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Stephen King-Verfilmungen sind immer eine heikle Angelegenheit. Ob des meist hochwertigen Ausgangsmaterials sind die Erwartungen stets hoch gesteckt und enttäuschen doch oft. Wenige gute, dafür aber umso mehr mäßige Filme sind das Ergebnis vieler Versuche, hier und da in das ausufernde Feld der kingschen Literatur einzudringen. Jetzt also 1408. Zunächst ein Geständnis: Ich kenne die Vorlage nicht, kann also nur den Film selbst beurteilen und keine Vergleiche ziehen. Es sei aber bereits jetzt gesagt, dass man den typischen Ton Kings hier häufig wiedererkennt.

Zur Geschichte: Mike Enslin enttarnt in seinen Schundbüchern eine Geistergeschichte nach der anderen als völligen Humbug, indem er von Ort zu Ort reist, um an den angeblich schauerlichsten Plätzen zu übernachten. Damit befriedigt er den Zyniker in sich selbst, der sich dauernd beweisen möchte, dass Übersinnliches nicht existiert. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit Mikes - ja, sie ist natürlich traumatisch, das gehört zum guten Ton.
Nun zum Hauptplot: Mike bekommt eine Karte aus New York - der Stadt seiner unschönen Vergangenheit. Auf ihr nur ein Satz: Übernachten Sie nicht in 1408! Der findige Mike bemerkt sofort, dass die Quersumme der Zimmernummer 13 ergibt und wittert ein weiteres Hotel, das seine Umsatzzahlen mit falschen Spukgeschichten steigern möchte. Der werte Zuschauer ahnt natürlich, dass Mike bald sein blaues Wunder erleben wird... Der lässt sich aber vom Manager (elegant und mysteriös: Samuel L. Jackson) nicht weiter abschrecken; selbst als ihm eine Akte mit sämtlichen Todesfällen in besagtem Raum präsentiert wird, bleibt er stark. Schließlich erhält er den Schlüssel...

Dieser erste Teil des Films, bevor die unnatürlichen Phänomene beginnen, ist sehr intensiv. Man spürt förmlich das Verderben, in das sich Mike so starrköpfig begibt; effektvolle Musik, unheimliche Kameraeinstellungen, eine liebevoll detailliert ausgearbeitete Vorgeschichte und ein bedrohlicher Jackson erzeugen wohlige Gruselstimmung - es herrscht wahrlich die Ruhe vor dem Sturm. Dann betritt Mike das Zimmer und es herrscht erst einmal Ernüchterung. Nur ein normales Hotelzimmer, weiter nichts! Doch da ist etwas, ganz hintergründig nur, das am Zuschauer nagt.
Mike indessen unterhält sich mit seinem besten Freund, dem Diktiergerät und belächelt die Geschichte, die ihm der Manager erzählt hat. Nach spätestens einer Stunde habe sich hier jeder Hotelgast umgebracht? Lächerlich! Als Mike aus dem Fenster sieht, um in die Straßenschlucht vor ihm hinabzublicken, beginnen die ersten Lebenszeichen des sich langsam regenden Raumes. Dann stellt sich der Radiowecker plötzlich auf 60:00 - der Countdown beginnt.
Solche makaberen Gags fließen immer wieder in das Gezeigte ein, sei es in schwarzhumorigen Anflügen des sehr lebendigen Zimmers oder in den zynischen Kommentaren Mikes. Ein Kampf entbrennt zwischen dem mit einem Mal von der Außenwelt Abgeschotteten und den Schrecken seiner Seele, die ihm in den Wänden von 1408 vorgehalten werden.
Leider gehören diese gerade zu den Schwachstellen der Geschichte. Denn die rührende, klischeebelastete Tragik der früheren Erlebnisse Mikes wollen nicht recht in das hinterhältige, ungewöhnliche Horrorszenario passen, das sich eigentlich im Zimmer abspielt. Sie wirken viel eher wie Ruhepunkte in dem tosenden Treiben, die für einen Horrorfilm aber zu oft und ausgedehnt auftauchen. Ebenso stören die ganz dick aufgetragenen Effekte, die sich im letzten Drittel des Films entfalten und das Zimmer völlig zerlegen oder in tosende Wassermassen tränken. Man wähnt sich dann viel eher in einem Katastrophenfilm als einer Gruselgeschichte.

Natürlich ist 1408 kein klarer Horrorfilm; insofern entspricht er dem kingschen Stil, der meist viel schillernder ist, als ihn einige hinstellen wollen. Dennoch stechen die oben genannten Momente störend aus dem Gesamtkontext hervor, der eher auf geschickteren Gruselmomenten aufbaut. Diese sind hervorragend gelungen und bieten die ein oder andere Überraschung und sogar Originalität. Denn das Zimmer hat sich für Mike einige fiese Spielchen einfallen lassen, die dann in unheimlichen, fremdartig wirkenden Momenten kulminieren, die ich nicht verraten möchte.
Faszinierend ist auch, dass sich (fast) alles nur an einem einzigen Ort abspielt, der dafür verschiedenste Facetten zeigt. Die Optik des Films ist besonders gut gelungen und erweckt die Tricks des Zimmers zu atmosphärischem Leben. Und dann ist da John Cusack. Wenn sich der Großteil eines Films mit einer einzigen Figur beschäftigt, sollte der Schauspieler besser sein Handwerk verstehen. Cusack tut das. Den Verfall vom nicht zu beeindruckenden Zyniker hin zum paranoiden Irren stellt er gut dar und beweist dabei ein Gespür für die makaberen Momente des Films.

Insgesamt ist 1408 ein effektreicher Gruselfilm, der allerdings zu überladen, actionreich und humorig ist, als dass er eine wirkliche Horror-Intensität erreichen könnte. Hier geht es aber nicht in erster Linie um seelische Abgründe (obwohl man zunächst den Eindruck haben könnte), sondern die Kreation einer ganz speziellen Atmosphäre. Diese Aufgabe gelingt dem Film: Mich hat die unwirkliche Stimmung des Films förmlich aufgesogen, die besonders der des großartigen Videospiels Silent Hill 4 - The Room ähnelt, das thematisch nicht unähnliche Bahnen einschlägt; deshalb kann ich einen Besuch des Zimmers 1408 nur empfehlen.

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