Von allen bisherigen Teilen der Reihe kann man The Fast an the Furious: Tokyo Drift als das Bobbycar bezeichnen. Denn genau so kindisch gibt sich der Streifen auch. Bis auf ein Cameo am Ende hat er ohnehin kaum noch was mit den Vorgängern zu tun. Denn Paul Walker ist mit Runnig Scared ins ernstere Filmfach abgedriftet und selbst 2Fast 2Furious wirkt gegen diesen Aufguss noch wie eine tiefgründige Literatur-Verfilmung. Was aber machen, wenn die vorherigen Teile viel Knete eingebracht haben und der bisherigen Hauptdarsteller nun kein Bock mehr hat? Genau... man verpflichtet einen untalentierten Regisseur, noch untalentiertere Darsteller, lässt ein paar Rennszenen mit Pseudohandlung zusammenkritzeln und vermarkten das alles unter dem guten Namen der Vorgänger. Fanatischen Need for Speed: Underground-Spielern wird auch hier eine abgehen, dem Rest dürfte der Film höchstens ein müdes Lächeln hervor locken.
Shaun Boswell (Lucas Black) ist dem Geschwindigkeitsrausch verfallen: Nachdem er einmal zu oft bei einem illegalen Straßenrennen erwischt worden ist, schickt man ihn zu seinem Vater, einem Offizier, nach Tokio. Doch dort kommt Shaun mit einer neuen Disziplin in Berührung, dem Drift Racing, wo regelmäßig für Geschwindigkeitsrekorde gesorgt und den Gesetzen der Physik hohngelacht wird. Durch seine neue Leidenschaft bekommt er aber nicht nur Ärger mit der japanischen Polizei, sondern legt sich auch noch mit der Yakuza an...
War Paul Walker in den vorherigen Teilen schon alles andere als ein Charaktermime, so glänzt Lucas Black (Jarhead) bestenfalls mit immer dem gleichen öden Gesichtsausdruck, was prompt dazu führt, dass man als Zuschauer nicht die geringste Sympathie für diese Erscheinung empfindet. Ihm zur Seite stellt man mit Bow Wow (Carmen Brown) den handelsüblichen Quotenneger inklusive Bademütze und den herkömlichen Funktionen zur Seite. Denn er passt in das japanische Milieu genauso rein wie John McClane und Rambo beim Christopher Street-Day! Natürlich stellt man Black auf die andere Seite die ebenso handelsübliche Chica in Form von Nathalie Kelley, die jedoch weder die Klasse von Eva Mendes noch von Jordana Brewster besitzt. Halt ein hübsches Gesicht ohne Talent. Mit Brian Tee (Wir waren Helden) wird uns dann noch der Yakuza-Kindergarten als lokalen Unruhestifter vorgestellt. Genau wie Sung Kang (Pearl Harbor) ist auch er ein austauschbares Gesicht, ohne in Erinnerung zu bleiben. Lediglich Sonny Chiba (Kill Bill: Vol.1) und Vin Diesel (Extreme Rage) können ihn ihren kurzen Auftritten der Krabbelgruppe zeigen, wie der Hase läuft.
Beginnen wir zuerst mal damit, was diesen wie auch die vorherigen Filme der TFATF-Reihe ausmachen: die Rennsequenzen. Nun, was soll man hier dazu großartig sagen? Überwiegend liegt hier der Fokus auf dem Driften. Das ist beim ersten Rennen noch nett anzuschauen. Im weiteren Verlauf wird damit die Langeweile-Schraube aber immer höher gedreht. Ich persönlich hab mit diesem ganzen PS-&-Tuning-Zirkus nix am Hut, was wohl auch der Grund sein wird, weshalb mich das Driften so rein garnicht vom Hocker haut. Somit gestalten sich auch die Rennen, bis auf das erste Wettfahren im Ami-Land, recht unspektakulär und eintönig. Nichtmal das pseudodüstere Endrennen kann da was reißen.
