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Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell (2006)
Eine Kritik von Fabse (Bewertung des Films: 1/10) eingetragen am 10.04.2006, seitdem 1041 Mal gelesen
Die Standartformel wenn es um Fortsetzungen erfolgreicher Kinostreifen geht sieht normalerweise recht zügige Runterkurbelei vor, um den kommerziellen Reibach des vorangegangenen Werkes erneut zu machen. Meist ist auch recht schnell das Skript mit der Kopie des anfänglichen Erfolgskonzeptes hingeschmiert und der erneute Siegeszug an dem erneuten Siegeszug an der Kinokasse steht nichts mehr im Wege. So geschehen in unzähligen Variationen, sowie ausgeschlachtet in Serie bis sich die Balken biegen. Was aber, wenn Drehbuch des anvisierten Sequels wirklich sämtliche Kriterien erfüllt, die alle Beteiligten abwinken lassen? Der normale Lauf der Dinge besteht dann in der Direct-to-Video-Masche, die den vermeintlichen Griff ins Klo dann doch noch zur relativ rentablen Kiste werden lässt. An sich herrscht also kaum große Aufregung wenn sich ein „Starship Troopers 2“ oder ein „Eiskalte Engel 3“ in den Regalen befindet. Irgendwer leiht oder kauft den Kram dann und Werbeetat wurde erfreulicherweise auch eingespart. Zumeist agieren in den inspirationslosen Neuaufgüssen dann auch noch kostengünstige Darsteller der zweiten Schauspielriege, was selbst die Schande von den Akteuren der Original-Stoffe abzuwenden weiß. Doch was passiert, wenn der erfolgreichste Erotik-Thriller der 90er Jahre nach einer zweiten Runde verlangt? Dann spult man schnell mal zum Anfang obiger Gleichung zurück und begeht auch gleich einen gravierenden Fehler, in der Gesetzmäßigkeit der risikoarmen Hinschluderei. Im Falle von Basic Instinct 2 nennt sich das einen „Pay & Play“-Vertrag. Lustig und listig zugleich unterzeichnete also Sharon Stone jenen Kontrakt, der ihr ein rundes Sümmchen auf das Konto schaufelte, egal ob sie jetzt vor eine Kamera treten müsste oder nicht. Nachdem aber sämtliche Verantwortlichen des ersten Teils bei Ansicht des neuen Skripts die Köpfe in die Papierkörbe hielten und ihrer Begeisterung durch Erbrechen signalisierten, sahen die Produzent plötzlich ein gravierende Risse in ihrer Kassenknaller-Blaupause vor sich. Da man der kühlen Blonden nun wirklich nicht die größere, versprochene Summe schenken wollte wenn das Projekt nicht vor eine Kamera gehen sollte zog man vor Gericht. Pech nur, dass nach einem langwierigen Rechtsstreit, der Stone die Gültigkeit des Vertrages zugesprochen wurde. Folglich springt nun dann doch noch Basic Instinct 2, nach schlappen 14 Jahren Ankündigung auf die Leinwände. Was kann da wohl bei raus gekommen sein?
Catherine Tramell, ihrer Passion nach ja Eispickel-Expertin und Krimiautorin aus Basic Instinct hat es nach London verschlagen. Glasklar, dass sie nach dem Ableben eines Sexualpartners unter Mordverdacht gerät. Kriminalpsychologe Dr. Glass, der sich höllisch auf die Bekleidung eines Uni-Lehrstuhls freut und dessen Karriere einen Knick durch einen durchgedrehten Ex-Patienten erfuhr, soll nun ein Psychogram der Killerin in spe erstellen um diese hinter Gitter zu bringen. Was nun passiert, sollte so ziemlich niemanden überraschen können: Der Analytiker springt natürlich sofort auf die wuschig lasziven Verbalerotikgebaren der Patientin an und schon bald gesehen weitere Morde im Umfeld des Arztes.
Nach der Sichtung von Basic Instinct 2 lassen sich recht leicht sämtliche positiven Elemente des Streifens festhalten: Wir haben hier eine rasante Eröffnungssequenz, dort eine routinierte Inszenierung und zur Verwunderung noch eine Sharon Stone, die frischer aussieht als im Erstling. Dass da die guten Freunde Botox und Silikon mit von der Partie waren, sollte dem blindesten und beklopptesten Zuschauer allerdings ebenfalls klar sein. Damit erschöpfen sich gleichfalls aber auch schon alle Teile des filmischen Dramas, die Fürsprache beanspruchen könnten. Der Rest des herbeigesehnten (von wem mit Verstand eigentlich?) Erotik-Thrillers gestaltet sich als Bodensatz des diesjährigen Kinojahres. Von Thrill kann nicht die Rede sein, außer man findet selbigen schon bei der Suche nach den eigenen Genitalien im Schritt und die Erotik versprüht einen Charme, der dem des Riechens an den eigenen, getragenen Socken gleichkommt. Die komplette Hauptdarstellerriege, die bis auf Mrs. Stone fehlbesetzter erscheint als Harry S. Morgan-Akteure in einem Ingmar Bergmann-Film, gibt sich sichtlich Mühe zu keiner Zeit Zweifel an Unlust oder Talentlosigkeit aufkommen zu lassen: David Morrissey als spitzer Psychologe, der in den Strudel der Ereignisse gesogen wird, spielt enthusiastisch, wie sonst nur die Blagen aus dem Kinder-Country-Werbespot und was Charlotte Rampling hier verloren hat kann nur ein großer Gehaltsscheck erklären. Das übrige Ensemble, samt blonder Versuchung aka Sharon Stone und Davis Thewlis als verkommenen Cop, legt ebenfalls eine glaubwürdige Performance hin, die einer Schulaufführung der Laiengruppe des Dolph-Lundgreen-Gymnasiums harte Konkurrenz machen. Nebenbei eröffnet man uns noch, dass Catherine Tramell wohl halb London vögelt und wirft sogar noch bei einem Psychologentreff den Namen Nietzsche kurz in die Luft. Was uns das jetzt sagen soll entzieht sich dann ebenfalls dem Verstand. Um das Trauerspiel komplett zu machen wurden noch sämtliche Rammeleien, die in den Trailern zum Film bewundert werden konnten kurzerhand in die Tonne für die Superduper-Unrated-Directors-Schlunz-DVD-Special-Edition geworfen, die uns wohl bald in den Geschäften entgegenbetteln wird, dem Film doch noch eine Chance zu geben. Ob jetzt zusätzliche Horizontalakrobatik das Ganze aufwerten kann, sei mal stark bezweifelt. Paul Verhoeven und Michael Douglas taten gut daran, sich von diesem Projekt fern zu halten, doch den Schaden und die Prügel, die jetzt der verantwortliche Regisseur Michael Caton-Jones (Rob Roy) zu ertragen hat möchte beileibe niemand mit ihm teilen. Einzig Sharon Stone bleibt als die (finanzielle) Gewinnern des Machwerks über. Unterm, überm und auf dem Strich ist dieses Fortsetzung ein Brechmittel der Sonderklasse, das mit Hilfe von Spezial-Transportern schnellstens zur Sondermülldeponie gebracht werden müsste.
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