Eine Kritik von ansuz99 (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 28.02.2005, seitdem 444 Mal gelesen
Memento ist Gehirnakrobatik pur - das ungewohnte narrative Muster, einen Film erzählerisch von hinten aufzuzäumen verlangt dem Zuschauer einiges ab. Mittlerweile ist das Muster ja nicht mehr einzigartig (man denke an Irreversible), aber MEMENTO kann für sich beanspruchen, frischen innovativen Wind in die eingefahrene Filmlandschaft gebracht zu haben.
Und das äußerst gekonnt. Die rückwärtige Erzählstrukur gibt dem Zuschauer keine Möglichkeit, sich ein "objektives" Bild der Charaktere zu verschaffen - mit jeder Sequenz ändern sich die Zusammenhänge aufs Neue - das erzeugt zweifellos Spannung und läßt den Zuschauer hautnah den "Zustand" der Hauptfigur miterleben, die ja bekanntlich kein Kurzzeitgedächtnis besitzt. Es entsteht eine Welt zwischen Hilflosigkeit, Wahn und Irrwitz - das Ende ist hier nur konsequent.
Auch technisch ist der Film sehr stark realisiert - sichere Kameraführung, stilvolle s/w- Rückblenden, gute Schauspieler. Der Meinung einiger anderer Rezensenten, die dem Film die Höchstnote gegeben haben und ihn für einen Meilenstein der Filmgeschichte halten, kann ich mich jedoch trotzdem nicht ganz anschließen. Irgendwie fehlt hierfür der letzte Kick, wobei ich nicht einmal genau sagen kann, warum (vielleicht hätte der Film etwas mehr Tempo vertragen können ?). Aber MEMENTO ist ein absolut starker Film, den man mal gesehen haben sollte - ohne Zweifel. 9/10 Punkte !