Ansicht eines Reviews

Cold Harvest - Der Countdown läuft (1998)

Eine Kritik von Randolph C. (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 08.10.2011, seitdem 126 Mal gelesen


Kaum hat Kopfgeldjäger Roland Chaney (Ex-Kickbox-Champion Gary Daniels) den gesuchten Verbrecher überwältigt, erscheinen wie aus dem Nichts drei schräge (und ziemlich häßliche) Vögel auf der Bildfläche, die ihm die ausgesetzte Prämie streitig machen wollen. Die Kontrahenten starren sich entschlossen an, die langen Mäntel werden gelüftet, um die in den Halftern steckenden Pistolen leichter greifbar zu machen, finstere Blicke werden ausgetauscht, die Finger zucken ob der Nervosität, und die Spannung steigt spürbar. Dann ist der Augenblick gekommen, und bevor die drei Halunken auch nur einen Schuß abgeben können, liegen sie bereits tot im Dreck.
Was wie eine oft gesehene Szene aus einem x-beliebigen Western klingt, ist der Beginn von Isaac Florentines Cold Harvest, einem Endzeitactionfilm, der sich diverser Versatzstücke des klassischen Westerns bedient und diese geschickt in die Handlung integriert. Das actionreiche B-Movie spielt einige Jahre nach der großen Katastrophe: ein Komet hat unzählige Leben ausgelöscht, die Welt in Dunkelheit gestürzt, und einen todbringenden Virus freigesetzt, der auch den kläglichen Rest der Menschheit über kurz oder lang dahinraffen wird. Doch noch gibt es Hoffnung: eine handvoll Menschen tragen den Schlüssel für ein Gegenmittel in Form eines Antikörpers in sich. Hinter besagtem Antikörper ist jedoch auch der skrupellose Little Ray (Bryan Genesse) her, der ihn für seine eigenen finsteren Zwecke zu nutzen gedenkt und vor nichts zurückschreckt. Doch Little Ray hat einen entscheidenden Fehler begangen: er hat Roland Chaneys Bruder Oliver (ebenfalls Gary Daniels) vor den Augen von dessen Frau Christine (Barbara Crampton, unvergessen in Re-Animator und From Beyond) getötet, und das schmeckt dem abgebrühten Bounty Hunter ganz und gar nicht.
Der von Nu Image Films produzierte Cold Harvest ist ein kleiner aber nicht unfeiner Kracher, dessen Gelingen vor allem auf das Konto des talentierten Isaac Florentine (The Shepherd: Border Patrol, Ninja, Undisputed II und III) geht. Im Falle von Cold Harvest beweist Florentine ein Gespür für wuchtige, dynamische Actionmomente, ohne die visuelle Umsetzung und die Geschichte aus den Augen zu verlieren. Ja, mehr noch; selbst aus unvermeidlichen Füllszenen holt er ansprechendes und bisweilen sogar aufregendes heraus (siehe z. B. Christines "Badeszene"). Außerdem sieht der Streifen nicht nur verdammt gut aus, er erscheint auch um einiges teurer, als es sein moderates Budget vermuten läßt. Der Ansatz, den Film mit Westernelementen zu spicken, ist nicht unoriginell und funktioniert überraschend gut. Aber nicht nur im Westerngenre wird gewildert, auch das Hongkongkino (und da besonders ein gewisser John Woo) stand Pate für einige gelungene Actionsequenzen. Dank Bazookaeinsatzes und diversen Crashs muß man eine ordentliche Portion Explosivität ebenso wenig missen wie den einen oder anderen fulminanten Stunt, der schon beim Zuschauen weh tun. Weitere Pluspunkte sammelt Cold Harvest für die verschiedenen Fights, die überwiegend gut, hart und abwechslungsreich choreographiert sind. Aber wo viel Sonne, da auch Schatten. Eine richtige Endzeitstimmung kommt leider nicht auf, dazu ist die Bildsprache - trotz oder vielleicht auch wegen aller Stilisiertheit - zu steril. Und auch wenn die Darsteller recht solide agieren, ein wenig Charisma hätte man ihnen doch gewünscht.
Jenseits von Gut und Böse und ziemlich irritierend sind die völlig übertriebenen, zum Schmunzeln einladenden Soundeffekte; egal, ob es sich um einen heftigen Schlag oder eine bloße Drehung des Kopfes handelt, die Bewegung wird meist von einem zischenden Geräusch begleitet, also ob einem gerade ein Tennisball um die Ohren geschossen wird. Sehr schräg, aber nicht unsympathisch, und es gibt dem Geschehen darüber hinaus einen lockeren Anstrich, der verhindert, daß man das alles zu ernst nimmt. Trotz dieser Defizite und trotz aller Vorhersehbarkeit bietet Cold Harvest temporeiche Unterhaltung und macht einfach ganz großen Spaß. Als Fan bekommt man jedenfalls deutlich mehr geboten, als man von einem Film dieser Art erwartet.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Randolph C." lesen? Oder ein anderes Review zu "Cold Harvest - Der Countdown läuft (1998)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Randolph C.

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

418 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Mann mit der Todeskralle, Der (1973)
Verdammte der Inseln, Der (1952)
Mein wunderbarer Waschsalon (1985)
Hereafter - Das Leben danach (2010)
Get the Gringo (2011)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich