Draußen, im großen, bösen Filmmärchenland, da gibt es die kleine, aber tapfere Produktionsgesellschaft „WWE Films“.
Die war auf den Trichter gekommen, das es doch ganz prima wäre, wenn man die in aller Welt von Kindern und solchen, die es geblieben sind gefeierten Wrestlinghelden auch mal in der Hauptrolle eines Films rausbringen würde. Vor allem könnte man damit Zusatzkohle machen. Das hatte mit „The Rock“ geklappt, mit „The Marine“ leidlich funktioniert und mit „See no Evil“ zu einem kleinen Drecksfilm geführt.
Mit „The Condemned“ war die Chance für ihren Star „Stone Cold“ Steve Austin gekommen, einen Mann, der so aussieht als würde er Benzin pissen und Backsteine scheißen und dessen Stiernacken so breit ist, dass man auf Filmabenden per Beamer auf ihm Filme schauen kann, wenn gerade mal wieder die Leinwand klemmt.
Steve läuft, als hätte man es ihm vor fünf Minuten gezeigt; hat einen tollen Körperbau und ungefähr so viele Gesichtsausdrücke wie ein IKEA-Einbauschrank.
Das prädestiniert ihn für die Rolle des „Guten“ in dieser Neuauflage von „Battle Royal“, in der 10 zum Tode verurteilte auf einer Insel bis zum Tod gegeneinander kämpfen müssen, auf Geheiß eines sinistren Medienmoguls, der das Gemetzel via Internet vermarktet.
Selbstmurmelnd sitzt auch Steve im Knast, aber die Tatsache, das er irgendwie nicht sofort losmeuchelt, lässt den denkenden Menschen vermuten, das da noch was im Busch ist.
Derweil kann man sich aber erst mal an ein paar fröhlichen Startkämpfen erfreuen, als Zweiter scheidet leider schon der deutsche Bewerber „Helmut“ aus, der genau ein Wort Deutsch gelernt hat, nämlich „Fotze“, dieses aber prima wiederholt – denn wie in allen diesen Filmen ist Artikulation alles.
Und Steve hat natürlich auch eine Nemesis, die im wirklichen Leben ihm sehr ähnlich war, die dies aber pervertiert hat, dargestellt von Vinnie Jones, der hier den geifernden Jack-Nicholson-Ersatz gibt.
Ergo prügelt und sprengt man sich über die Insel, derweil macht sich Steves Freundin daheim Sorgen, der fiese böse Medienmogul hat bei seinen Mitarbeitern mit so etwas Perversem wie plötzlich einsetzendem Gewissen zu kämpfen und ein interessierter Bundesbeamter findet raus, was wir eh schon alle gerochen haben: Stevie ist nämlich ein Agent für spezialgelagerte Sonderfälle (so wie Justus Jonas) und saß der Identität wegen ein Jährchen in der Todeszelle ohne Aufzumucken.
Tja, so sind sie, die Arnold-Epigonen, haben einfach nichts mehr in der Hose.
Denn wo Arnold seinem Frust über den Staat im rechten Moment Ausdruck gab (meist in Zusammenhang mit einem Faustschlag oder einem vollen Magazin), ist Stevie der ideale US-Patriot, der ruhig mal fallengelassen oder hingerichtet werden darf, ohne darüber kurz vergrätzt zu sein.
Aber so hohl und verlogen ist zum Glück auch der Rest des Films, denn im Mittelteil pausiert zunehmend das Geschlachte und die Medienkritik setzt ein. Erst fällt einer Blondine auf, wie menschenverachtend das war, dann kriegt der Aufnahmeleiter Skrupel (bezeichnenderweise ist Meucheln okay, foltern und vergewaltigen nicht!!!), dann sind sie wieder weg. Und die übrigen Angestellten spielen das böse Spiel hörig mit, diese gewissenlosen TV-Leute.
Leider herrscht auch dort ein wenig Senilität vor, denn obwohl Mr.Mogul überall Kameras für jedes Detail will, fordert er unverständlicherweise schnelle und harte Schnitte für alle Kämpfe, was nur einen Zweck hat, nämlich uns mit dem hektischen Geruckel Augenkrebs zu verschaffen und das Rating niedrig zu halten.
Jepp, so billig, banal und schlichtweg doof kann man es inszenieren, angereichert mit Dialogen des Grauens, die einen dreimal schreiend ums Haus treiben.
Zwischendurch erobert Stevie mal die Funkzentrale, aber seine Holde jammert ihm unter Zeitdruck lieber mal die Ohren voll bezüglich seiner Arbeitsbedingungen und warum abends immer so spät heim kommt, derweil der Handlungsstrang mit den Bundesagenten einfach im Nichts strandet.
Damit dürfte klar sein, dass Onkel Austin erst so richtig tätig wird, als sich seine Mitstreiter als gewaltgeile Perverslinge entpuppen. Eine Journalistin erklärt unter Tränen noch einmal mit den Worten einer von Greenpeace enttäuschten 11jährigen, was auch der letzte Depp im Publikum verstanden haben müsste und die Navy Seals rücken an. Prösterle!
Natürlich will der Internetperversling stiften gehen, derweil die Medienkritik so weit fortgeschritten ist, das seine sämtlichen Untergebenen in einer schreiend beknackten Szene alle erschossen werden für ihre Taten – signifikanterweise von Vinnie Jones, denn Steve durfte leider nicht wegen vorhandenen Gewissens. Radikal, gell?
Am Ende kriegen die Bösen aber alle ihr Fett weg und Stevie versucht sich für uns an einem Lächeln. Es sieht aus, als hätte er dabei große Schmerzen – kein Wunder, die hat der Zuschauer auch.
Selbst alle, die mit dem eindimensionalen Stallone-bis-Norris-Schund in den 80ern groß geworden sind, dürfte diese Unterschätzung ihrer intellektuellen und moralischen Fähigkeiten Magengeschwüre verursachen. So kreuzdoof, feige und naiv war schon lange kein Film mehr und das können auch die mies in Szene gesetzten Kämpfe, eine Handvoll Sprüche und nicht mal zwölf Bier retten, der Film ist einfach misslungen. Für die probaten Kloppe-Fans, denen sowieso fast alles gefällt, gibt’s auch hier was zu fressen, aber das genügt kaum niederen Ansprüchen.
Und als der Rezensent nach diesem Film daheim ankam, lief doch tatsächlich auf Kabel 1 gerade (was ein Zufall) Arnolds „Running Man“, noch so ein misslungener Film zum Thema Medienkritik. Was soll ich sagen, er sah richtig gut dagegen aus. Und das tut richtig weh! (2/10)