Mit dem vierten Critters-Film, der schon bei den Dreharbeiten zu Teil 3 definitiv war und dementsprechend am Ende thematisch schon mal vorbereitet wurde, wird die Reihe nun endgültig zu Grabe getragen - lange nach Überschreiten des eigenen Zenits, aber halt besser zu spät als nie (gelle, Michael?).
Wie in jeder Gruselfilmreihe, die was auf sich hält, verschlägt es die Handlung irgendwann ins All. Da lässt es sich halt erwiesenermaßen so richtig schön abtrashen. Gemalte Bildschirme, Tastaturen mit faustgroßen Tasten, riesige, nervende, blinkende Apparate und Papptüren, die sich Star Trek-like entweder von oben nach unten oder von links nach rechts verschließen. Retro-Style hat eben auch was für sich, wenngleich er sich hier auch nicht aus nostalgischen Gründen ergibt, sondern wegen fehlender monetärer Mittel.
Das ist nicht die ungeschickteste Art, um sich aus der Verantwortung zu ziehen, zumal das Ende von Teil 3 viel versprach. Bounty Hunter Charlie (Don Opper, auch hier wieder mit einer tragenden Rolle) will gerade die letzten Critters-Eier vernichten, als sich sein Kollege Ug meldet und befiehlt, die Eier in Sicherheit zu bringen. Der Grund: das sind die letzten Eier, und der Artenschutz greift um sich. Die Bösartigkeit der Critters ist da nicht von Belang, Hauptsache, eine aussterbende Spezies wird geschützt. Von der Plage zur bedrohten Art. WWF is in da house, baby!
Wie Herrn Bounty Hunter Charlie sich nun in der Raumkapsel mit den Eiern einsperrt und 50 Jahre durchs All fliegen kann - im Übrigen ohne ein Gramm Gewicht zu verlieren - das nehmen wir jetzt einfach mal so hin. Hauptsache, wir sind an Bord eines Raumschiffs, das sich bereits zwei Monate Reisezeit von der Erde entfernt befindet. Die Crew: Eine amazonenhafte Angela Bassett (mit Nackt-Dusch-Szene), ein überraschend sympathisch gezeichneter Brad Dourif, ein milchbubihafter Held in Form von Paul Whitthorne und ein Ekel und folgerichtiges erstes Critters-Opfer namens Anders Hove.
Der Knaller: Dieser Müllfilm nimmt “Alien³” vorweg! Da kommt so ein Typ, der einsam und verlassen seit Jahrzehnten im All herumflog, mit Eiern an, die dann gleich mal im Raumschiff der bergenden Crew schlüpfen. Und später gibt es eine Szene, in der unser Bubi, schlau wie er ist, einer anrückenden Spezialeinheit stets die Türen vor der Nase zuschlägt, damit die Einheit genau in den Raum läuft, wo die Critters sich aufhalten - ja, so wurde unter David Fincher auch das Alien in eine Falle gejagt.
Das soll nun aber kein Qualitätsmerkmal sein, im Gegenteil. Rupert Harvey macht so ziemlich alles falsch, was er nur falsch machen kann. Hätte es sich in diesem All-Szenario doch so richtig schön blöd abrocken lassen können, macht Harvey aus der Steilvorlage einen Langeweiler erster Güte. Die erste Einstellung geht noch gut ab (halt so Arthaus-mäßig), wenn im Sternenbild aus dem Vorspann plötzlich von rechts ins Bild hinein Bälle hüpfen wie die positiven und negativen Teilchen um ein Neutron; dann dreht sich die Kameraposition in einem Winkel von 90 Grad, fährt gleichzeitig zurück und offenbart unseren Bubi, wie er vor dem Fenster seiner Kajüte liegt und mit Bällen jongliert. Ein schöner Assist auf das Finale.
Dann aber lauschen wir den üblichen Unterhaltungen innerhalb der Crew... mit Meinungsverschiedenheiten, Intrigen, Grüppchenbildung und allem drum und dran. Von Critters keine Spur, die sind ja schließlich noch in dem Behälter eingeschlossen. Und sie werden den gesamten Film über nur stichprobenartige Auftritte haben. Dies ist wie schon der dritte Teil kein Critters-Film mehr... es ist ein Film, in dem zufällig Critters mitspielen. Wo die Viecher doch immerhin aus dem Weltall kommen, hätte man optimal ein Spiel mit der Umgebung gestalten können. Statt dessen tun die Fellknäuel nichts anderes als das, was sie die ganze Reihe über getan haben - nur alles viel seltener. Die Stachel kommen, wenn ich mich recht erinnere, nicht ein Mal zum Einsatz - von ein, zwei Passagen abgesehen sprechen sie nicht einmal mehr in ihrem untertitelten Kauderwelsch. Alles, was sie also tun, ist rollen und beißen. Und das soll Stoff für einen ganzen Film sein?
Offenbar nicht, denn der Fokus liegt auch gerade auf den Charakteren, und die werden hier - in Anbetracht des quasi nicht vorhandenen Produktionsabstandes zwischen Teil 3 und 4 kaum mehr eine Überraschung - total verschenkt. Denn das war ja auch schon ein Problem des Vorgängers. Ob es nun Angela Bassett ist, Brad Dourif oder Don Opper... sie alle bleiben mehr oder weniger umherwanderndes Fleisch. Die Versuche, zu Beginn emotionale Spannungen einzubauen, scheitern daher kläglich.
Nun zieht sich also dieses Spiel quälende (in der Originalfassung) 90 Minuten in die Länge, und nichts von Belang passiert. Wobei einige wenige Szenen dann doch genau das vermitteln, was so eine Art von Film vermitteln soll: total dämlichen Sinn für Humor. Denn zugegeben, umgekehrte Psychologie bei einem Computer anzuwenden (Dourif sagt: “Bordcomputer, gewähre uns UNTER KEINEN UMSTÄNDEN Zugang!” Bordcomputer sagt mit weiblicher Stimme: “Zugang gewährt.” Dourif sagt: “Genau wie meine Ex-Frau. Macht immer genau das Gegenteil von dem, was man ihr sagt.”), das hat das gewisse Etwas. Und den coolsten Satz des Filmes hat sowieso der Bordcomputer: “Der Reaktorkern wird die Station in dreieinhalb Minuten zur Explosion bringen. Zu ihrer Entspannung habe ich ein Musikstück mit einer Dauer von drei Minuten und 30 Sekunden gewählt.”
Der entscheidende Punkt ist aber der, dass es diesem Film, der von gefräßigen Pelzkugeln handeln soll, an jenen Kreaturen mangelt. In Anbetracht der “Herausforderung” den Schauplatz Erde gegen ein Raumschiff einzutauschen, hat man offenbar nicht mehr daran gedacht, dass es ja eigentlich um die Critters gehen soll. Die präsentieren sich einfallsloser und eindimensionaler als je zuvor, während das komplette Raumschiffambiente einfach jegliche Optionen vermissen lässt, die sich traditionellerweise durch dieses Setting ergeben. Ich bin so frei, dennoch gegenüber der Stadtinvasion um einen Punkt aufzuwerten, denn der Bordcomputer, der ist schon ein lustiger Geselle.