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Visitor Q (2001)
Eine Kritik von Schwarz (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 10.12.2004, seitdem 633 Mal gelesen
Takashi Miike wirft mit "Visitor Q" einen bizarren Blick auf seine Landsleute, insbesondere auf die Familie, von der er erzählt. Die Tochter prostituiert sich unter anderem bei ihrem Vater, der sie dabei auch noch filmt, während sie ihn beim Bezahlen als "Schnellspritzer" abstempelt. Der Sohn wird von seinen Schulkameraden tyrannisiert und lässt dieses an seiner Mutter aus, die er regelmässig verprügelt, während die sich in ihre Heroinsucht flüchtet. Der Vater wiederum bekommt, wie so oft in seinem traurigen Leben, eins auf den Deckel, dieses Mal nistet sich der Unbekannte, der ihn auf den Kopf schlug, sogar bei ihm und seiner Familie ein. Dieses verstörende Familiengefüge, dass offensichtlich total aus den Fugen geraten ist, macht erst eine Veränderung durch den Besucher durch, der es trotz oder wegen seiner groben Art schafft, etwas in den eingefahrenen Mechanismen um Macht und Unterdrückung zu bewegen. Die Familienmitglieder hören auf, sich in ihrer Opferrolle zu ergeben und machen eine unvermittelte Wandlung durch, auch wenn sie dabei über das Ziel hinausschießen und am anderen Ende des Spektrums zwischen obskuren Liebesgefühlen und absonderlichen Fantasien landen. Wäre das ganze nicht zunehmend mit schwarzem Humor verbunden, gäbe "Visitor Q" einen üblen Sicko ab, so allerdings kann man sich des Grinsens kaum erwehren. Allein schon, wenn der Vater auf Reality-Show-Tour mit seinem Opfer Sex hat, bis die Leichenstarre einsetzt. Die Lösung der Mutter, nämlich schnell eine Spritze Heroin, damit die Erektion abschwillt, ist ein Grund zu großem Jubel, da teilt sich die Leiche hinterher im Familienkreis umso leichter. Trotzdem schuf Miike eines seiner kruderen Werke, dass aufgrund einiger gezeigter Erniedrigungen und Tabubrüche stets weit jenseits vom Popcornkino angesiedelt ist. Seine Blutorgien manch anderer Filme sind hier allerdings nicht zu sehen. Im Grunde kritisch gegenüber dem eigenen Medium ist dieser auf DV produzierte Film auch eine Geschichte über den Sensationswahn in den Medien, demgegenüber der japanische Filmemacher die Brutalität und den Zerfall von Werten wie Familie oder Privatsphäre stellt. Respektlos ist nicht nur das Abbild einer Gesellschaft, sondern auch die Weise, wie Miike das in Bilder verpackt, bei denen die Kamera stets richtig steht. Unterbrochen wird die immer wieder von subjektiven Bildern aus der Kamera vom Vater oder von der Tochter. Technisch wie formal leistet sich dieser Film keine Schwächen, ebenso können die Darsteller in ihren Rollen durchweg überzeugen. Wer eine übliche Gesellschaftskritik erwartet, wird hier wohl Bauklötze staunen, denn kein erhobener Zeigefinger und nicht einmal eine klare Moral schält sich eindeutig heraus, dafür aber eine extrem überzeichnete Sicko-Reality-Show. Der Unbekannte bleibt bis zum Ende unbekannt, weder seine Herkunft noch seine Intention wird groß ausgebreitet. Der unbedarfte Zuschauer aus Europa wird trotz Happy End mit Fragezeichen und einem mulmigen Gefühl zurückgelassen.
Fazit: Einer der bizarrsten Filme vom Meister Miike. Erscheint zunächst nur zerstörerisch, bei näherer Betrachtung aber durchaus positiv. 8/10 Punkten
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