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Mr.Earl Brooks (Kevin Costner) Leben ist eine einzige gerade Linie. Erfolgreicher Unternehmer, glücklicher Ehemann und Vater einer Tochter, hohes Ansehen in der Gesellschaft und ein angenehmes Auftreten voll natürlicher Autorität, aber ohne Arroganz. Seine Firma und seine Wohnung sind von geordneter Perfektion, seine Bewegungen sind ruhig und genau, seine Planungen exakt und immer funktional.

Regisseur und Drehbuchautor Bruce A. Evans betont diese Charakteristika mit optisch perfekten Bildern, die durch die Aufnahme paralleler Linien oder den Blick aus der senkrechten Totalen eine starke Zweidimensionalität annehmen. Er entschlackt damit das Serienmördermotiv und befreit es von dem ganzen kaputten Dreck, der diesen Handlungen in der Regel zugrunde liegt. Zerrüttete Familienverhältnisse, Hass auf die Menschheit oder sich selbst, gibt es bei Mr. Brooks nicht, aber auch nicht die narzisstische Selbstüberschätzung, geboren aus einem tiefen Minderwertigkeitskomplex, wie bei Patrick Bateman in "American Psycho". Mr.Brooks ist mit sich im Reinen, wenn da nicht dieser hartnäckige Marshall (William Hurt) wäre...

Immer wieder erinnert ihn dieser an die Freuden des Tötens, aber er ist auch ein aufmerksamer Berater beim Vermeiden von Fehlern, so dass dem als "Daumenabdruckkiller" berühmt gewordenen Serienmörder bisher noch Niemand auf die Schliche gekommen ist. Dabei ist Mr.Brooks seine Sucht völlig bewusst und er trifft sich auch regelmäßig mit anderen Suchtkranken, um dagegen anzugehen, aber ausgerechnet nachdem er gerade zum "Mann des Jahres" ernannt wurde, erlebt er einen Rückfall und tötet noch in der selben Nacht ein junges Liebespaar in ihrer Wohnung.

Ganz offensichtlich ging es Regisseur Evans mit dieser Kunstfigur nicht darum, menschliche Abgründe demonstrativ zu zeigen, denn er lässt Kevin Costner in seiner Rolle bewusst sympathisch wirken und erzeugt damit Irritationen. Die Gespräche mit seinem Alter Ego Marchall haben nichts offensichtlich Wahnsinniges an sich und wirken trotz der Thematik regelrecht kultiviert. Auch sonst zeigt Costners Spiel keinerlei Brüche oder Nuancen an innerer Unzufriedenheit, bleibt aber in seiner Darstellung immer ernsthaft. So vermeidet er ein Abrutschen in ironisch komödiantische Aspekte, aber verbreitet auch nicht den klassischen Serienmörder-Schauder, so das ein eigenständiger Blick auf diesen Archetypus des Genres entsteht.

Doch das Netz zieht sich langsam um ihn zu, denn er hatte bei seinem letzten Mord einen überraschenden Fehler gemacht, als er übersah, dass der Vorhang nicht geschlossen war. Zufällig hatte ihn deshalb ein Mann aus dem Nachbarhaus fotografiert, als dieser das kopulierende Paar beobachtete. Am nächsten Tag steht der sich Mr.Smith (Dane Cook) nennende Mann in seinem Büro und erpresst ihn, ihn beim nächsten Mord mitzunehmen. Auch die ihn schon lange verfolgende Polizistin Tracy Atwood (Demi Moore) erhält neue Hoffnung auf Grund dieses Fehlers, der sie ebenfalls auf die Spur des voyeuristischen Nachbarn bringt.

Wer nun vermutet, dass Mr.Brooks nervös wird und - in die Enge getrieben - vielleicht weitere Fehler macht, irrt. Niemals verliert er die Contenance, auch nicht gegenüber seinem Erpresser. Einzig die Ereignisse um seine Tochter Jane (Danielle Panabaker), die plötzlich ihr Studium abbricht und nach Hause zurückkehrt, beunruhigt ihn. Als die Polizei auftaucht, erfährt er, dass an ihrer Universität ein Student mit einer Axt erschlagen wurde, und er vermutet sogleich, dass seine Tochter dahinter steckt, die scheinbar seine Sucht genetisch geerbt hat.

