|
 |

Ansicht eines Reviews
Memento (2000)
Eine Kritik von bud_white (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 15.02.2005, seitdem 385 Mal gelesen
Mit "Memento" hat Regisseur Christopher Nolan ein modernes Meisterwerk der Filmkunst erschaffen. Er nutzt dabei einen Stil, der von David Fincher mit "Sieben" und "Fight Club" ins Leben gerufen wurde, katapultiert diesen jedoch auf ein neues Level, das eigentlich an Innovationen und Atmosphäre nicht mehr zu toppen ist. So ist der Film geprägt durch eine dichte Story und Atmosphäre, die hier jedoch nicht so düster wie bei Fincher ausfällt. Hinzu kommt der typische Knalleffekt zum Schluss, der den Zuschauer noch lange an das Gesehene erinnern wird.
Storymäßig wird ein Psychokrimi auf, wie bereits erwähnt, höchstem Niveau erzählt. Im Vordergrund steht die Figur des Leonard Shelby, der verzweifelt auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau ist. Beeinträchtigt wird seine Suche jedoch durch ein Leiden, das ihn seit dem Tod seiner Frau verfolgt. So ist er nicht in der Lage sich kurz zuvor erlebte Dinge langfristig zu merken, da sein Kurzzeitgedächtnis scheinbar nicht mehr zu existieren scheint. Nur durch Notizzettel, Tätowierungen und Ähnliches schafft er es die Erinnerungen teilweise zu behalten. Doch stets umgibt ihn trotzdem eine unsicheres Gefühl und er weiß nicht ob er mysteriösen, scheinbaren Freunden, wie dem schmierigen Teddy oder der unscheinbaren Natalie trauen soll oder kann.
Wer bis jetzt von der Geschichte noch nicht besonders angetan ist, den wird eventuell die Erzählart interessieren, denn die Geschichte wird rückwärts erzählt. Was sich vielleicht zunächst nicht berauschend und eher simpel anhört, der wird nach kurzer Einsicht in den Film bereits vom Gegenteil überzeugt sein. Schnell wird klar, wie schwer es wohl gewesen ist das Ganze umzusetzen und dann auch noch in einer derart faszinierenden und flüssigen Weise. So reiht der Film verschiedene Phasen aus der Suche von Shelby in umgekehrter Reihenfolge aneinander. Als Übergänge zwischen diesen Szenen wurden Rückblenden eingespielt, die zeigen wie Leonard sich auf sein Gedächtnisproblem dadurch einstellt, indem er sich an einen seiner früheren Klienten erinnert, der ein ähnliches Leiden hatte. Das Zusammengefügte wirkt nun zwar verwirrend, stellt aber dadurch den Anspruch an den Zuschauer die Geschichte, trotz der komplexen Erzählung zu durchschauen und bietet dadurch absolute Faszination.
Darüberhinaus bietet die Erzählweise noch mit einer tiefgründigen Metapher auf, die perfekt zur Geschichte des Films passt, aber bei der schwer zu sagen ist ob sie gewollt oder ungewollt war. So drückt die Erzählweise aus, das Anfang gleich Ende ist und Ende gleich Anfang ist. Nach dem man das Ende des Films gesehen hat wirft diese Tatsache viele Fragen auf, die den Zuschauer wie am Anfang gesagt, noch lange faszinieren. So fragt man sich beispielsweise, ob die an den Anfang des Films gereihte Endsequenz wirklich den endgültigen Schluss von Shelbys Odyssee darstellt oder ob sich das Ganze weitere Male wiederholen könnte. Natürlich kommt man zu weiteren Fragen, die aber keine Logikfragen sind, da der Film in diesem Punkt keinerlei Grund zu klagen gibt und hier perfekt ausgearbeitet wurde.
Schauspielerisch bekommt man ebenfalls Bestes geboten, besonders natürlich von Hauptdarsteller Guy Pearce, dessen Darstellung stets die Unsicherheit und die Ohnmacht seiner Figur in genialer Weise rüberbringt. Pearce scheint nahezu geschaffen für die Rolle und schafft es neben der Verzweiflung seines Charakters trotzdem noch recht gefasst und lässig zu wirken, wenn es angebracht ist. Neben ihm besonders gut auch Joe Pantoliano als Teddy, der den mysteriösen, verschmitzten Charakter seiner Figur immer rüberbringt und dem Zuschauer die Entscheidung schwer macht ihn einzuordnen als böse oder gut, sympathisch oder unsympathisch.
Insgesamt wirklich ein anspruchsvolles Meisterwerk, dessen Ende und Gesamtstory noch lange fesseln und dem Zuschauer eine gute Beobachtungsgabe und absolute Konzentration abverlangen.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von bud_white
Zurück
 |
 |
|