Review

Eigentlich ein Film perfekt für die späte Nacht. Wenn alles schläft und man der Einzige auf der Welt ist; zumindest abgeschottet in den eigenen vier Wänden, nur Dunkelheit und Stille um sich herum.
Dazu das Genre als Horror angekündigt, vorteilsweise mit einer Besetzung, die einem kaum etwas sagt und auch kaum bekannt sein dürfte; schon weil die meisten Darsteller vorher entweder gar nicht oder in wenig verbreiteten No Name Fabrikaten mitwirkten.
Halt so eine wie diese hier. Times Production Limited finanziert ein weiteres Francis Nam - Werk, dass nur in kleinen Kreisen überhaupt als Titel ein Begriff sein dürfte; das gleiche Schicksal erleidet auch der Regisseur selber, aber er hat es auch nicht anders verdient.
Seine bisherigen Arbeiten setzen sich aus durchweg billigsten Skripts und entsprechender Inszenierung zusammen; da ist es fast sein Glück, dass der schlechte Ruf von Ungrateful Tink, The Runner, Guilty or Not, Ransom Express und A Wicked Ghost 2: The Fear nicht über die Stadtgrenze hinauseilen kann. Allerdings zieht eine derartige Filmography gerade die an, die einem anonymen und aller Wahrscheinlichkeit nach amateurhaften Genuss aufgeschlossener entgegenfiebern als dem nächsten Einheits - Blockbuster.
Und um die Schattierung der je nach Sichtweise negativen oder positiven Gefühle noch hervorzuheben, arbeitet er natürlich vorzugsweise für Tony Leung Hung - wah; der nach dem Actiongenre nun eben auch die Grusler kaputtmachen will und dafür auch gleich die entsprechende Kommerz - und Qualitätszuordnung parat hat: No Budget und No Talent.

Allein die Inhaltsangabe deutet merklich auf das Schlimmste hin; noch fataler ist es, dass sie dann auch noch strikt getreu ihrer miserablen Prämisse abgeschritten wird:
Eine Gruppe angehender Schauspielerinnen soll mit ihrem Coach King Wong [ Law Kar Ying ] und der Regisseurin Connie [ Karen Tong ] als Vorbereitung auf einen Horrorfilm einige Tage an einem abgelegenen Ort verbringen; nicht nur um die scary & scream technique zu lernen, sondern auch das Vertrauen zu dem Anderen zu gewinnen und sich so als Einheit und helfendes Team präsentieren. Dazu begibt man sich in ein verlassenes Filmstudio inmitten der Wälder, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und gar unheimliche Dinge passieren.

Nun ist der Clou natürlich, dass die Schauspieler wissen, dass man Ihnen Angst einjagen wird; ohne Praxis kein Lerneffekt. Also verdächtigen sie Alles und Jeden, sobald etwas Mysteriöses geschieht und reden sich immer wieder selber Zuspruch ein. Nun ist das vielleicht für die Anfangsminuten in Ordnung, aber es geht die gesamte Zeit so; die Handlung bewegt sich ebenso wie der Schauplatz nicht 1mm vom Fleck weg und verharrt komplett regungslos. Das Drehbuch besteht nur aus Monologen und Dialogen, die nichts mehr der Imagination des Zuschauers überlassen, weil sie wirklich alles zerreden; zudem noch äusserst erbärmlich gehalten sind und das mangelnde Talent der Schauspieler - der im Film und der richtigen - peinlichst genau offenbaren. Nicht nur, dass sich analog zur Erzählweise niemand wirklich agiert; auch Mimik und Gestik sind dermassen tot, dass höchstwahrscheinlich das gesamte Drehteam unter Medikamente gesetzt wurde. Der Film wird selber zum Schauer. Die dreistufige Nomenklatur Schrecken, Horror und Ekel um eine weitere Ebene erweitert, in der gar nichts suggeriert, die Grenzen des guten Geschmackes nicht gewahrt wird und die Extreme der Gewalt die Auflösung des Geistes thematisiert statt die des Körpers. Man wird durch die filmische Repräsentation mit dem Bösen konfrontiert, nicht über sie. Die Gefahr des voyeuristischen Akt des Sehens verselbständigt sich über die Leinwand hinaus.
Es sei denn, man schaltet ab.

Es verbleibt aber auch sehr wenig übrig, was zum Durchhalten verleitet. Helfen tut für einen Moment der Ort der Angsterzeugung selber; das geräumte Filmstudio inmitten des Nichts hält noch sämtliche Kulissen parat und sollte lieber als Touristenattraktion dienen statt als Tummelplatz von Dilettanten. Die leeren Häuser entsprechen mal 20er Jahre Residenzen, sogar mit anliegender Prunkstrasse; dann werden Fischerdörfer und gleich nebenan Buddhistische Tempelbauten in Augenschein genommen, in denen altertümliche Kostüme herumliegen. Der ruhigen Anmut der herrenlosen Gebäude kann selbst die stumpf - matte Optik nichts anhaben. Zeichen der Versagens - fehlende Wirtschaftlichkeit des Geländes - und Vergangenheitsabbildungen treffen mit der neoterischen Moderne aufeinander; einer der Teilnehmer hat ständig einen Camcorder am Start und die ganze Truppe ist mit Mobiltelefonen bewaffnet.
Der Wohn- und Aufenthaltsraum selber befindet sich in einem alten Steingemäuer, dessen massives Tor samt Mauer die Umgebung eingrenzt; innerhalb der zwei Etagen sind bis auf die Einzelbetten allerdings gar keine Möbel mehr vorhanden und auch alles nur von - täuschend unechten - Spinnenweben kredenzt.
Dienlich überschaubarer Mikrokosmos, der auch nur mit einem knapp mehr als halben Dutzend Figuren besiedelt ist; in Empfang genommen wird die kleine Truppe durch den geheimnisvollen Brother Man [ Sam Lee ].
Die Verbindung zur Aussenwelt funktioniert aufgrund eines Funkloches natürlich nicht; darauf wird extra hingewiesen und der Busfahrer hat für den platten Reifen auch keinen Ersatz.

Es wundert sich dann aber keiner, dass er den Bus reparieren will und nicht wiederkommt. Das die Tore und Türen alle von allein auf und zugehen. Das Connie für längere Zeit verschwindet und erst viel später mit der Ausrede zurückkkommt, sie wäre shoppen gewesen. [ Wo denn dort draussen ?!? ] Dass der eigentliche Psychopath erst keiner ist, dann aber einer, dann aber wieder keiner und sich am Ende doch als Gefahr entpuppt. Also das ist alles zu blöde, noch zusätzlich mit der sülzigen Botschaft „Gemeinsam sind wir stark" überpinselt, tempolos bis zum Stillstand und statisch bis zum Zerfall.
Da hilft nur hartnäckige Ablehnung und Ächtung seiner Macher, die in einer langen, unpässlichen Agonie alles zugrunde richten, was ihnen in die Hände kommt. Man erwartet ja keine Wunder. Nicht einmal, dass sie zwischen Parodie und Selbstreflexion unterscheiden können. Aber derartig schlecht weder Tradition noch neue Wege zu treffen, entseelt auf seiner einzigen Idee zu beharren und 85min lang auch wirklich Alles nur zu demontieren, ist dann doch ein zu starkes Stück.

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