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Memento (2000)

Eine Kritik von filmfacts (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 04.02.2002, seitdem 518 Mal gelesen


Lenny Shelby (Guy Pearce) muß jedesmal nach dem Aufwachen lernen wo er ist und warum er genau dort ist. Lenny hat nämlich sein Kurzzeitgedächtnis verloren, als er bei dem Versuch seine Frau vor einem Vergewaltiger zu retten, von ebendiesem einen Schlag auf den Kopf bekommen hat. Seine Frau starb ... Seitdem ist Lenny auf der Suche nach dem Mörder. Kein leichtes Unterfangen, wenn man sich Dinge keine 5 Minuten merken kann. Um diesem Schlamassel zu begegnen hat Lenny ein ausgeklügeltes System entwickelt: wichtige Menschen und Dinge fotografiert er mit seiner Polaroid Kamera und macht sich auf dem Foto Notizen. *Wirklich* wichtige Dinge sind auf seinen Körper tätowiert!

So ausgestattet kommt er dem Mörder jeden Tag ein wenig näher. Dabei helfen ihm Natalie (Carrie-Anne Moss) und Teddy (Joe Pantoliano). Doch kann sich Lenny nicht sicher sein, daß die beiden auch das sind, was sie vorgeben zu sein ...

Es haben *etliche* Zuschauer den Saal während der Vorstellung verlassen. Offenbar hat Christopher Nolans Film den gemeinen Sneaker deutlich überfordert. Etwas mehr als "Boah" und "Ey" sollte man allerdings auch bereit sein in sich aufzunehmen. Längere Auszeiten darf man sich während des Ansehens nicht leisten.

Nolans versetzt den Zuschauer in Lennys Rolle, indem er ihn in genau der gleichen Unsicherheitszustand setzt, wie seinen Hauptprotagonisten. Der Film wird rückwärts gezeigt! In jeweils ca. 5 Minuten langen Häppchen wird der Weg zum Mörder aufgezeigt. Nach jeder Sequenz wird ein kleiner schwarz-weiß Ausschnitt eingesetzt, in dem Lenny am Telefon jemandem seine Geschichte erklärt und dem Zuschauer damit wichtige Tipps zum Verständnis des Plots liefert. Wer hier öfter mal weghört, hat schlechte Karten. Danach geht's wieder weiter mit einem Häppchen, der zum vorhergehenden führt. Hört sich verwirrend an? Ist es auch! Erst nach knapp 20 Minuten stellt sich eine gewisse Routine ein und man kann den Szenenwechseln folgen und diese in einen Zusammenhang bringen.

Guy Pearce ist jederzeit absolut glaubwürdig in seiner Rolle und übertreibt niemals. Den zielstrebigen Jäger gibt er genauso gut, wie den verwirrten Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht. Ihm zur Seite steht mit Joe Pantoliano ein Helfer, der mit Fortschreiten des Films immer undurchsichtiger und schmieriger wird. Carrie-Anne Moss überzeugt als toughe Barkeeperin und geschlagene Frau gleichermaßen.

Der ganze Film kommt ohne gigantische Special-Effekts oder übertriebene Actionsequenzen aus und baut fast ausschließlich auf die ungewöhnliche Erzählstruktur. Und das funkioniert ganz ausgezeichnet. Mir war nicht einen Augenblick langweilig und ich war im Kino lange Zeit nicht mehr so konzentriert bei der Sache. Tatsächlich bin ich mir bei einigen Dingen immer noch nicht ganz im klaren, was da nun eigentlich passiert ist und wer welche Rolle gespielt oder auch *nur gespielt* hat. Womöglich ist ein zweites Ansehen des Films unabdingbar.

Wer mal wieder richtig intelligente Unterhaltung im Kino sucht, darf "Memento" auf gar keinen Fall verpassen! Ich würde sagen, ich habe in dieser Sneak den bisher besten Film des Jahres gesehen.


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