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Silent Hill - Willkommen in der Hölle (2006)
Eine Kritik von cheministry (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 06.06.2006, seitdem 403 Mal gelesen
***Kleine Spoiler***
Mit Videospielverfilmungen haben sich die Verantwortlichen meist in die Nesseln gesetzt. Nun hat sich Christophe Gans ("Pakt der Wölfe") daran gemacht, den Konami-Horrorklassiker Silent Hill auf die Leinwand zu bringen. Darf sich der geneigte Zuschauer wieder auf eine Enttäuschung einstellen?
Inhalt:
Gegen den Willen ihres Mannes (Sean Bean) fährt Rose (Radha Mitchell) mit ihrer Tochter Sharon (Jodelle Ferland) nach Silent Hill. Denn Sharon spricht während des Schlafwandelsvon diesem Ort als ihrem zu hause. Als Sharon nach einem Unfall vor der Stadt verschwindet, macht sich Rose mit der Polizistin Cybil auf die Suche nach ihrer Tochter. Doch die scheinbar verlassene Geisterstadt birgt etwas dämonisches in sich...
Die Frage der Einleitung darf jedenfalls "Nein" beantwortet werden!
Gans hat es geschafft, die immer-bedrohliche Atmosphäre wunderbar in den Film zu transportieren. Die Ausstattung, das Setdesign und die SFX sind sehr detailliert aus dem Spiel übernommen worden; Zocker werden sich direkt heimisch fühlen. Angefangen von den Stadtaufnahmen des dem ewigen Ascheregen ausgesetzten Silent Hill, bis zu den Innereien der Hölle, die darunter liegen bietet der Film dem Zuschauer einen Hingucker nach dem Anderen. Etwas an Hellraiser erinnernd, sind auch die dämonischen Figuren, die diese Welt bevölkern, sehr schön gezeichnet und in Szene gesetzt. Das alles erzeugt eine Art Dauernervosität, denn hinter jeder Ecke kann das Böse lauern.
Und diese Atmosphäre macht es dem Zuschauer nicht leicht, sich zu entziehen. Wäre da nicht der grösstenteils verkorkste und unsinnige Subplot mit Sharons Vater, der zwar dazu dient, ein paar Informationen über die Vergangenheit des Ortes zu finden, ansonsten aber nicht zur Handlung beiträgt. Mehr noch. Die Schnitte zu ihm reissen den Zuschauer jedes Mal aus der dunklen Welt von Silent Hill. Glücklicherweise hat dieser Teil der Geschichte nicht allzu viel Screentime und das Meiste spielt sich bei Rose ab.
Diese wird in der ersten Stunde auf eine einzige Tour de Force geschickt, die so bizarr schon länger nicht mehr zu sehen war. Von immer wieder neuen Kraturen bedroht, sucht sie verzweifelt (zeitweise mit der Polizistin Cybil) nach ihrer verschwundenen Tochter. Dies nimmt gelgentlich sogar spielerische Züge an. Zum Beispiel wenn wieder ein kleines Rätsel gelöst wird und die Protagonistin so wieder zum nächsten Schauplatz gelotst wird. Allerdings ist diese simple Schnitzeljagd so ansprechend verpackt, dass die nicht allzu sehr vorangetrieben Geschichte kaum ins Gewicht fällt.
Der Plot dürfte für Nichtkenner der Vorlage (es wurden hauptsächlich Teil 1 & 2 als Ideenlieferant verwendet) ab und an vielleicht etwas wirr anmuten und zum Ende hin auch mal überfordern. Doch Silent Hill hat zumindest neben der Optik auch noch eine Geschichte zu bieten, die Aufmerksamkeit und auch etwas Phantasie verlangt. Denn nicht alles wird erklärt oder erläutert.
Schauspielerisch ist alles im grünen Bereich, Ausfälle gibt es keine. Sean Bean wird allerdings durch den unwichtigen Subplot verheizt.
Auch hätte ich mir mehr Screentime vom Pyramidenkopf gewünscht, auf dessen Auftritt ich mich fast schon am meisten freute. Allerdings: Wenn er kommt, dann gibt’s was zu sehen. Alleine schon sein erster Auftritt, Massen von Krabbeltieren vor sich herschibend und sein riesiges Beil hinter sich herschleifend, ist ein Fest für die Augen. Wobei die Gucker in Silent Hill hinter jeder Ecke was zu feiern haben. Sind es die höllischen Figuren, die rostigen, dunklen Gänge in drr zerfallenen Stadt oder auch die Verwandlung der gesamten Umgebung bei eintretender Dunkelheit. Ins staunen gerät man doch des öfteren.
Vor allem gegen Ende legt der Film auch noch einen derben Härtegrad hin und so ist die Einstufung des Films mal wieder eine, die sich mir entzieht. Wenn Alessa zum Schluss die Peiniger mit Stacheldrah auseinanderreisst, fliegen schon so einige Liter roter Suppe durch die Gegend. Oder man denke nur an die Szene des Pyramidenkopfs vor der Kirche.
Weiterhin erfreulich, dass der Soundtrackkomponist Akira Yamaoka schon für die Spiele zuständig war und so einige Stücke aus diesen zu hören sind.
Technisch gesehen ist der Film prima in Szene gesetzt. Die Kamera behält immer die Übersicht und steht doch immer nah am Horror, so dass sich ein dauerhaft unbehagliches Gefühl breitmacht. Der Sound fällt hier auch positiv auf; die Mischung ist wirklich gelungen und pointiert. Und der Schnitt wurde auch nicht (wie heutzutage üblich) im Sekundentakt bemüht, was gerne mal die Atmosphäre zerstört.
Zur Geschichte selber habe ich nun nicht so viel Geschrieben; man sollte sich den Film ansehen und einfach auf sich wirken lassen. Die Geschichte ist zweckdienlich, unstandartisiert und angenem verquer hier und da.
Fazit:
Der Film macht fast alles richtig. Abgesehen von der Nebenhandlung mit Christopher bietet der Film 2 Stunden Grusel mit einer selten erlebten Ausstattung und Bildern, die mich zumindest eine Weile nicht mehr losliessen. Die stete Anspannung der Charaktere überträgt sich regelrecht auf den Zuschauer und zieht ihn in eine dämonische, dreckige Welt. Bizarr, düster, atmosphärisch und hart. Sowas erlebt man nicht alle Tage.
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