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In Interviews zeigt sich Ray Harryhausen immer als sympathischer Filmfan voller Faszination für das phantastische Kino. Mit Die Rache der Dinosaurier verneigt er sich vor seinem Mentor und Freund Willis H. O'Brien, der 1962 verstorben war, ohne all seine Projekte verwirklichen zu können. Die Geschichte der zu Grunde liegenden Story Valley of the Mist geht dabei zurück bis in die frühen vierziger Jahre. Ursprünglich sollte sie als RKO Produktion mit John Speaks verfilmt werden. Wie so oft in O'Briens Leben kam es jedoch anders. Ein entscheidender Faktor dürfte sicher auch die Situation der Filmindustrie während des zweiten Weltkriegs gewesen sein. In vereinfachter Abwandlung sollte das Projekt dann 1949 neu erweckt werden, doch der Produzent Jesse L. Lasky war nicht in der Lage den Film zu finanzieren.
Schließlich verkaufte Obie dieses Konzept, bei dem lediglich ein mexikanischer Junge einen Dinosaurier entdeckt, an die Nassour Brothers, die so 1956 mit dem Dino-Western The Beast of Hollow Mountain glänzen konnten. Leider hielten sie ihr ursprüngliches Versprechen nicht, Willis O'Brien für die Effekte einzusetzen, sondern verwendeten aus Kostengründen die wesentlich billigere Replacement Animation, bei der die Bewegung durch einzilbildweise ausgetauschte Miniaturen erzeugt wird, die jeweils eine feste Pose einnehmen.

Selbst als Produzent auftretend nahm sich nun Ray Harryhausen in Die Rache der Dinosaurier die Freiheit, möglichst nah an die ursprüngliche Idee aus dem Nachlaß seines Freundes zu kommen, gab sich aber auch Raum für künstlerische Freiheit, um die Geschichte etwas zu aktualisieren. Dabei ist das Sujet ähnlich dem von Die verlorene Welt oder King Kong und die weiße Frau, kann aber über die Westernkulisse für genug Abwechslung sorgen, so daß der Film nicht erst ab dem Actionteil interessant wird.
Wir befinden uns in Mexiko. Zigeuner finden im verbotenen Tal ein kleines Pferdchen, welches Carlos (Gustavo Rojo) trotz Bedenken der blinden Tia Zorina (Freda Jackson) in den Westernzirkus von T.J. Breckenridge (Gila Golan) bringt. Das einfach niedlich animierte Tier soll die neue Sensation werden. Für Unruhe sorgt zunächst T.J.'s ehemaliger Partner Tuck Kirby (James Franciscus), der sie aufsucht, um mit ihr in Buffalo Bills Wild West Show das Glück zu finden. Als es zwischen den beiden knistert, läßt sie sich dazu hinreißen ihr Geheimnis zu offenbaren. Ärgerlich für Tuck, daß ausgerechnet jetzt das possierliche Pferdchen El Diablo, welches der in der Nähe forschende Paläontologe Prof. Bromley (Laurence Naismith) als Eohippus identifiziert, gestolen wird. Denn der Verdacht fällt auf den unschuldigen Tuck.
Die Suche führt unsere Helden ins verlorene Tal zurück, wo das Eohippus schließlich durch eine Felsspalte entfleucht. Neugierig kraucht man durch die Enge, um weit größeren Urzeitwesen zu begegnen.

Nach spektakulären Schaueinlagen, zu denen allerdings auch ein berittener Sprung in ein von einem Flammenkreis umzüngeltes Wasserbecken gehört, den man, obwohl sich der Sturz bei näherem Hinsehen als Miniatur-Stuntdouble entlarven läßt, heute aus ethischen Gründen wohl nicht mehr durchführen würde, erleben wir an dieser Stelle atemberaubende technische Finesse. In der Dimension ist Die Rache der Dinosaurier an dieser Stelle jedoch auch etwas ernüchternd, bevölkern doch nicht gerad viele Tiere das vorzeitliche Reservoir. Den Zauber eines O'Brien Meisterwerkes erreicht Harryhausen hier also nicht, wenngleich seine Tricktechnik haushoch überlegen und schon zeitraubend aufwendig genug ist.
Zentrales Spektakel nach einem dramatischen Menschenraub durch einen Flugsaurier ist der Allosaurus Gwangi, der in einem unvergleichlichen Kampf anschließend an einen fatalen Steinschlag gefangen und in den Zirkus gebracht werden kann. Hierbei legt Ray Harryhausen eine unvorstellbare Interaktion an den Tag, die zusammen mit der flüssigen Artikulation des Sauriers eine überaus realistische Wirkung erzeugt.
Bereits in Mighty Joe Young hatte er ein Modell von Cowboys mit ihren Lassos einfangen lassen. In akribischer Feinarbeit hat er dieses Prinzip hier noch verfeinert, so daß Gwangi in einem wahnsinnigen Überlebenskampf an den Fesseln zurrt. Ein traditioneller, blutiger Kampf der Giganten mit einem Styracosaurus rundet das Bild zusätzlich ab.

Mit der Sensation im Gepäck blüht nun der Zirkus wie auch Harryhausen förmlich auf. Mit den strahlenden Augen eines Carl Denham im Gedanken an das fließende Geld träumt T.J. schon von einer Welttournee, während der Professor rein wissenschaftliche Interessen hegt und Tuck gar von bürgerlichem Leben auf einer Farm träumt - mit T.J. und ihren gemeinsamen Kindern.
Während die Tricktechnik noch das anwesende Publikum mit einem Stop-Motion Elephanten begeistert, droht im Hintergrund schon die unvermeidliche Gefahr - nicht ganz ohne Schuld der Zigeuner. Als ein Ballon den Vorhang lüftet, bricht Gwangi los. Die Zuschauer verlassen panisch die Arena.
Da wir es hier mit keinem Megamonster zu tun haben, bleiben wesentliche Zerstörungen der mexikanischen Stadt aus. Nachdem Gwangi noch genüßlich das dickhäutige Rüsseltier zur Strecke gebracht hat, verbreitet er hauptsächlich Schrecken zwischen den Menschenmassen, wirkt dabei aber erstaunlich plastisch und kann so eine sehenswerte Illusion darstellen. Mit einem vieldeutigen Showdown in einer brennenden Kirche setzt sich Ray Harryhausen so in Die Rache der Dinosaurier ein tricktechnisches Denkmal.

Obwohl die Idee, einen Western mit Urzeitmonstern zu verbinden relativ wenig ausgereizt ist, ist dies eins der Hauptkriterien, an denen sich heutige Zuschauer stoßen. Das Genre ist nur noch bedingt beliebt und da der Look sich an eher saubere Produktionen amerikanischer Prägung hält, läßt sich die in kräftigen Farben präsentierte Leistung auch ausschließlichen Fans von Spaghetti-Western schwer nahebringen. Dabei ist das einzig greifbare Argument abseits des persönlichen Geschmacks eigentlich die inhaltliche Nähe zu O'Briens großen Erfolgen.
Nun sind Fans von Monsterfilmen aber stetige Wiederholungen gewöhnt. An wenigen möglichen Prinzipien läßt sich kaum rütteln, so daß ein verschließen vor diesem großen Film, der hier zumindest von gewöhnlichen Schauplätzen abweicht, tatsächlich auch einen großen Verlust bedeutet. Über die technische Brillianz kann man ohnehin nicht streiten, so daß Die Rache der Dinosaurier wenn nicht sowieso, spätestens für Effektfans zum Pflichtprogramm wird.

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