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Jet Li's Fearless (2006)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 28.01.2007, seitdem 3245 Mal gelesen
Nach einigen durchwachsenen Jahren und mittelprächtigen Ausflügen in die immer selben Rollen, in die Hollywood ihn pressen wollte, kehrt Jet Li („Black Mask“, „The One“) aus gesundheitlichen Gründen nun dem Wushu-Film endgültig den Rücken zu.
Seinen Abschied nimmt er indes mit Pauken und Trompeten. „Fearless“ ist ein Epos ganz nach Maß, das auch „Hero“ locker in die Tasche steckt. Als Director’s Cut mit etwa 2,5 Stunden vielleicht eine Spur zu lang und von kleineren Längen manchmal gebremst, die Eastern-Fans vermutlich ganz anders sehen, bekommt das Publikum eine beeindruckende Abschiedsvorstellung geboten, die wieder untermauert, was für ein Allroundtalent Regisseur Ronny Yu („The 51st State“, „Freddy vs. Jason“) eigentlich ist.
Der Aufstieg, der Fall, die Läuterung und schließlich die Wiederauferstehung von Huo Yuan Jia, dem Jet Li mit seinem gewohnt charismatischen Auftreten erstaunlich facettenreich Leben einhaucht, bilden die Eckpunkte dieses sorgfältig inszenierten Films. Die beeindruckend authentische Ausstattung, die wunderschönen Landschaftsaufnahmen und die lebendige Bildsprache sind ein Genuss, dem selbst Zuschauer wie ich, die sonst nur selten Ausflüge in dieses Genres unternehmen, erliegen.
Die jeweiligen Höhepunkte der Geschichte bilden natürlich die mal wieder perfekt komponierten Kämpfe von Choreographie-Mastermind Yuen Woo Ping, der mit ausgefuchsten Kombinationen und den unterschiedlichsten Kämpfern die Messlatte für zukünftige Choreographien endlich mal wieder ein Stück höher legt. Die exotische Kämpferauswahl (u.a. Ungetüm Nathan Jones, der sich in „Tom yum goong“ noch mit Tony Jaa prügelte) an den unterschiedlichsten Schauplätzen mit diversen Waffen sorgen dabei für reichlich Abwechslung.
Zu kurz kommt dabei selbstverständlich der Wandel von Huo Yuanjia nicht. Denn Ronny Yu gönnt seiner Hauptfigur und ihrem Wandel genügend Spielraum um sich zu entfalten – manchmal etwas zu viel. Dafür transportiert „Fearless“ aber auch reichlich Emotionen, setzt die Szenen jeweils in den historischen Kontext und trägt manchmal etwas zu penetrant die Moral auf Händen. Wenigstens bleibt die Handlung dabei stets down to earth und verkneift sich poetisch-philosophische Ausreißer. Soweit verbleibt man dann doch in der Wirklichkeit. Etwas was ich angesichts solcher zu gut gemeinter Epen wie „Hero“ sehr zu schätzen weiß.
Fazit:
Mit „Fearless“ landet das chinesische Kino endlich mal wieder einen beachtenswerten Erfolg, an dem sich zukünftige Produktionen in diesem Sektor jetzt messen lassen müssen. Der gereifte Jet Li agiert nicht nur überzeugend, was ich von seinen letzten Auftritten nicht unbedingt behaupten möchte, sondern liefert in den durchweg sehenswerten Kämpfen auch eine beeindruckende Vorstellung ab.
Der Geschichte fehlt im Director’s Cut die letzte Balance, die fabelhafte Ausstattung, Yus makellose Inszenierung und die tollen Darsteller fegen diese Schwächen allerdings weg. Wirklich ganz großes Kino aus Fernost, das endlich mal wieder an alte Tugenden anknüpft und die Tradition hochhält. Besser hätte Jet Lis Ausstand kaum ausfallen können.
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