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Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs (1970)
Eine Kritik von niklas90 (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 08.04.2009, seitdem 416 Mal gelesen
Sidney Poitier spielt erneut den afroamerikanischen Ermittler Virgil Tibbs, der zur Mordkommission von San Francisco versetzt wird. Dort beginnt er direkt die Arbeit an seinem ersten Mordfall: Ein Prostituierte wurde ermordet und der Verdacht fällt auf einen guten Freund von Tibbs, einen Prediger, gespielt von Martin Landau.
Mit der Figur des Virgil Tibbs wurde in "In der Hitze der Nacht" ein Held konstruiert, der rassistische Vorurteile ausräumen sollte. Der Film gewann mehrere Oscars und Virgil Tibbs, der souveräne, schwarze Ermittler mit der hervorragenden Kombinationsgabe wurde zu einem Kinohelden, der nach wie vor in den Top 20 der größten Kinohelden aller Zeiten rangiert. Klar also, dass man dieser Figur einen zweiten Film bieten wollte, der jedoch nicht an seinen Vorgänger heranreicht.
Die Rassismus-Thematik, die den ersten Teil auszeichnete entfällt hier mehr oder weniger gänzlich. Stattdessen muss diesmal ein überflüssiger Subplot um Tibbs und seinen Sohn, der seinen Platz in der Familie nicht so recht finden will, herhalten, der den Film stellenweise ausbremst, die Hauptfigur gegenüber dem ersten Teil jedoch durchaus etwas tiefer konstruiert, da diesmal auch private Aspekte eine Rolle spielen und diesmal auch der Familienvater Tibbs gezeigt wird. Die Ermittlungen im Mordfall sind solide konstruiert, bewegen sich aber, die relativ überraschende Auflösung mal ausgenommen, in etwa auf "Tatort"-Niveau und werden nur, weil es sich bei dem Verdächtigen um einen Freund von Tibbs handelt auch nicht viel spannender.
Wie schon beim Vorgänger stamnt auch diesmal der Soundtrack von Quincy Jones und unterlegt den Film durchaus gelungen. Auch diesmal gibt es die eine oder andere Action-Szene, die durchaus unterhalten können, aufgrund ihres Alters aber nicht mehr sonderlich spektakulär sind. Atmosphärisch ist der Film von Regisseur Gordon Douglas, der im Gegensatz zu seinem mehrfach Oscar-Nominierten Vorgänger Norman Jewison keine wirklich großen und bekannten Filme hervorbrachte, leider nicht, aber narrativ gut genug gestaltet, um durchgehend auf solidem Niveau Unterhaltung zu bieten, aber das war's dann auch, das gute und spannende Ende mal abgesehen.
Oscar-Preisträger Sidney Poitier spielt erneut als Virgil Tibbs ganz groß auf, ist vielleicht sogar noch ein bisschen besser als im Vorgängerfilm, da er seinen Facettenreichtum in den Szenen, in denen er Familienvater spielen darf, unter Beweis stellen kann. Ein zweiter Grund, weswegen Poitier diesmal eine besonders gute Vorstellung an den Tag legt, ist der, dass es keinen zweiten Hauptdarsteller gibt, der ihm die Show stiehlt, wie in Teil eins der grandiose Rod Steiger als rassistischer Polizeichef und Martin Landau, der zwar solide spielt, aber nicht wirklich stark, kann diesen Platz leider nicht einnehmen. So bleibt es diesmal bei nur einer schauspielerischen Glanzleistung.
Fazit:
Mehr als ein solider Krimi ist "Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs", der durchgehend ein ordentliches Unterhaltungsniveau beibehält, definitiv nicht, womit er hinter den Vorgänger zurückfällt. Mit dem guten Soundtrack und der gelungenen Leistung von Sidney Poitier kann man sich den Film durchaus ansehen, viel verpasst hat man jedoch auch nicht, wenn man es nicht tut.
51%
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