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Memento (2000)
Eine Kritik von X-Rulez (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 30.07.2008, seitdem 389 Mal gelesen
Memento ist lateinisch und heißt "gedenke". In der Tat dreht sich Christopher Nolan‘s Thriller vor allem um den Gedanken und die Erinnerung. Wie wertvoll sind Erinnerungen für die Menschen? Sehr wertvoll und sehr nützlich, gerade wenn man den Vergewaltiger und Mörder seiner Frau sucht. Das Drehbuch basiert auf der Kurzgeschichte des Bruders des Regisseurs Jonathan Nolan. Nicht umsonst wurde es für einen Oscar und den Golden Globe nominiert und nicht umsonst hat der 4,5 Millionen teure Film das Sundance Film Festival gewonnen.
„Memento“ wurde ein finanzieller Erfolg, er spielte in den Kinokassen ca. 26 Millionen Dollar ein. Dazu kommen noch die Erlöse der DVD Auswertung.
Die Story an sich klingt allerdings nicht sehr einfallsreich:
Leonard Shelby (Guy Pearce) ist ein verheirateter und erfolgreicher Versicherungsagent. Eines Nachts wird seine Frau (Jorja Fox) in dem Badezimmer von zwei Einbrechern vergewaltigt und ermordet. Shelby, der einen der Einbrecher erschießt, wird von dem anderen niedergeschlagen, wodurch er sein Kurzzeitgedächtnis verliert. Dies hat zur Folge, dass er sich zwar an alles vor dem Vorfall noch genau erinnern kann, aber alles, was länger als ungefähr 20 Minuten vorbei ist, vergisst. Sein Leben organisiert sich Shelby fortan vor allem mit Polaroid-Fotos, wobei er sich die wichtigsten Fakten auf seinen Körper tätowieren lässt. Nichtsdestoweniger ist Shelby wie besessen davon, den zweiten Mann, von dem er nur weiß, dass er entweder Jimmy G. oder James G. heißen muss, zu finden. Die Polizei glaubt ihm nicht und bezweifelt die Existenz eines zweiten Mannes. Während seiner Suche begegnen ihm der undurchschaubare Teddy (Joe Pantoliano), der ihm helfen will, und Natalie (Carrie-Ann Moss), für die er ein Problem löst, worauf sie ihn ebenfalls unterstützen will.
Im Grunde ist das die Handlung des Films. Das Besondere von "Memento" ist, dass das Ende der Handlung der Anfang des Films, das Ende des Films wiederum der Anfang der im Film erzählten Handlung ist. Zwischendurch sieht man in schwarz-weiß gehaltene Sequenzen, in denen gezeigt wird, wie Shelby mit einem Mann telefoniert. Diese Szenen bilden den chronologischen Beginn der Handlung von "Memento".
Gleich zu Beginn des Films wird der Zuschauer bezüglich der Handlung ins Kalte Wasser geworfen. Dennoch hat man den Drang, weiterzuschauen, weil die Geschichte unheimlich fesselt. Wenn dann die ganze Geschichte um Leonard Shelby aufgelöst wird, hat man gleich das Bedürfnis, sich den Film noch einmal anzuschauen, nur um nachzusehen, ob das eigentlich alles passt (so erging es auf jeden Fall mir). Ich habe den Film mehrere Male bis jetzt gesehen und kann sagen, dass alles seine Richtigkeit hat. Es entstehen keine Logiklöcher. Passagen, in denen der Protagonist eigentlich schon hätte wissen müssen, wer diese Person ist oder was es mit irgendeiner Sache auf sich hat (da die Geschichte ja vom Ende bis zum Anfang erzählt wird), entstehen nicht, da Shelby sich schließlich an keine Einzelheiten erinnern kann. Wichtige Fakten lässt er sich -- wie gesagt -- auf seinen Körper tätowieren. Von allen für ihn wichtigen Personen schießt er mit seiner Sofortbildkamera Polaroid-Fotos, auf deren Rückseite er eine kurze Beschreibung des jeweiligen Menschen schreibt. Selbst von seinem Auto oder derzeitigen Hotel besitzt er ein Foto. Das am Schluss des Films (also am Beginn der Handlung) nichts so ist, wie es scheint, ist natürlich in so einem Film vorhersehbar. Auf jeden Fall ist alleine schon die Handlung von “Memento“ herausragend. Dazu kommt noch die Art, wie sie aufgebaut ist, was dem Film zusätzlich noch mal sehr zu gute kommt. Der Aufbau der Handlung lässt allerdings so gut wie keine Nebenbeschäftigungen während des Filmesehens zu, wenn man nicht wichtige Passagen verpassen möchte, was unter Umständen zur Folge haben könnte, dass man als Zuschauer einen Teil der Handlung nur sehr schwer nachvollziehen könnte.
