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Memento (2000)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 16.04.2004, seitdem 3501 Mal gelesen


Christopher Nolans zweite Regiearbeit zählt zu den außergewöhnlichsten Filmexperimenten des Jahres 2000. Mit „Memento“ erregte er so viel Aufmerksamkeit, dass ihm nicht nur der überaus gelungene und noch bessere „Insomnia“ übertragen wurde, sondern mit dem nächsten Jahr erscheinenden „Batman Begins“ der Sprung in obere Regieriege gelingen könnte.

Die Idee einen Film rückwärts zu erzählen ist genial wie einfach und so folgt der Zuschauer nach einem Paukenschlag gleich zu Beginn Leonard Shelby (Guy Pearce), der sich auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau befindet, aber kein Kurzzeitgedächtnis mehr besitzt und alle aktuellen Geschehnisse nach etwa zehn Minuten wieder vergisst. Das Letzte an was er sich erinnert, ist seine sterbende Frau – und die unbändige Wut den Mörder zu töten.

„Memento“ ist gleichermaßen Thriller wie Drama und zeigt im Detail, wie dieser hilflose Mann mit sich und seinen Mitmenschen zu kämpfen hat. Mit Fotos, Tattoos und Notizzetteln versucht er sein Gedächtnis zu ersetzen, misstraut jedem (und das, wie sich herausstellt, zu Recht) und probiert jeden Tag aufs Neue mehr über den Mörder heraus zu finden, um die neuen Erkenntnisse für den nächsten Tag fest zu halten.

Um ihn herum eine Menge zwielichtiger Personen, die ihre wahren Absichten vor ihm verbergen, um sein Leiden wissen und ihn deshalb ausnutzen und in die Irre führen. Teddy (Joe Pantoliano) gibt sich als sein Freund aus, doch seine Notizen sagen etwas ganz anderes aus, Natalie (Carrie-Anne Moss) scheint selbst einen Schicksalsschlag verdauen zu müssen, versucht aber ebenfalls ihn für seine Zwecke zu missbrauchen.

Der Clou an der Geschichte, ist die Idee, den Film komplett aus der Perspektive Leonards zu erzählen, so dass der Zuschauer selbst gehörig mitdenken muss, um auch ja nicht den Faden zu verlieren und akribisch die Informationen zu einem funktionierenden Puzzle zusammen zu setzen. Lücken werden durch schwarzweiße Aufnahmen gefüllt, die sein Langzeitgedächtnis darstellen.

So innovativ der Film auch ist, bei 108 Minuten Laufzeit stellen sich zwischendurch ein paar Längen ein, da es hin und wieder kleine Episoden gibt, die einfach nur immer wieder Leonards Hilflosigkeit unterstreichen sollen. So ist dem Film eine gewisse Zähigkeit nicht abzusprechen, wobei ich übrigens nichts gegen die sich langsam entblößenden Charaktere einzuwenden habe. Nur ein bisschen mehr Tempo hätte es an einigen Stellen schon sein dürfen.

Schauspielerisch ist der mit einem Minimalbudget entstandene Film sicher keine Offenbarung, was vor allem an Guy Pearce liegt, der der seine Situation dann doch zu locker weg steckt und nur selten aus sich heraus geht. Von Trauer ist hier meist genau so wenig zu spüren, wie von Wut und unbändigem Antrieb den Mörder zu finden. Carrie-Anne Moss hatte nach „Matrix“ genau wie ihre Kollegen Keanu Reeves („The Watcher“) und Lawrence Fishburne („Biker Boyz“), nicht den erwarteten Karriereschub, allerdings erwies sich diese Rollenwahl als Glücksgriff. Die hinterlistige „Bekannte“ meistert sie zumindest souverän.

Fazit:
So faszinierend die Erzählweise auch ist, die vielen Lobeshymnen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Bei einem brillanten Film erwarte ich bessere Schauspielleistungen und ein Skript, das den Zuschauer von Anfang bis Ende fesselt. Das hat es, zumindest mich, nicht.


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