Ansicht eines Reviews

Memento (2000)

Eine Kritik von Der Pate (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 10.08.2005, seitdem 697 Mal gelesen


Sein Leben läuft rückwärts und Gewalt ist die einzige Sprache, die er am Ende noch traut!

Stellen wir uns vor, die Zeit liefe rückwärts: Blick auf ein Palaroid. Ein zerschossener Schädel. Das Bild entwickelt sich zurück, bis es weiß wird. Ein Mann erschießt einen anderen. Ohne Grund. Derselbe Mann geht zusammen mit seinem Opfer in verlassenes Gebäude. Derselbe Mann, Leonard (Guy Pearce), wird von seinem Opfer, Teddy (Joe Pantoliano), von einem Hotel abgeholt.

Leonard Shelby hat eine Krankheit. Er musste miterleben, wie seine Frau vergewaltigt und getötet wurde. Dabei wurde auch er schwer verletzt und kann seitdem keine neuen Erinnerungen mehr aufnehmen. Innerhalb von zwei bis fünf Minuten vergisst er, was vorher geschehen ist. Alles, was ihm bleibt, ist die Erinnerung an die Zeit vor dem Verbrechen. Alles was er will, ist den Tod an seiner Frau zu rächen. Seit Jahren (oder sind es doch nur Wochen?) ist er auf der Jagd. Wichtige Ereignisse notiert er sich auf Spickzetteln. Hinweise die auf den Mörder seiner Frau deuten, lässt er sich auf seinen Körper tätowieren. Dem einzigen, dem Leonard bei seiner Jagd traut, ist er selbst. So fand er schließlich die Spur zu Teddy…

Mehr von der Handlung zu erzählen wäre aus Spannungsgründen unfair und auch irreführend. Denn "Memento" ist wie ein abstraktes Gemälde und jede Beschreibung wäre eine Interpretation. Regie-Talent Christopher Nolan ("Batman Begins") entwirft ein Szenario, welches sich sowohl inhaltlich auf aller höchstem Masse begibt. Er erzählt "Memento" komplett rückwärts. In zwei bis drei Minuten Häppchen entblättert sich die Geschichte vom Ende bis zum Anfang, verwoben und lose verbunden mit in die noch frühere Vergangenheit zurückreichenden Rückblenden. Das Erstaunliche jedoch ist aber, dass diese Technik funktioniert, ja gerade durch deren Anwendung eine unglaublich nervenzerfetzende Spannung aufgebaut wird. Zudem lässt der Film dem Zuschauer unglaublich viel Raum für eigene Interpretationen, ohne den roten Faden der Handlung zu verlieren. Natürlich ist es kein Film, in dem man sein Gehirn abschalten oder auch nur kurz den Raum verlassen sollte, denn die würde den Zuschauer völlig aus der Handlung raus bringen. Jedes Bild, jede Sequenz, fügt sich im Kopf des Betrachters zu einem großen Ganzen zusammen, wobei es vermutlich bei jedem anders sein wird. Und doch wird jeder das Bild des anderen verstehen können.

Am Ende (eigentlich ja am Anfang) fragt sich der Zuschauer, was nun eigentlich geschehen ist. Und die Antwort darauf ist ebenso verstörend und faszinierend wie der gerade gesehene Film – Die Bilder sind die Wirklichkeit. Die Erinnerungen sind nicht die Wirklichkeit. Die Motivationen sind nicht die Wahrheit. Denn Christopher Nolan schlägt hier einen völlig neuen Weg ein. Ohne auf die Spannung zu verzichten, gelingt es dem Regisseur, durch Zerstörung der gewohnten Erzählstrukturen (mit einem richtigen Anfang und Ende, wie es ja üblich ist) eine Skizze vom Menschen und der Welt an sich zu schaffen.

Hinter dieser genialen Struktur verschwinden die Verdienste der großartigen Darsteller ein wenig. Guy Pearce ("L.A. Confidential") agiert mit der Rolle des Leonard Shelby in der Rolle seines Lebens. Er tut, was er kann und scheint sich mit seiner Figur identifizieren zu können. Carrie-Anne Moss ("Matrix 1-3") spielt die widersprüchliche Natalie mit völliger Hingabe. Angelehnt an den klassischen Film Noir, bleibt sie undurchsichtig und rätselhaft. Auch Joe Pantoliano ("Bad Boys", "Matrix") überzeugt in der Rolle des seltsamen Freundes Teddy. Wollte man schon bei "Matrix" in seine Verräterrolle schlagen, treibt er hier mit seinem fiesen Grinsen die Abneigung der Zuschauer auf die Spitze.

Fazit: Herausragend und faszinierend zugleich - Regisseur Christopher Nolan inszenierte mit "Memento" einen verstörenden, intelligenten und absolut hochspannenden Film mit grandios aufspielenden Darstellern, der auch noch nach dem Ende des Streifens lange im Kopf des Betrachters bleibt. Ein Meilenstein der Filmgeschichte – Große Klasse!


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Der Pate" lesen? Oder ein anderes Review zu "Memento (2000)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Der Pate

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

641 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


World Invasion: Battle Los Angeles (2011)
Paranormal Investigations 3 (2009)
Weiße Hai, Der (1975)
Hellraiser III - Hell on Earth (1992)
Gesetz der Rache (2009)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich