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Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt (2001)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 02.12.2009, seitdem 169 Mal gelesen


Atlantis – Der Untergang des Charmes...

Ein Mitarbeiter eines Museums nimmt an einer Unterwasser-Expedition teil. Er glaubt felsenfest an die Existenz der untergegangenen Stadt Atlantis. Und siehe da, man stößt auf die besagte Stadt, die sogar noch bewohnt ist...

Der Disney-Konzern gehörte immer zu den führenden Firmen im Animationssektor und das zurecht, so stilbildend und inszenatorisch beeinflussend er auf die Entwicklung des gesamten Genres war. Doch als der japanische Anime auch in Ländern beliebt wurden, in denen bisher Disney als Krone der Zeichentrick-Schöpfung galt, da bekam selbst der Marktführer Angst. Diese Angst ging sogar soweit, dass Buena Vista, eine Unterabteilung von Disney, sich die Auslandsrechte des japanischen Genrebeitrags „Prinzessin Mononoke“ aneigneten und ihm bewusst nur wenig Kinoveröffentlichungen bescherte.

Aber da Anime immer beliebter wurde und mit ihm eine Generation groß wurde, für die der japanische Trickfilm zum Alltagsleben dazugehörte, musste irgendwann auch die Firma Disney selbst tätig werden. Und so verwundert es gar nicht, dass eines Tages das Produkt „Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ auf den Markt kam, das zwar im eigentlichen Sinne noch immer optisch ein typischer Disney war, seine Anlehnung am Anime-Erfolg aber nicht verstecken kann.

Selten war ein Disney-Zeichentrick so nah am Ernst angelehnt wie „Atlantis“. Selbst zeichnerisch erkennt man an den Figuren die Verwandtschaft zum japanischen Trickfilm. Disney sah sich im Zwang der neuen Generation etwas zu bieten, damit der Konzern nicht irgendwann im nostalgischen Gedächtnis der Cineasten endet.

Leider entstand „Atlantis“ aber zu einer Zeit, in der es dem Disney-Konzern nur noch um die schnelle Mark ging und die Kunst zweitrangig war. Dementsprechend verkorkst ist das Ergebnis dieser nachvollziehbaren Angst-Aktion geworden. Zwar weiß „Atlantis“, wie sollte es bei Disney auch anders sein, noch immer tricktechnisch auf hohem Niveau zu begeistern, aber bereits charakterlich kommt man nicht an die Qualität vergangener Werke heran.

„Atlantis“ sollte ein neuer Stil sein, ein neuer Schritt in der Geschichte der Disney-Animationsfilme, und irgendwo auf dem Weg dorthin hatte man die Seele vergessen. So bekommt man erstmals Hauptfiguren präsentiert, die einem egal sind und mit denen man nicht einmal sympathisiert. Sie sind da, aber sie wurden nicht mit Leben gefüllt. Sie sind theoretisch gut gemalt, aber praktisch viel zu versteift und kantig umgesetzt. Die Verantwortlichen setzten zu sehr auf den Ernst und das Abenteuer und vernachlässigten den Rest.

Nicht nur dies war ein Unterschied zum japanischen Trickfilm, dem seine Figuren stets wichtig waren. Mehr noch: Dass Disney seit je her auf klassische Stoffe setzte war nichts neues, und die Legende um die untergegangene Stadt Atlantis hätte sicherlich als gute, wenn auch ausgeleierte, Grundlage dienen können. Aber im Gegensatz zu japanischen Produktionen weiß die Geschichte um die untergegangene Stadt mit nichts zu überraschen.

Selbst die guten Disney-Filme waren seltenst deshalb gut, weil die Geschichte so toll war. Meist bestachen diese Hits durch einen tollen Zeichenstil, einer guten Musik und in erster Linie durch sympathische und/oder lustige Charaktere mit individuellem Touch. Da man auf letzteres in „Atlantis“ verzichtet hat, bleibt nun nur noch die Geschichte um zu überzeugen. Und hier auf gewohnt überraschungsfreien Pfaden zu wandern, ist der Knackpunkt der zeigt, dass die Planer ihr Vorhaben nicht zu Ende gedacht haben. Und so wundert es auch gar nicht, dass „Atlantis“ der erste Zeichentrickfilm des Marktführers wurde, der langweilige Passagen besitzt.

Die Geschichte ist zu uninteressant, der Film zu lang, der weitere Storyverlauf zu vorhersehbar. Dass der Film kein Totalreinfall wurde verdankt er letztendlich der Routine und der Erfahrung der Beteiligten, eben weil er rein technisch gesehen nicht zügig dahingeschludert wurde und seine abenteuerliche Geschichte zumindest halbwegs zu interessieren weiß.

„Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ wurde der Anfang vom Ende des Disney-Zeichentricks. Nur wenige Jahre nach dem Lichtblick „Mulan“ verloren die Trickfilme des Konzerns immer mehr an Reiz. Es folgte „Der Schatzplanet“, der außer einer guten Optik mit gar nichts mehr punkten konnte, es folgte der Versuch im „Mulan“-Stil auf alte Pfade zurückzukehren, was im seelenlosen und unterirdischen „Bärenbrüder“ endete. Und je mehr der Computer-Animationsfilm Siege an den Kinokassen zeigte, um so weniger Mühe gab man sich mit dem klassischen Zeichentrickfilm, was das magere Drehbuch von „Die Kühe sind los“ verdeutlicht.

Das ist schade! Wäre als kleinere Produktion nicht noch am Rande „Lilo und Stitch“ aufgetaucht, hätte man diagnostizieren müssen, dass nach „Atlantis“ alles nur noch schlechter wurde, so dass man rückblickend mit dem Ergebnis des Unterwasser-Abenteuers noch halbwegs zufrieden sein kann.

2 von 5 Punkten


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