Diese Konstellation ist die interessanteste des Films, denn sie bleibt als Einzige ungewiss. Durch Mr.Brooks hohe Intelligenz und sonstige Perfektion nimmt der Zuschauer ihm wie selbstverständlich die These ab, dass seine Tochter eine Mörderin ist, aber der Film liefert objektiv keinen Beweis dafür. Die Fantasien, die sich in Mr. Brooks Kopf abspielen, könnten ein Hinweis auf einen möglichen inneren Wahnsinn sein, aber man kann sich nie sicher sein, ob sie nicht doch real sind.

Leider vertraut Bruce A. Evans seiner zwar sehr konstruierten, aber nicht weniger originellen Story nicht vollends und setzt vermehrt auf typische Storywendungen und Effekte. Der gesamte Subplot um die Polizistin, die trotz eines familiären Reichtums diesem Job ehrgeizig nachgeht, wirkt beliebig. Nicht nur das sie Probleme mit ihrem Ex-Mann hat, der eine übermäßig hohe Abfindung verlangt, außerdem ist noch ein von ihr verhafteter Mörder aus dem Gefängnis ausgebrochen, der ihr nach dem Leben trachtet. Diese Häufung von Ereignissen wirkt zu gewollt und verschenkt auch zu viel Potential. Zwar kann Demi Moore der Polizistin durchaus ein charakteristisches Format geben, aber als Gegenspielerin zu Mr.Brooks bleibt sie blass, da sie viel zu sehr durch die Nebenereignisse abgelenkt wird, um ihm gefährlich nahe zu kommen.

Ähnliches lässt sich auch von Mr.Smith sagen, der hier als alleinstehender, durchaus gebildeter Spanner mit Mordfantasien eine gefährliche Person hätte abgeben können. Doch seiner Figur fehlt die nötige Unberechenbarkeit und hier zeigt sich die größte Schwäche in Evans Konzept. Sein durchgehend kontrollierter Stil lässt außer Mr.Brooks keinen anderen Protagonisten zur Entfaltung kommen. So wie bei Mr. Brooks bewusst die Brüche und das Unerwartete fehlen, so lässt der Film insgesamt jegliche Übersprungshandlungen vermissen. Statt der Ordnung und Kontrolle des Brookschen Lebens einen Opponenten gegenüberzustellen (wie es zum Beispiel Besson in "Leon" macht), behält der Film seine Geradlinigkeit immer bei und ähnelt mit der Zeit immer mehr dem typischen tarantinoesken Spiel mit einer komplexen, verschachtelten Handlung, die sich dann zu einem überraschenden Ende hin auflöst. Dazu wartet der Film vermehrt mit Showeffekten, drastischen Darstellungen und Soundeffekten auf, die ein Mainstream-Publikum sicherlich unterhalten werden, aber das ursprüngliche Konzept verwässern.

Parallel dazu verändert sich auch Kevin Costners Darstellung des Serienkillers. Durch das immer komplexere Geschehen und eine Vielzahl von Nebenfiguren, die Mr.Brooks nicht annähernd das Wasser reichen können, verliert seine Figur ihre Zweideutigkeit und verkommt zum bekannten Klischee des heroisierten Killers, der nur noch aus Notwendigkeit killt oder Opfer auswählt, die den Tod auch verdient haben.

Offensichtlich wollte Bruce A. Evans in seinem zweiten Film nicht das Risiko eingehen, konsequent auf einen Mörder zu setzen, der aus besten Kreisen stammt und wahllos Unschuldige umbringt. So manipuliert er das Publikum und macht Mr.Brooks zum reinen Sympathieträger, indem er ihm eine Vielzahl an Personen gegenüberstellt, die deutlich negativer gestaltet sind.

Erst in der letzten Szene kommt er auf sein eigentliches Konzept zurück und gönnt Mr.Brooks noch einen Moment des kontrollierten Wahnsinns (6/10).

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