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Memento (2000)

Eine Kritik von Snake_Plissken (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 06.06.2006, seitdem 539 Mal gelesen


Was würdest Du tun, wenn Du kein Kurzzeitgedächtnis hättest? Könntest Du überhaupt Leben? Was für Probleme bringt das überhaupt mit sich? Leonard Shelby (Guy Pierce) leidet an dieser Krankheit. Er muß im Alltag Hindernisse überwinden, an die nicht Betroffene wohl gar nicht denken. So tätowiert er sich ganz wichtige Informationen auf seine Körper und arbeitet ansonsten mit einem ausgefeilten Zettel- und Foto-System, dass es ihm zumindest ermöglicht, Personen, sein Zuhause oder sein Auto zu erkennen. Wie besessen ist er so auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau...

Schon allein diese Prämisse ist genial an Christopher Nolans Regiedebüt. Der Protagonist leidet unter einer unfassbaren Krankheit. Genial ist diese Prämisse, weil sie Nolan einerseits einige wirklich tolle Plottwists ermöglicht, aber andererseits auch den Zuschauer immer wieder erstaunt beobachten läßt, mit welchen alltäglichen Problemen solch ein Mensch zu kämpfen hat. Die große Besonderheit von „Memento“ ist aber noch etwas anderes. Nolan wählte für seinen Erstling eine verschachtelte und originelle Erzählweise. Der Film beginnt mit dem Ende und arbeitet sich Szene für Szene in der Zeit voraus. Dabei überlappen sich die Szenen für einige Sekunden, damit der Zuschauer die Sequenzen auch zusammensetzen kann. Unterbrochen werden diese Szenen mit einigen Schwarzweißsequenzen, die zeitlich in der richtigen Reihenfolge ablaufen. Der Zuschauer wird stark gefordert. Immer wieder erhält er Hinweise, für die es einige Szenen später Erklärungen gibt. Zudem muß das Publikum die beiden Erzählstränge zusammensetzen, um das Rätsel zu lösen.

„Memento“ ist anspruchsvoll. Aber nicht wegen einer gestochenen Sprache oder einer komplizierten Handlung, sondern aufgrund der beschriebenen Erzählstruktur. Es entsteht ein filmisches Puzzle, dass nur zur Gänze gelöst werden kann, wenn der Zuschauer ständig genau aufpaßt und dabei auch auf Details achtet. Insofern ist „Memento“ einer der schlechtesten Filme überhaupt, wenn es darum geht, ihn nebenher zu schauen. Vor allem, wenn man das „Aha-Erlebnis“ bekommen möchte, das die Auflösung des Films zweifellos bietet.

Neben dieser Ausgangslage kann der Film zudem noch mit einer tollen Besetzung punkten. Guy Pierce spielt die Rolle seines Lebens. Seine Figur schwankt immer wieder zwischen Zynismus, Besessenheit, Gutgläubigkeit und Mißtrauen. Er verkörpert den ungewöhnlichen Geisteszustand des Leonard Shelby perfekt. Carrie-Anne Moss und Joe Pantoliano überzeugen ebenso. Ihre Figuren sind auch ambivalent. Man weiß als Zuschauer nie genau, wer gut und wer böse ist...

„Memento“ ist ebenso anstrengend wie genial. Er ist vor allen Dingen originell, denn die Erzählstruktur ist wirklich einzigartig. Insofern unterscheidet sich der Film von Nolans Nachfolgewerken, die allesamt handwerklich perfekt und aufwendig inszeniert wurden. Doch die Originalität von „Memento“ erreichte Nolan nie wieder. Aber die meisten anderen Regisseure schaffen es noch nicht einmal einen solch innovativen Thriller auf die Beine zu stellen.

Fazit:

10 / 10


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