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München (2005)

Eine Kritik von filmhund (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 17.05.2007, seitdem 356 Mal gelesen


Gar nicht unspannend, was Spielberg hier aus seinem stets fruchtbaren Boden gestampft hat. Als Thriller funktioniert der Film ziemlich gut, vor allem das Spiel mit den französischen Informanten und das Vom-Jäger-zum-Gejagten-Element sind sehr professionell inszeniert.
Doch leider gehört der Streifen nicht zu den wahren Glanzlichtern des Genres, zu sehr hat man sich zwischen einem ur-klassischen Thriller und Pseudo-Doku verfangen. Hier hat Spielberg, der in den grossen Teilen seiner Karriere ein reiner Unterhaltungsregisseur war/ist, mal wieder eine Portion Weltschmerz verarbeiten müssen - was er ja mit "Schindlers Liste" noch recht eindrucksvoll hinbekommen hat. Nun nimmt er sich das ganz und gar nicht brisante Thema des Terrorismus und des Israel-Konflikts vor - und gerät prompt in die Rolle des Darüberstehenden und des Überlegenen.
Der Film beginnt mit einer fürchterlich blöden Einführungssequenz - das einzige Mal, dass Amis auftauchen - gibt dann ansatzweise fast-dokumentarische Bilder der München-Ereignisse wieder, bricht sie aber früh ab, um seine Handlung in Rollen zu bringen. Recht unmotiviert bekommt der Hauptdarsteller nun über den Film verteilt Erinnerungsflashs von den Ereignissen. Ich fand das sehr schade, Spielberg hätte hier ruhig den "Private Ryan"-Effekt kopieren sollen und die sehr gut gedrehte Entführungssequenz in voller Länge an den Anfang stellen sollen.
Dass die finale Auflösung der Entführung damit zusammen geschnitten wurde, wie der Killer seine Frau nagelt und die Erschießung der Geiseln mit seinem Abspritzen verknüpft wird, halte ich für eine der dümmsten Szenen der Filmgeschichte, die das Finale des Thrillers tierisch in den Sand setzt!
Jetzt ist es für einen atheisten wie mich, der sein Leben wohlbehütet in eben jenem München lebt natürlich sehr schwierig, die politischen und religiösen Motivationen nachzuvollziehen, daher versuche ich nicht, die nicht ganz astreine Darstellung der Beteiligten zu kritisieren (was ich hiermit ja schon getan habe...), möchte aber doch ein Wort zu dem ultra-peinlichen Spielbergschen Vorwort loswerden, das man auf der DVD allen ernstes vor dem Hauptfilm anschauen soll: es ist das erbärmlichste und verlogenste, was ich seit langer Zeit gehört habe, man fragt sich echt, wie so ein Strohkopf je gute Filme drehen konnte! Der Wahnsinn, schon lange nichts so peinliches gesehen, vor allem lustig, wie gewaltig er die Bedeutung seines Thrillers überschätzt.
Aber jetzt also zum Film, ein Agententhriller mit politischem Hintergrund, zweifelhaft motivierten Akteuren, ständig wechselnden Schauplätzen und nur sehr wenigen Augenblicken Ruhe. Die Photographie ist angenehm zurückhaltend, die Gewaltdarstellung recht drastisch-realistisch, die Musik-Untermalung bis auf einige Ausrutscher dezent und Gott-sei-Dank halten sich die Hinweise auf das Jahrzehnt, in dem die Geschehnisse waren, einigermaßen in Grenzen. Die Darsteller sind teilweise ganz gut, jedoch geben ihre Rollen ohnehin kaum was her.
Es gibt eine völlig unnötige Schwangerschaft zu Beginn und viele kleine unnötige Szenen, vor allem mit dem Zusammentreffen PLO - ETA, was sehr plakativ wirkt.
Da es sich ja letztlich um einen Killer-Film handelt, kann der Regisseur mit den schön und aufwendig inszenierten Mordversuchen schon beinahe die Klasse eines Brian-de-Palma erreichen - für Momente zumindest.
Auch der Plottwist, wenn man es so nennen mag, gegen Ende (die Jäger werden selbst gejagt) funktioniert bestens, naja, bis zu der unbeschreiblich dummen Sequenz, die ich Eingangs schon erwähnt habe.
Fazit: Ein sehenswerter, aber langer Thriller, der nicht ansatzweise die Bedeutung hat, dier er gerne hätte, aber mit den gut inszenierten Action und Mord- Szenen rettet er sich ziemlich souverän


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