Die Handlung von Amerika nach Japan zu verlegen mag ja schön und gut sein, bewirkt aber nix, wenn man nicht näher auf die Kultur und Gewohnheiten des Landes eingeht, und stattdessen nur an der Oberfläche herumkratzt. Allerdings ist die Skyline von Tokio noch das Ansprechenste, was man in Sachen Location hier serviert bekommt. Bis auf das Kid Rock-Stück beim Eröffnungsrennen ist die lokale Mucke auch nicht grad der Burner. HipHop-Fließbandallerlei halt.
Die Handlung scheint zudem von einem Kleinkind mit Vorliebe für Autos geschrieben worden zu sein. Neben den Rennsequenzen will man uns ja noch eine Story auftischen, die aber noch belangloser daher kommt als das Driften an sich. Kaum ist Shaun an seiner neuen Schule angekommen wirft ihm die Ober-Chica schon heiße Blicke zu und der einzige Quotenbimbo mit Bademütze, der in ganz Japan rumläuft, pflanzt sich neben ihn und quatscht ihn unaufgefordert an. Durch ihn gelangt Shaun dann auch in die Drift-Szene , wird klischeemäßig gleich vom Yakuza-Bengel dumm angemacht und beim darauffolgenden Rennen gezeigt, dass Driften anscheinend der angesagteste Unfug ist. Nach einem Crash-Kurs bei einem Kleinkriminellen hat Shaun freilich den Dreh raus und ab da kann ihm beim Driften keiner mehr was vormachen. Der Rest vom Fest stürzt sich dann in eine GZSZ-like Klischeehandlung, wo der kriminelle Buddy zu Tode gegrillt wird, Shaun seiner Chica beim Rudel-Driften näher kommt, die Yakuza-Bratze erneut rummuckt, weil Shaun seine Griffel nicht von seiner Alten lassen kann, und sein Onkel darum ein finales Drift-Duell beschließt, in dem alles geklärt wird, was zu klären ist - oder aucht nicht! Irgendwie habe ich am Ende auf einen Seppuku-Tod des Yakuza-Balgs gewartet... so mit Messer im Bauch, Enthauptung, und allem drum und dran halt. Aber das wäre dann wohl zuviel für die kindlichen Augen der anvisierten Zielgruppe gewesen.
Ansonsten ist in The Fast and the Furious: Tokyo Drift Pseudocoolness in Reinkultur angesagt. Das liegt nicht nur an dem vorlauten Bow Wow, dem man jedes Mal eine reinhauen möchte, sobald er aufkreuzt, sondern auch an der ganzen Aufmachung. Der japanische Underground sieht dann aus wie eine fatale Kreuzung aus 'nem Straßenstrich und den German Race Wars. Die Weiber scheinen darum zu wetteifern, wer nun die wenigsten Stofffetzen am Leib hat und die Checker geben sich noch prolliger als in den Vorgängern. Wenn ich mir die ganze Bande so samt Hauptcast (Chiba & Diesel ausgeschlossen) anschaue, dann habe ich schon Regenwürmer gesehen, die von mehr Intelligenz zeugten als dieses Pack. Dann wird noch kurz von der gerne angeprisenen Freiheit, die man beim Driften bzw. Wettfahren scheinbar fühlt (oder waren es die Auspuffgase?), schwadroniert, der Showdown in den Düsternis-Filter getaucht und Papis Karre zum Turbo-Racer in billigster Pimp my Ride-Aufmachung umgebaut. Ohnehin scheint jeder aus dem Pack den Führerschein und eine KFZ-Mechaniker-Ausbildung bei Ebay ersteigert zu haben.
Tja, gegen den dritten Teil wirken die Vorgänger, Nur noch 60 Sekunden und Konsorten wie die reinsten Auto-Dokumentationen. Einen solchen Teil hat die Reihe (ich befürchte, dass da noch mehr kommen wird) wahrlich nicht verdient und der gesamte Cast gehört, bis auf die oben bereits erwähnten Ausnahmen, in das Sündenbecken der schlechtesten Schauspieler! Von Bemühungen um Realismus der Racing-&-Drift-Szene nichts zu spüren. Nichtmal als No-Brain-Unterhaltung will der Streifen funktionieren, weil er schon dafür fast zu bescheuert rüber kommt. Nee... so was braucht man wirklich nicht! Gute Nacht!