Eine Kritik von Kerry (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 08.08.2006, seitdem 392 Mal gelesen
Was will uns Spielberg mit diesem Film sagen?
Ich weiß es nicht, er selber hat es vermutlich auch nicht so genau gewusst.
Die (teils fiktiven) Ereignisse nach dem Münchner Attentat werden auf eine Art und Weise dargestellt, die den Betrachter ratlos zurücklässt.
Eine kritische Reflektion der Ereignisse findet nicht statt; allenfalls ein paar (pardon, Mr. Spielberg) Plattitüden gegen Ende des Streifens.
Dabei wirft gerade dieser Stoff existentielle Fragen auf:
- was ist die Ursache von Gewalt?
- ist das Motto der handelnden Personen "Auge um Auge" gerechtfertigt?
- hätte es intelligentere Alternativen zu deren Handlung gegeben?
- wie sind die politischen Hintergründe und die Motivation auf beiden Seiten?
Alle diese Fragen werden allenfalls oberflächlich abgehandelt. Die damilige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir wird als Hausmuttchen dargestellt; die Generäle verkommen zu Stichwortgebern.
Ebenso die Teammitglieder des Hauptdarstellers: kritische Diskussionen zwischen den Teammitgliedern finden allenfalls oberflächlich statt. Und was bitte Schön ist der "Sinn" und die Motivation des großen Unbekannten, der die Palästinenser ans Messer liefert? Nur das Geld oder noch etwas Anderes? Und wo hat er seine ganzen Informationen her?
Fragen über Fragen, jedoch keine Antworten.
Der weitestgehend inhaltleeren Handlung steht eine über weite strecken barsche Gewaltdarstellung entgegen. Hat Spielberg so etwas wirklich nötig? Was in "Schindlers Liste" und "Private Ryan" integraler Bestandteil einer mitreißenden Geschichte war, verkommt hier (leider) zum reinen Selbstzweck.
Der Film hat auch seine guten Momente: Der Anfang sowie die nachgestellten Szenen des Attentats sind auf Spielberg typische Weise perfekt inszeniert - dies kann man fast nich besser machen. Danach jedoch wird dieses Niveau nicht gehalten und flacht analog zur Dauer des Films zusehend ab.
Aber was solls, auch Spielberg ist "nur" ein Mensch und hat auch mal das Recht, einen nur mittelmäßigen Film zu drehen. Hoffen wir also auf die nächsten Werke...
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