Ansicht eines Reviews

Visitor Q (2001)

Eine Kritik von Arminowitsch
eingetragen am 30.07.2004, seitdem 1045 Mal gelesen


Visitor Q ist eine wilde Attacke auf das, was uns in unserer Gesellschaft noch am Heiligsten ist: Die Familie. Miike entwirft ein grotesk-verdrehtes Familienbild, indem er die großen sozialen Problematiken unserer Zeit extrapoliert und überzeichnet. Es entsteht eine grimmige Karikatur realer Zustände: Gewalt in der Familie (hier paradoxerweise invertiert dargestellt), Gewalt unter Jugendlichen, Prostitution, Drogen, Ehekrise, Voyeurismus, usw.
Der Film handelt davon, wie die Familie am Abgrund vollends in ihre Vernichtung läuft. Es geht um einen seltsamen Besucher, der sich bei jener Familie einnistet und diese durch kleine Anstöße wieder zusammenbringt. Womöglich kann man ihn als eine Metapher auf die latenten Sehnsüchte der Mitglieder sehen; Sehnsüchte nach einem idealen Zusammenleben in Frieden vielleicht. Doch wenn der Film diese Wünsche letztendlich auf perverse Weise erfüllt, dann ist das kein Happy-End, sondern vielmehr ein bösartig-zynischer, wahnhaft-durchgedrehter Kommentar zum Zeitgeist, ein Symbol für das drastische Gegenteil: Die völlige Zerstörung (wie es der Junge, in Muttermilch badend, kurz andeutet) und Auflösung der letzten Bastion des sozialen Gefüges. Das "falsche" Ende aus Lynch's "Blue Velvet", nur deutlich grobschlächtiger, abgedrehter, ausschweifender und perverser.
Dabei drängt Miike dem Zuschauer mit seinen schlichten, starren und immer nah am Geschehen befindlichen DV-Bildern in zugehöriger Ästhetik eine Voyeur-Rolle auf. Er zwingt ihn mit seinem grotesken schwarzen Humor und mit seiner teils bizarr-anwidernden Direktheit, diese Rolle irgendwie zu mögen. Während die Protagonisten eine Reise in die primitiven, triebhaften Abgründe ihrer Seelen machen, akzeptiert der Beobachter die präzise Schilderung bald als Normalität im Gesamtkonzept des Films. Die zwanghaft ausgelebten, expliziten ödipalen, inzestuösen und necrophilen Traumfantasien zeigen mit wohltuender Genauigkeit, worauf sich das menschliche Unterbewusstsein nach Freud im wesentlichen reduzieren lässt: Den ungehemmten aggressiven (Sexual-)trieb. Wie geht der Mensch heute mit der Befriedigung seiner Triebe um? Was passiert nun, wenn das Ego, oder freudsch formuliert das Ich und Überich verkümmern, sodass das Unbewusste, Triebhafte, das Es, unkontrolliert ausbricht? -Davon, könnte man interpretieren, handelt dieser Film...


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Arminowitsch" lesen? Oder ein anderes Review zu "Visitor Q (2001)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Arminowitsch

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

216 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Verblendung (2011)
Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch (1977)
Dread (2009)
Rules - Sekunden der Entscheidung (2000)
Superman/Batman: Public Enemies (2009)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich