Der Metzger, schon bekannt aus Noé's Kurzfilm "Carne" (1991), hat ein neues Leben fernab von Paris auf dem Land begonnen. Doch auch hier findet er sich nicht zurecht, seine Frau ist launisch und herrschsüchtig und er muss an seine Tochter denken, die er zurücklassen musste. Er findet keinen Job und fängt an zu trinken. Schließlich muss er einen Job als Nachtwächter in einem Altenheim annehmen, der ihm aber überhaupt nicht gefällt. Als eine alte Frau stirbt, bringt er die diensthabende Krankenschwester nach hause, da sie der Vorfall sichtlich mitgenommen hat. Dabei wird er von einer Freundin seiner Frau beobachtet, und zuhause prompt zur rede gestellt. Er wird beschimpft und dreht schließlich durch, schlägt seine Frau zusammen, treibt das Baby auf seine Art ab, nimmt sich die Pistole der Mutter und haut ab. Er will von vorne anfangen, wieder in Paris, wieder als Schlachter. Er träumt davon etwas in seinem Leben zu schaffen, was ihn in Erinnerung halten wird, aber stattdessen merkt er, dass seine Situation immer schlechter wird. Ihn keiner Schlachterei kann er Arbeit finde und kein alter Freund kann ihm Geld leihen. Langsam aber sicher wird der Schlachter zur tickenden Zeitbombe, er will seinem Leben ein Ende setzen, seine Tochter mitnehmen und vorher noch den Besitzer des Schlachthauses ins Jenseits befördern, da er ihn zur reichen Oberschicht dazuzählt und diese dafür verantwortlich macht, dass es Frankreich so schlecht geht. Er startet seinen Rachefeldzug "Seul Contre Tous" (allein gegen alle).
WOW, was für ein Film! Noé zeigt schon hier was in ihm steckt und liefert mit diesem Film erneut ein Meisterwerk ab, dass in seiner Depressivität kaum zu überbieten ist. Vor allem der Schauspieler Philippe Nahon, der den Schlachter spielt geht so richtig in seiner Rolle auf und spielt derart überzeugend, dass man glaubt er würde derartiges wirklich durchmachen. Der Film wird vor allem von seinen Monologen gehalten, die seine Anschauung der Welt veranschaulichen. Dabei rutscht der Film trotzdem niemals in lächerliche ab, sondern bleibt sehr ernst zu nehmend. Auch hier experimentiert und spielt Noé mit dem Zuschauer (vor dem Amoklauf wird dem Zuschauer in einer Schrifttafel 30 sek. zeit gelassen, den Film aus zu stellen bzw. zu verlassen), hat exzellente Kamerafahrten und schafft es Teile von Paris zu zeigen, die sicherlich noch niemand gesehen hat. Der Film zeigt derartig versiffte, verdreckte und dadurch auch traurig wirkende Plätze, dass man den Schlachter mehr und mehr verstehen kann. Zudem ist dies nicht ein inhaltsloser Gore Knaller der nur schockieren will, sondern ein wirklich anspruchsvoller sozialkritischer Film, der vor allem von Moral und Gerechtigkeit handelt.
Fazit: Dieser Film lässt sicherlich keinen Kalt, und jeder sollte ihn zumindest einmal gesehen haben!