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Shinobi (2005)

Eine Kritik von shaoshi (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 07.01.2008, seitdem 325 Mal gelesen


Ninja waren seit jeher von etwas Mystischem umgeben, niemand hat sie je richtig verstanden und alle haben sie wegen ihrer fast schon übernatürlichen Fähigkeiten gefürchtet. Auch in Shinobi ist das im Grunde so. Basierend auf einem alten japanischen Roman und einer daraus abstammenden Manga-Verfilmung wird hier erneut vom mysteriösen Leben zweier verfeindeter Shinobi-Clans erzählt, doch diesmal in einer Epoche, in der sie ihren Zenit längst überschritten haben und ihre Zunft dem Untergang geweiht ist.

Japan, 17. Jahrhundert: In der Tokugawa-Dynastie ist das Land endlich wieder geeint. Sehr zum Leidwesen der beiden seit Jahrhunderten verfeindeten Shinobi-Clans Iga und Koga. Denn die beiden Dörfer bestehen aus Ninja, perfekt ausgebildeten Kämpfern, die sich selbst als Waffe sehen und sich in Zeiten des Friedens ziemlich unnütz fühlen. Für Gennosuke (Jo Odagiri) aus dem Koga-Clan kommt das aber gerade recht, denn eigentlich will er gar nicht mehr kämpfen, sucht nach einem friedlichen Sinn für seinen Clan und verliebt sich ausgerechnet in Oboro (Yukie Nakama), einer Kriegerin aus dem feindlichen Iga-Clan.

Der Kaiser, der sich der Gefahr bewusst ist, die noch immer von den Shinobi-Clans ausgeht, beschließt die besten Krieger beider Clans gegeneinander kämpfen zu lassen, um ihre Dörfer in einem Hinterhalt vollständig auszurotten. Doch Gennosuke und seine Mannen, gefolgt vom Iga-Clan, sind bereits auf dem Weg zur Festung des Kaisers.

Anders als erwartet nimmt bei dem bildgewaltigen Shinobi die Liebesgeschichte von Gennosuke und Oboro keinen zentralen Teil ein, sondern wird nur am Rande und dermaßen oberflächlich abgehandelt, dass einen ihre Liebe kaum berührt und man sie auch kaum als solche wahrnimmt. Lediglich ganz zum Schluss flackern einen kurzen Moment Emotionen auf, die leider ebenso schnell wieder hinüber sind.

Ganz klarer Schwerpunkt des Films liegt nämlich auf den Kämpfen der Shinobi und dem bereits eingeläuteten Untergang ihrer Clans. So wird Shinobi stets von einer leisen Melancholie begleitet, die den Film aus dem Sumpf des stumpfsinnigen Kampfkunstfilmes heraushebt. Nach einer behäbigen Einleitung, in der auch alle Charaktere kurz vorgestellt werden, widmet sich der Mittelteil des Films ganz den Kämpfen zwischen den Shinobi-Kriegern, die meist Mann gegen Mann vor schönen Naturkulissen ausgetragen werden und trotz etlicher Toten weitaus unblutiger verlaufen als erwartet. Da jede Figur im Kampf gänzlich andere Fähigkeiten anwendet, die gern schon mal ziemlich übernatürlich anmuten, ist jede Kampfsequenz völlig anders und hindert den Film daran, ins Langweilige abzugleiten. Die Kämpfe sind rasant und interessant choreographiert, wenngleich sie stark mit überzeugenden CGI-Effekten aufgepeppt wurden, was wohl nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Minuspunkte gibt es in Shinobi jedoch vor allem für fehlende Charakterzeichnungen. So wirken sämtliche Charaktere nur allzu ruhig und unterkühlt und können sich, abgesehen von ihrem markanten Äußeren und ihren unterschiedlichen Kampftechniken niemals voneinander abgrenzen. Darunter leiden natürlich auch die Emotionen, denn die sind so gut wie nie vorhanden. Somit bleiben auch die Beweggründe der einzelnen Figuren eher im Dunkeln. Ebenso sucht man Tiefgang im Film leider vergeblich.

Der Film wird ganz der japanischen Tradition nach überaus stoisch aber nicht langweilig erzählt und kann durchaus fesseln. Denn die gestochen scharfen, tollen Bilder können für jede emotionale Armut und jeden fehlenden Tiefgang entschädigen. Die Kämpfe zwischen den Kriegern gewinnen in Shinobi dann tatsächlich einiges an Fahrt und wissen dabei mit viel (teils Comic-haftem) Ideenreichtum zu überzeugen.

Shinobi kann den unbedarften Zuschauer mit seiner asiatischen Heldenromantik fast schon erschlagen, ist aber weit weniger pathetisch ausgefallen als so viele andere asiatische Historienepen der letzten Jahre. Für gute Unterhaltung sorgt Shinobi allemal und das noch nicht einmal in übertriebener Länge. Tolle Bilder und interessante Ideen wechseln sich mit ungewöhnlichen Kämpfen ab. Wer an Shinobi von vornherein nicht zu hohe Ansprüche stellt, der wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen.


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