Dass die Muskelspiele der Sowjetunion und der U.S.A. sich zu einem atomaren Konflikt ausweiten würden, der die Welt zerstören würde. Die Lunte brannte bereits und die beiden Atommächte prüften regelmäßig wie weit sie in dieser angespannten, weltpolitischen Lage gehen konnten.
„Dirty Harry“ – Miterfinder Harry Julian Fink („Big Jake“) kürzte die Romanvorlage auf das Wesentliche zusammen. Was auch nötig war, denn „Ice Station Zebra“ hat ohnehin Überlänge und hätte sonst auf locker drei bis vier Stunden hinauslaufen können. Dass die Russen ihrerseits einen Eisbrecher losschicken, um der Station am Nordpol zu helfen, wird ausgespart und der an Bord der „Tigerfish“ gehende David Jones (Patrick McGoohan, „Scanners“, „Braveheart“), gibt sich schnell als zielstrebiger Geheimagent anstatt britischer Arzt zu erkennen. Auch das Ende, die Ermittlung des Saboteurs, wurde komplett umgestrickt. Das soll aber nicht heißen, dass hier verschlimmbessert wurde, sondern Fink das Skript einfach filmtauglich verfassen musste. Das Buch ist so schlicht und einfach nicht verfilmbar, übrigens dennoch sehr empfehlenswert, wenn man sich mit U.S. – Patriotismus und Klischees anfreunden kann.
Das Grundszenario ist also gleich geblieben. Commander James Ferraday (Rock Hudson, „Giant“, „The Undefeated”) wird mit seinem Atom-U-Boot, der „Tigerfish”, und einer Truppe Infanteriesoldaten an den Nordpol befohlen, um die Überlebenden der Station Zebra aufzunehmen. Hilferufe über Funk weisen darauf hin, dass dort eine Explosion stattgefunden hat und Menschen gestorben sind. Der Zuschauer vermutet längst den eigentlichen Grund. In der Nähe ist ein russischer Spionagesatellit runtergegangen, den es zu bergen gilt. Warum? Das erfährt man erst im Verlauf des Films.
John Sturges („The Satan Bug”, „The Eagle Has Landed”), vormals eifriger Westernregisseur und nach „The Great Escape”, so glaubte man, der richtige Mann für die Aufgabe, war leider nach seiner stimmigen Exposition entweder überfordert oder musste sich auf ein zu oberflächliches, einfach gestricktes Drehbuch verlassen, denn, auch wenn „Ice Station Zebra“ heute Klassikerstatus genießt, der Film hat seine Probleme in Schwung zu kommen und Sturges unterlaufen viele, zu offensichtliche und häufige Goofs, die man von ihm so nicht gewohnt ist. Nach einem extremen Tauchmanöver steht das Geschirr noch wie angeklebt in der Offiziermesse, während in der Kombüse alles durch die Gegend flog, das von Captain Leslie Anders (Ex-Footballer Jim Brown, „The Dirty Dozen“, „Any Given Sunday“) abgelegte Gewehr verschwindet wie von Zauberhand (Weswegen dem Rest der Anwesenden auch die Kombinationsfähigkeit abhanden kommt, wer eigentlich sabotiert!) und dann rennen plötzlich am Nordpol alle ohne Kopfbedeckung und Gesichtsmasken herum (Auch wenn der Sturm nachlässt, sind dort längst keine Frühlingstemperaturen).
Sturges gelingt immer wieder einzelne Episoden vortrefflich zu inszenieren und ihnen die nötige Suspense aus den Rippen zu leiern, dann jedoch herrscht wieder Leerlauf vor, was er auch dem Skript zu verdanken hat. Der mögliche Täterkreis ist einfach zu klein und es gibt keine Lösung a la „The Hunt for Red October“. Der offensichtlich Verdächtige kann es nicht sein und da kommen dann leider nicht mehr viele Personen in Frage. Ich will hier nichts spoilern, aber der Verräter ist vom Drehbuch zu offensichtlich angelegt.