Der herausragende Story stehen die hervorragenden Schauspieler in so gut wie nichts nach. Ein großer Erfolg war es schon einmal, den Australier Guy Pearce als Mann ohne (Kurzzeit-) Gedächtnis zu besetzen. Pearce hat schon mit "L.A. Confidential" und "Priscilla - Königin der Wüste" große Erfolge gefeiert und spielt seinen Charakter Leonard Shelby perfekt. Durch seine Mimik vermittelt er die Gefühle und Emotionen Shelby‘s, die während der Monologe entstehen, ausgezeichnet. Noch ein paar Sätze zu Shelby‘s Monologen und insgesamt zu den Dialogen des Films: Inhaltlich haben sie ein sehr hohes Niveau. Nie wirken die Sätze aufgesetzt oder deplaziert. Aber nun zurück zu Guy Pearce´s schauspielerischer Leistung: Er haucht seinem Charakter viel Leben ein. Shelby ist kein Mensch der Gewalt, allerdings will er für seine Frau Gerechtigkeit und hat vor, ihren Mörder umzubringen. Das Verhältnis zu seiner Frau wird durch die Flashbacks exzellent ausgearbeitet. Shelby hat seine Frau über alles auf der Welt geliebt und will Rache an demjenigen nehmen, der ihm dieses Glück genommen hat. Er versucht, seine Frau zu vergessen, allerdings vergisst er, sich zu merken, sie zu vergessen, wie er selber in einem seiner Monologe sagt, während er Dinge, die seiner Frau gehörten, verbrennt.
Neben Guy Pearce glänzen noch Carrie-Ann Moss als scheinbar hilfsbereite Natalie und Joe Pantoliano als undurchschaubarer Teddy.
Zuerst zu Joe Pantoliano: Er spielt den zweitwichtigsten Charakter im Film. Er stellt Teddy sehr gut dar, das allerdings auch nötig ist, um mit Guy Pearce mithalten zu können. Pantoliano spielte in kommerziell erfolgreichen Filmen wie “Bad Boys 1&2“ und in dem nicht weniger erfolgreichem, aber dazu noch wegweisenden “Matrix“ mit.
Meiner Meinung zeigt er in “Memento”, dass er durchaus gut schauspielern kann. Auch das Verhältnis der beiden kommt gut herüber: Während Teddy immer versucht, den coolen Typen zu spielen, wird er oft von Shelby auf den Zahn gefühlt. Das auch Teddys Hilfe am Ende des Films (beziehungsweise am Anfang der Story) nicht uneigennützlich ist, wird in dem perfekten Finale gezeigt.
Carrie-Ann Moss, die durch die Matrixtrilogie bekannt wurde, ist ganz klar den anderen beiden Darstellern unterlegen. Sie schafft es zwar, dass ihre Rolle nicht ganz verblasst, dennoch merkt man gerade, wenn sie zusammen mit Guy Pearce auftritt, dass sie die Leistung, die ihr Charakter Natalie ihr als Schauspielerin abverlangt, nicht erbringen kann. Das heißt nicht, dass sie schlecht spielt. Sie spielt zumindest besser als noch in “Matrix: Reloaded” oder dem Nachfolger “Matrix: Revolutions”. Dennoch ist sie nicht in der Lage, mit den anderen Darstellern mitzuhalten, was angesichts zweier toller Darsteller nicht viel stört, zudem Moss einen eher kleinen Part hat. Deswegen und weil ihr Part schließlich nicht total untergeht, gibt es keinen Punkteabzug.
Die anderen Schauspieler spielen ihre Parts sehr gründlich und leisten sich keine Fehler.
Zu der Regie kann man nur sagen, dass Christopher Nolan sein Handwerk versteht und dass er gerade die schauspielerische Leistung seiner Mimen gut einfangen kann. Dies hat er zum Beispiel schon in “Insomnia” (mit Al Pacino und Robin Williams) bewiesen.
Die Filmmusik ist auch sehr gelungen. David Julyan’s Musik unterstreicht die eindringlichen Momente des Films perfekt und bereichert ihn damit sehr.
Noch zwei Sätze zu der Freigabe: Die “ab 16”-Einstufung der FSK ist meiner Meinung nach für die wenigen brutalen Momente des Films nicht gerechtfertigt, es gibt brutalere Filme, die ab 12 sind. Dennoch finde ich, dass eine 12er Freigabe wiederum zu niedrig wäre.
Abschließend möchte ich noch sagen, dass der Film für mich der zweitbeste Film ist, den ich bis jetzt gesehen habe. An erster Stelle steht bei mir immer noch Stanley Kubrik’s Meisterwerk “Full Metal Jacket”. Trotzdem ist “Memento” ein sehr anspruchsvoller und mitreißender Film, der selbst extrem anspruchsvolle Zuschauer ganz und gar zufrieden stellen wird. Selten habe ich so ein gutes und wie man im Volksmund zu schön sagt ein “ wie die Faust aufs Auge” passendes Finale in einem Film gesehen beziehungsweise erlebt. Bis auf ein oder zwei Kleinigkeiten macht der Film alles, aber wirklich alles richtig. Wie sagte Guy Pearce alias Leonard Shelby noch so schön: “Nobody is perfekt.”
Kurz vor Ende noch eine Zusammenfassung: “Memento” bietet eine herausragende Story, einen fesselnden Score, hervorragende Schauspieler und einen Regisseur, der weiß, was er tut -- was will man als Filmfan mehr?
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