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Memento (2000)
Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 06.06.2003, seitdem 815 Mal gelesen
Den wohl unkonventionellsten Thriller des Filmjahres 2000 lieferte wohl Christopher Nolan mit "Memento". Mit dem Verblassen eines Polaroids wird das charakteristische Merkmal dieses Werkes bereits angedeutet - die rückwärts erzählte Geschichte.
Dabei wird uns dies zunächst gar nicht einmal so sehr bewusst, vorausgesetzt man betritt natürlich ohne Hintergrundwissen die Welt des Leonard Shelbys. Ist dies erfüllt, so dauert es doch ein wenig, bis das allegorische Licht über dem Kopf des Zuschauers endlich aufleuchtet und man das geschickte und spannende Konzept dieses Filmes genießen kann. Denn wir sind genauso unwissend wie Leonard, dessen Kurzeitgedächtnis nicht in Takt ist. Wir müssen uns wie er ständig fragen: Was passierte vor der Situation, in der wir gerade stecken? - Darin liegt die Faszination und die Spannung dieses Thrillers.
Natürlich berührt uns auch Leonards Schicksal. Die Vorstellung ohne Kurzzeitgedächtnis zu leben, ohne zu wissen, was man eine halbe Stunde zuvor gemacht hat, welchen Personen man begegnet ist, ist mehr als bedrückend, eher niederschmetternd. Fakten muss man sich schnellstmöglich notieren, um sie nicht im nächsten Moment wieder zu vergessen. Neu gewonnene Erkenntnisse von großer Bedeutung lässt sich Leonard sogar auf seinen Körper tätowieren. Zudem muss er jeden Tag mit seinen letzten brutalen Erinnerungen leben - dem Tod seiner Frau. Durch die Tatsache, dass wir nicht mehr wissen als er, gibt es bei dem Zurückverfolgen der Handlung bis an den Anfang, dem Vergewaltigungsmord und gleichzeitig dem Verlust seines Kurzzeitgedächtnis, mehrere Überraschungen, gerade was die zwielichtigen Nebenfiguren Natalie und Teddy betrifft.
Carrie-Anne Moss und Joe Pantoliano überzeugen dabei als mysteriöse beziehungsweise undurchsichtige Figuren, bei denen nichts ist, wie es scheint. Für Hauptdarsteller Guy Pierce stellt "Memento" mit Sicherheit ein wichtiges Kapitel in seiner schauspielerischen Karriere dar. Als Leonard Shelby ist er der Umgebung ständig hilflos ausgeliefert. Angetrieben von Rachegedanken versucht er mit der Ungewissheit über die Vergangenheit nach dem Tod seiner Frau zu leben - seinen "Zustand" irgendwie zu meistern. Einzig und allein die seelische Gebrochenheit lässt sich bei seinem Charakter ein wenig vermissen.
Christopher Nolan verstand es, sein komplexes, innovatives Drehbuch auch filmisch optimal umzusetzen. Während rückwärts die Szenen in Stücken aneinandergereiht werden, füllen schwarz-weiß gehaltene Sequenzen, in denen Leonard überwiegend immer in ein Telefongespräch verwickelt ist, die Lücken. Monologe treten als stilistische Mittel ebenfalls auf und geben wichtige Auskunft.
Nolan machte hier eigentlich alles richtig und schuf mit "Memento" und dessen einzigartiger Erzählweise wohl ein Unikat, in dem für Leonard Shelby ein Faktor doch eine wesentlich wichtigere Rolle spielt als bei einem Menschen mit funktionierendem Kurzzeitgedächtnis – mit ziemlicher Sicherheit ist es der Moment...
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