Grandios hingegen die Unterwasser-Tricks, bei denen Sturges sich dann auch vom Militär unterstützen ließ. Die erste Beinahkatastrophe, als das U-Boot zu versinken droht, das enge Manövrieren unter dem Eis und die Versuche durch die Eisdecke an die Oberfläche zu brechen sind hochspannendes Kino. Schade, dass es die Navy bei der Innenausstattung nicht so genau nahm. Vergleicht man das Innere des U-Boots mit den modernen Pendants aus „Crimson Tide“, stellt man fest, dass die „Tigerfish“ die Dimensionen eines Flugzeugträgers haben müsste, so klinisch und luxuriös ist hier alles eingerichtet. Beeindruckend sind diese hochtechnisierten Vorrichtungen aber allemal.
Trotzdem ist der Weg zum Nordpol überlang. Michel Legrand („The Thomas Crown Affair“, „Never Say Never Again“) versucht der Hinreise mit seinem gelungenen Score zwar mühevoll Spannung einzutrichtern, wenn die Handlung da aber nicht mitspielt, fällt das schwer. Abseits des beinahe verhängnisvollen Vorfalls, der dann auch erst nach der Zielankunft geschieht, wird im Grunde nur gemauschelt, warum man den eigentlich zum Nordpol aufbrach. Ein paar Dialograngeleien zwischen dem Captain und dem Geheimagenten, dem laut Befehl alle Unterstützung zuzukommen lassen ist, sind das Äußerste an Konfliktpotential. Die nachträglich aufgenommenen Charaktere soll nur die Anzahl der Verdächtigen erhöhen. Viel Thrill gibt es wahrlich nicht, denn, mal ganz ehrlich, solche Szenen wie das Zerlegen und Zusammensetzen von Waffen unter Zeitdruck und mit verbundenen Augen gehört nicht unbedingt in diesen Film. Viel eher eine Vertiefung der Charaktere oder eine Bezugsperson, aber solche Dinge waren noch nie MacLeans Stärken.
Weil es mit dem Spannungsbogen so gewaltig haperte, zog Sturges das letzte Drittel weit actiongeladener auf. Der durch den immer noch wütenden Schneesturm erschwerte Weg auf dem Eis zur Forschungsstation wird durch geringe Sicht erschwert, eine sich zusammenschiebende, unsichtbare Gletscherspalte führt fast zu einer menschlichen Tragödie und selbst vor Ort findet man dann eine faustdicke Überraschung, sowie neue Fragen vor. Das Tempo wird schnellstmöglich angezogen, so dass die Sowjets ihrerseits dank des aufklarenden Himmels (Wo dann auch die Eiswüste unschwer als Studiokulisse auszumachen ist) nicht nur Kampfjets, sondern auch Fallschirmspringer entsenden können, woraus letztlich ein klassischer Patt resultiert. Entweder eine der beiden Seiten provoziert den Zwischenfall (Beide sind notfalls gewillt soweit zu gehen) oder man trennt sich friedlich...
Die Figurenkonstellation entsprechen zum Schluss dann, genau wie im vorangegangenen Film, dann den üblichen Klischees. David Jones bleibt bis zum Schluss der kühl kalkulierende Spion mit einem Ziel vor Augen, Ferraday (mit Hudson unkonventionell besetzt) der Gutmensch, dem es vorrangig darum geht sich und die Männer heil aus der Situation zu manövrieren und der russische Oberst als zwar vernünftiger, aber überlegener und deswegen auf seinem Standpunkt beharrender Charakter. Auch weil die Figuren so stumpf ihren Bestimmungen folgen, überrascht der Ausgang letztlich dann kaum.
Fazit:
Sein Klassikerstatus ist zurecht nicht ganz unumstritten. Der nach der üblichen Rezeptur von Alistair MacLean gestrickte, damals hochbrisante Spionagethriller verfügt zweifellos über hervorragende Spannungsmomente, plagt sich gleichzeitig aber auch mit seinen unübersehbaren Längen zu Beginn. Dank John Sturges souveräner Inszenierung, die wenig für das Drehbuch kann, guten Schauspielern wie Ernest Borgnine und Rock Hudson, die hier aber dank ihrer blassen Charaktere nie über sich hinauswachsen und tiefen Griffen in die reichhaltige und beeindruckende Trickkiste verfehlt „Ice Station“ den Platz an der Sonne, den „Where Eagles Dare“ unumstößlich inne hat, zumindest nicht allzu weit. Den Unterschied zwischen legendärer Klasse und guter Spionagekost erkennt man (Um so eine provokative Bezeichnung wie Fachmann zu umgehen ;)) allerdings deutlich.
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