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Silent Hill - Willkommen in der Hölle (2006)

Eine Kritik von Grüne Spritze (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 05.06.2006, seitdem 319 Mal gelesen


Christophe Gans zählt spätestens seit seinem „Pakt der Wölfe“ zu den interessantesten französischen Regisseuren, aber auch sein Anteil am Episodenfilm „Necronomicon“ sowie „Crying Freeman“ waren schon alles andere als schlecht. Allen diesen Filmen gemein ist ihr opulenter optischer Stil, den man deshalb wohl als Markenzeichen von Gans bezeichnen kann. Und in dieser Hinsicht fällt auch „Silent Hill“ nicht aus dieser Reihe heraus.

Ich hatte bei Gans sogar die Hoffnung, dass er der erste sein würde, der eine gute Verfilmung eines Videospiels hinlegen würde. Schließlich heißen seine Vorgänger unter anderem Uwe Boll und Paul W. S. Anderson, bei denen es absolut nicht verwundert, dass die Qualität der Filme doch teilweise arg zu wünschen übrig lässt. Überhaupt begann der „Leidensweg“ der Videospielverfilmungen schon 1993 mit dem 50-Millionen-Dollar-Flop „Super Mario Bros.“ Leider wurde es danach nicht wirklich besser, wenn man sich die Filmversionen von „Lara Croft“, „Resident Evil“, „Alone in the Dark“, „Doom“ und viele weitere anschaut.

Nein, „Silent Hill“ ist leider auch nicht der überragende Film, der das Genre aufmöbelt und den Beweis erbringt, dass diese Art von Filmen eben doch gut sein kann. Für einen Film von Christophe Gans ist er sogar eine herbe Enttäuschung. Allerdings kann man nicht umhin anzuerkennen, dass „Silent Hill“ doch mehr zu bieten hat als alle anderen gescheiterten Versuche davor. Gans ist mit beeindruckender Optik und stimmigem Soundtrack bemüht um Atmosphäre, etwas, was jeder vorherigen Videospielverfilmung vollkommen abging. Zweitens weicht er vom üblichen Nonsens-Actionschema der Marke „Resident Evil“ oder „Doom“ wohltuend ab. „Silent Hill“ ist kein Actionfilm, sondern ein Horrorfilm, was „Resident Evil“ auch gut angestanden hätte. Die Kreaturen, die Silent Hill bevölkern (von den Menschen abgesehen), sehen recht furchteinflößend aus; man fühlt sich des öfteren an Alptraumkreaturen von Clive Barker und sogar Hieronymus Bosch erinnert.

Und was ist schiefgelaufen an „Silent Hill“? Erst einmal das Drehbuch. Roger Avery, der schon an den Drehbüchern von „Pulp Fiction“, „Reservoir Dogs“ und „True Romance“ mitgearbeitet hat, sollte das eigentlich besser können – irgend etwas von Tarantino hätte doch auf ihn abgefärbt haben sollen. Doch leider ist der Plot etwas wirr geraten, und vor allem sind die Dialoge zum Teil so dumm, dass ich unwillkürlich lachen musste. So z.B., wenn einige Personen in der verlassenen Geisterstadt Silent Hill in einem fast vollkommen zerstörten bzw. abgebrannten Haus stehen und jemand einen geistreichen Satz wie „Hier muss etwas Schreckliches passiert sein“ von sich gibt. Eigentlich sollte Dialog in so einem Moment dazu dienen, entweder die Handlung voranzutreiben oder dem Zuschauer etwas, das er noch nicht wusste, mitzuteilen; sprich: der Dialog sollte sinnvoll sein. Jedoch nur Offensichtliches, das der Zuschauer schon seit Minuten auf der Leinwand sieht, auch noch auszusprechen, ist erstens vollkommen sinnfrei und nutzlos, da redundant, und lässt zweitens die Filmfiguren wie Volltrottel dastehen. Der ganze Film wimmelt von solchen Dingen.

„Silent Hill“ geht geschlagene zwei Stunden und ist viel zu lang. Man hätte ihn locker um eine halbe Stunde kürzen können, ohne dass etwas Bedeutsames fehlen würde. Stattdessen wären am Anfang ein paar Minuten Exposition nicht schlecht gewesen – der Film geht nämlich mehr oder weniger mittendrin los, und einige der Motivationen der Hauptpersonen werden bis zum Ende nicht richtig klar. Von den Darstellern her ist Silent Hill zwar gut besetzt, aber man kann nicht behaupten, dass Radha Mitchell oder Sean Bean schauspielerische Höchstleistungen abverlangt werden. Radha Mitchell beschränkt sich größtenteils darauf, immer wieder den Namen ihrer Filmtochter, die sie sucht, zu rufen, und Sean Bean läuft mit dem immer gleichen zerknirschten Gesichtsausdruck durch den gesamten Film. Die Kindschauspielerin, die die Tochter spielt, gehört zum eher nervigen Typ, aber vielleicht liegt es auch nur an ihrer scheußlichen Synchronstimme. Wenn man in „Silent Hill“ schon die richtige Entscheidung getroffen hat, von einer an Action und Monsterabschießen orientierten Handlung abzuweichen, dann hätte man aber stattdessen gut und gern auch das Innenleben der Figuren stärker beleuchten können. Doch leider bleiben die Charaktere allesamt blass und schablonenhaft.

Trotz guter Momente ist auch diese Videospielverfilmung gescheitert. Gans hat sich sichtbar um einen eigenständigen Ansatz bemüht, um die Fehler der anderen Spieleverfilmungen zu vermeiden, aber auch er ist am Ende über ein nur recht mäßiges Drehbuch gestolpert. Zudem hat er nicht aus dem „Pakt der Wölfe“ gelernt, dass ein paar Minuten weniger hier und da am Ende mehr sein können (das war meines Erachtens der einzige wirkliche Schwachpunkt am ansonsten sehr gelungenen „Pakt der Wölfe“). Schlecht ist Silent Hill zwar nicht, aber unterm Strich leider zu durchschnittlich. 5,5/10


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