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Hatchet (2006)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 13.03.2008, seitdem 810 Mal gelesen
Mit flotten Werbesprüchen auf dem Cover will sich „Hatchet“ als Old School Horror im Stil der guten alten 80er präsentieren – in der Hoffnung, dass viele Zuschauer vergessen, dass auch damals schon viel Scheiße gedreht wurde.
Beim Schaffen eines neuen Kultfilms dürfen natürlich Cameos nicht fehlen, also tritt direkt Robert Englund als Fischer in der Pre-Creditsequenz auf, um dann nebst Sohnemann verhackstückt zu werden, was Englund darstellerisch nicht gerade fordert. Anschließend muss natürlich ein schmissiger Titeltrack her, hier „The New Shit“ von Marylin Manson. Der Song ist zwar schon von Anfang 2003, aber um Aktualität geht’s hier ja nicht und immerhin rockt die Mucke ja auch.
Danach zeigt man den Karneval von New Orleans, garniert mit reichlich nackten Moppen, und stellt kurz die Schar potentieller Opfer vor: Zwei Studienkumpels, ein Pornoregisseur mit zwei Darstellerinnen im Schlepptau, die geheimnisvolle Schönheit sowie das fette Touripaar. Dazu kommt ein chaotischer Führer, der eine Gruseltour in den örtlichen Sumpf anbietet, direkt mit der passenden Standardlegende aus dem Readers Digest für einfallsarme Drehbuchautoren, die natürlich keiner glaubt, während der Zuschauer schon direkt daraus weiß, wer hier schnetzeln darf.
Schließlich läuft das Boot auf Grund und die Gruppe fröhlicher Evolutionsbremsen ist gefangen im Sumpf und das – oh, welche Überraschung – ohne Handyempfang. Kurz darauf taucht dann auch der irre Maniac auf...
Liest man die vollmündigen Werbesprüche, so will „Hatchet“ eine Kampfansage ans aktuelle Horrorkino sein – was ironischerweise nur in der Killer-freien ersten Hälfte funktioniert. Diverse Running Gags sind zwar einfach nur hohl und langweilig (z.B. das Gepose der beiden Pornomädels auf Kommando), seine komischen Momente hat „Hatchet“ dennoch, z.B. bei den verzweifelten Versuchen des Tourguides. Sogar ein echter Brüller ist dabei, nämlich wenn die faulen Touristen selbst beim auf-Grund-Laufen des Bootes noch in Erwartung von Service sitzen bleiben und so mit fürs Kentern verantwortlich sind.
Sobald dann jedoch der Killer auftaucht, ist jedoch vorbei mit der guten Laune. Stellt man sich anfangs noch die Frage, warum ein gerade mal 80minütiger Slasher 40 Minuten Einleitung braucht, so bekommt man bald die Antwort: Hier gibt es einfach nichts zu erzählen. Zwischen den einzelnen Kills stolpern de Opfer mit einem Verhalten bar jeder Logik durch den Wald und wer überlebt, ist bereits vor Antritt der Bootsfahrt klar – selbst die Abfolge des Abtretens kann man beinahe voraussagen.
Dementsprechend öde wird „Hatchet“ dann auch in Hälfte zwei, wenngleich die Metzelfans mal wieder ob des Blutgehaltes abfeiern dürfen. Man muss in Kauf nehmen, dass die Effekte bisweilen etwas billig aussehen, gewollt oder nicht ist bloß die Frage. Leider ist das Gemetzel dann weitestgehend ironiefrei, obwohl die FX fast schon in den Bereich des Splatters gehen. Den Gipfel an Dreistigkeit erreicht jedoch die Endszene, welche die Genre-übliche Andeutung einer Fortsetzung soweit auf die Spitze treibt, dass der Film erst gar nicht zuende wirkt – trotz einsetzendem Abspann.
Darstellerisch hält man das Versprechen des Old School Horror dann wirklich ein, denn die meisten Schauspieler agieren wirklich so grottig, dass sie auch in jedes mäßige „Freitag, der 13te“-Sequel gepasst hätten. Allenfalls Tamara Feldman ist als positive Ausnahme zu rechnen. Kane Hodder als verunstalteter Killer muss nur rumrennen und grunzen, in den Rückblenden als dessen Vater immerhin 15 oder 20 Sekunden lang wirklich spielen und Tony Todds Gastauftritt wirkt auch eher wie eine Pflichtübung ohne rechten Pep.
Wäre „Hatchet“ durchweg so ironisch wie er sein möchte, dann könnte man von einem Geheimtipp. Leider geht dieser Ansatz zwischen platten Witz und unspannendem 08/15-Gemetzel unter, sodass „Hatchet“ bald nur noch das ist, was er eigentlich auf die Schippe nehmen wollte: Ein uninspirierter Standardslasher ohne echten Biss.
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