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Unvollendete Bildnis, Das (2003)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 16.03.2010, seitdem 158 Mal gelesen


Die Wahrheit ruht nicht...

Lucy, eine junge Frau, kontaktiert Meisterdetektiv Hercule Poirot, um ihn einen alten Fall neu aufrollen zu lassen. Vor 14 Jahren wurde Lucys Mutter am Strick hingerichtet, weil sie ihren Ehemann vergiftet haben soll. In einem Abschiedsbrief an Lucy beteuerte sie ihre Unschuld. Poirot macht sich auf mit jenen 5 Leuten zu reden, die sich während der Tatzeit auf dem ländlichen Anwesen aufgehalten haben, in dessen Nähe der Mord geschah...

Poirot macht seine Klientin von Anfang an darauf aufmerksam, dass am Ende ihre Mutter der Täter sein könnte. Auch ein Selbstmord wird nicht ausgeschlossen. Und somit wird das heitere Mörderraten bereichert, so dass 7 Varianten zur Auswahl stehen, Interessenvereinigungen nicht eingeschlossen. Der Zuschauer ist herzlichst eingeladen mitzuermitteln.

Auf Poirot-typische Art beginnen nun die Hintergründe, das Puzzle wird nach und nach eins, bleibt jedoch so unvollständig wie das Gemälde im Titel, bis es zur finalen Aufklärung kommt, die (ebenfalls Poirot-typisch) weit ausholt. Am Ende weiß man, dass man auch darauf hätte kommen können. Da wird nicht mit miesen Tricks gearbeitet, die den Zuschauer außen vor gelassen hätten. Regisseur Unwin bietet uns zwar kurz vor der Auflösung eine kleine homoerotische Überraschung, aber diese ist für die Aufklärung so unwichtig wie unnötig, ist sogar die einzige inhaltliche Schwäche dieses wundervollen Kriminalfalles.

David Suchet ist ein überzeugender Poirot, auch wenn sein Bart etwas zu künstlich wirkt. Er kann auf jeden Fall Peter Ustinov das Wasser reichen, der den Meisterdetektiv ebenfalls sehr überzeugend verkörpert hat. Suchet-Poirot-Krimis gibt es dank der TV-Herkunft so einige, dies war mein erster. Mit dementsprechend wenig Erwartung bin ich herangegangen, um derart angenehm überrascht zu werden.

Wenn die x-te Version der selben vergangenen Tage aufgewühlt wird, wird die Geschichte noch immer nicht langweilig. Im Gegenteil, unterschiedliche Wahrnehmungen, mögliche Lügen und andere Kontakte und Aufenthaltsorte bieten immer genauere Perspektiven zur Lüftung des Geheimnisses. Mein persönlicher Verdacht entpuppte sich als falsch, hämisch ausgelacht von Unwin, der es sich nicht verkneifen konnte, innerhalb der klärenden Worte Poirots eine Täuschung anzugehen, die in meine Verdachtsrichtung lenkte, um dann doch das Lenkrad herumzureißen und eine andere Wahrheit zu präsentieren. Und wie oben erwähnt: man hätte darauf kommen können. Wer ein guter Beobachter und ein guter Zuhörer ist, dem steht die Auflösung vor der Nase.

Verdächtig sind alle, wie typisch bei Agatha Christie. Im Gegensatz zu älteren Verfilmungen ihrer Romane sind die zu befragenden Personen in „Das unvollständige Bildnis“ jedoch nicht übertrieben schurkisch. Sie scheinen alle Dreck am Stecken zu haben, wirken jedoch real. Im Gegensatz zu den vier Miss Marple-Filmen mit Margaret Rutherford blitzt hier auch kein Humor auf, nicht einmal in der Rolle des Poirot selbst, der von Ustinov immer leicht witzig verkörpert wurde. Mag sein dass dies in anderen Teilen mit Suchet anders ist.

Unwin schafft es den Zuschauer an die Hand zu nehmen. Trotz der vielen Informationen, die er einen zuschmeißt verliert man nie den Überblick. Unwin weiß, dass der Zuschauer mitraten möchte, und er gibt ihm was er verlangt. Dabei werden inhaltlich keine Fehler gemacht. Die Geschichte bleibt pingeligst logisch, arbeitet sogar mit Vergessen und verschwommenen Erinnerungen, immerhin ist der Mordfall nun schon 14 Jahre her.

Krimi-Freunden sei „Das unvollendete Bildnis“ wärmstens ans Herz gelegt. Sein Spannungspotential baut er einzig auf dem Kniff des Mitratens auf. Am Ende hat man sich meist aber eh geirrt, sonst wäre ja jeder ein Meisterdetektiv.


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