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Slither - Voll auf den Schleim gegangen (2006)

Eine Kritik von McHolsten (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 23.06.2006, seitdem 633 Mal gelesen


Als erstes möchte ich zunächst erstmal meinen Dank aussprechen: Danke an die Kinder, die an diesem Abend zu Hause geblieben sind! Ihr habt einem trotz der FSK16 Freigabe und ob des hohen Eintrittspreises von 8 € einem einen schönen Abend bereitet. Keine lauthalsigen Lacher, keine dummen Sprüche - obwohl diese passender gewesen wären, als wie bei “unserem” letzten gemeinsamen Kinobesuch. Wie dem auch sei, an alle Interessierten: Lasst Euch bloß nicht von der Freigabe abschrecken, vor allem gegen Ende hin wartet der Film mit einigen recht derben Effekten auf, die man nicht unbedingt ab einer Freigabe ab 16 Jahren erwarten würde, im Kontext des Films aber für die Freigabe durchaus okay gehen. Die FSK scheint echt toleranter geworden zu sein, zumindest aber scheint sie in den heutigen Zeiten erkannt zu haben, das ein komödiantisch angehauchter Horrorfilm auch für ein Zielpublikum geeignet ist, das nicht unbedingt die Grenze zum “Erwachsenendasein” überschritten haben muss.

Gerade durch die humorvolle und bisweilen ironische Inszenierung wird einiges der “Härte” des Films genommen, der aber durchaus mit einigen harten Effekten aufwarten kann und somit sowohl Freunde von harten Effektorgien, als auch das eher massenkompatible Zielpublikum gut zu unterhalten weiß. Dies liegt vor allem am gradlinigen Aufbau der Geschichte, die gekonnt Elemente des “Schrottfilms” aufgreift, jedoch so selbstsicher und mit einem sichtbaren Budget ausgestattet, ihren “Anspruch” an das Kinopublikum gerichtet ist, so dass sich dieses zielsicher zwischen Ekel und extremen Lachtiraden bewegt.

Die Geschichte ist eine gekonnte Mischung aus Night of the Creeps, Body Snatchers und Der Blob, gepaart mit einigen Schenkelklopfern und einer Prise Wahnsinn, die nicht unbedingt dem “normalen” Horrorfilmgucker gefallen wird, aber auf Grund ihrer mit Zitaten gespickten Machart positiv auffällt. Obwohl der Film randvoll mit Klischeefiguren ist und auch die Story nicht wirklich originell ist, wird man trotzdem nett unterhalten und fühlt sich in dem US Kaff Wheelsy gleich von Anbeginn wohl. Die etwas abgelegene Ortschaft ist ein Paradies für Hinterwäldler, genau so sehen auch die Figuren in der örtlichen - hust - Kneipe aus, die ob der Rede ihres Bürgermeisters - die Jagdsaison ist eröffnet - gar in gänzliche Euphorie verfallen. Was keiner weiß und ahnt ist, das ein Meteor gerade in ihrem stillen Örtchen in einem Waldstück eingeschlagen ist und gleich der erstbesten “Dummen” - einem abgewiesenen Ehemann der seinen Spaß mit einer Kneipenbekanntschaft im Wald sucht - mit seinem fiesen Träger, einem außerirdischen Parasiten, befällt. Diesen Träger packt nun eine regelrechte Fleischeslust, die sich aber nur anfänglich durch Hundefleisch befriedigen lässt. Ferner denkt der Parasit gar über Nachwuchs nach, um so noch schneller die Welt zu unterjochen...

Anfangs noch eine gemächlichere Gangart einschlagend und erst einmal die sympathischen Charaktere vorstellend, wendet sich das Grundgerüst der Story im Verlaufe des Films öfters, jedoch ohne seinen Grundtenor - die außerirdische Invasion über den menschlichen Körper und Geist - zu vernachlässigen. Wo sich erst noch in Andeutungen geübt wird, die Hauptpersonen sexy Lehrerin, unattraktiver & fremdgehender Ehemann, sowie der obligatorische Held - natürlich der Sheriff - vorgestellt werden und deren gemeinsamen Verbindungen aufgezeigt werden, so geht es eigentlich ab einer halben Stunde rasant weiter. In cool geschnittenen Zwischenszenen zwischen der Eröffnungsfeier der Jagdsaison, der der wie auch in der anfänglichen Szene die “Darwin” Lehre augenzwinkernd integriert wird, offenbart sich das Biest - entschuldigt: Der Parasit im Mann und in der ersten, sehr gelungenen Effektsequenz bekommt man einen ersten Einblick auf weitere Geschehnisse.

Was die Effektszenen anbelangt, so wird einem für die Freigabe gediegene Kost geboten, die auf Grund des Budgets und der Massenkompatibilität nicht sonderlich extrem ausfallen, jedoch einem solide, ja bisweilen gute Kost liefert. Dabei wird einem zum Ende ein Potpourri an Hommagen bekannter Genrewerke aufgefahren, allein die unzähligen derben Kopfschüsse der Zombies erinnern an blutrünstige Vertreter diesen Genres, aber auch die schleimige “Kreatur” des Oberbosses ist klar als Zoll an den schönen Yuzna Streifen Society erkennbar, wenn auch die Vielfältigkeit der obskuren Kreaturen auf zwei reduziert wird. Nichtsdestotrotz können eingefleischtere Freunde des Horrorfilms genug Parallelen zu berühmten Klassikern ziehen, z.B. offenbaren die anfänglichen Tentakel, welche aus dem Bauch des ersten Opfers des Meteors sprießen, eine deutliche Ähnlichkeit an die “Messer” des “Dr. Channard”. Auch sonst merkt man bei den Effekten das deutlich hohe Budget an. Die CGI Effekte der “Schnecken” sind recht gelungen, in Nahaufnahmen ließ Regisseur James Gunn es sich nicht nehmen echte Effekte der sich windenden Schnecken zu zeigen, die neben den richtig guten Masken der Infizierten einiges zur “Intensität” des Streifens beitragen.

Die Darsteller bewegen sich ebenfalls routiniert durch das Geschehen, lassen jedenfalls keinen Grund zur Klage aufkommen. Ihre Charaktere mögen zwar Abziehbilder sein, jedoch bleiben keine sichtbaren Klebestreifen auf dem Hintergrund kleben. Will heißen, das trotz der stereotypen Verhaltensmuster die Darsteller den Figuren immer noch genug Leben einhauchen um als eigenständige Personen bestehen zu können. Besonders überrascht war ich von Michael Rooker, dessen wirklich miese Darstellung in dem noch mieseren C-Streifen Skeleton Man wirklich beschämend war, hier jedoch als mutierender Erstbefallener eine gute Figur macht. Zwar gibt es die ein oder andere Stirn runzelnde Szene, aber gerade bei so einem Streifen darf man nun wirklich keine darstellerischen Höchstleistungen erwarten. Es ist ein gewollter Spaßhorror und unter diesem Augenwinkel sollte man auch die Gesamtheit sehen.

Nicht unbedingt immer spannend, doch recht atmosphärisch geht es von statten, wird das durch die bisweilen an Herpes erinnernden Luftblaseneffekte - die die Infizierten “schmücken” - bisweilen angeekelte Publikum “geschockt”, um im nächsten Moment durch den ein oder anderen markanten Spruch lauthals los zu prusten. Lässt man Logiklöcher außer acht, so wird die Geschichte nach einer kurzen Anlaufzeit doch recht flott erzählt und bedingt durch die locker-flockig inszenierte Mischung kommt wohl ein jeder mehr oder minder auf seine Kosten.

Doch gerade von einem James Gunn hätte ich etwas mehr erwartet als einen routiniert abgedrehten Schundfilm in edler Optik. Der Drehbuchautor von Scooby Doo und dem Dawn of the Dead Remake, der auch bei diversen Troma Projekten wie Tromeo & Julia oder seine Finger im Spiel hatte, hätte durchaus mit schon etwas mehr Konsequenz und Derbheit aufwarten können. [Übrigens gibt es in einer Szene einen Ausschnitt aus dem ersten Toxie zu sehen!] Nicht das Slither ein Film für die ganze Familie wäre; nein das nicht, aber etwas mehr Ungeschliffenheit und Skurrilität hätte ich mir schon gewünscht. So verläuft die Story sehr gradlinig, nicht aber minder unterhaltsam, wenn auch manches sehr vorhersehbar ist und gerade für Kenner der “Klassiker” offenbar nur eine Abfolge von Zitaten und Hommagen abgespult wird.

Insgesamt gesehen wird einem nicht wirklich neues geboten, die Mischung gefällt jedoch und wer keinen der Klassiker kennt, der darf gerne noch 1-2 Zähler auf der Punkteskala dazu addieren. Alteingesessenen Horrorfreaks mit Ahnung vom Genre sollten aber dennoch einen Blick riskieren! (gute 7/10)


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