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Na endlich! Wir sehen Barts gelben Pimmel, hören Maggies gefühltes erstes (oder doch zweites) Wort und haben Arnold Schwarzenegger als Akzent labernden US-Präsidenten im Bus(c)h – das alles zwischen Alaska und Springfield, der Stadt, die geographisch unmöglich an viert weit entfernte Bundesstaaten grenzt. Das mag für Nichtfans wahnsinnig klingen und der Eindruck täuscht auch nicht. Das Gelbfieber bricht aus, wenn die „Simpsons“ nun endlich das Kinoformat erreichen.

Homer löst wieder einmal eine Umweltkatastrophe aus und bringt Präsident Arnie ins Schwitzen. Das ist alt und neu zugleich. Der Film bricht Tabus und das ist auch gut so. Ansonsten verbleibt man im Raum, dessen galaktische Dimension man gar nicht umschreiben kann. Die „Simpsons“ beleuchten den alltäglichen Wahnsinn und teilen heftig mehr oder weniger direkt in Sarkasmus und Zynismus badend aus. Politik, Religion, Umweltdestruktion. Al Gore würde sich im Grabe umdrehen, falls er tot wäre und sehen würde, wie die Bürger Springfields mit Mutter Natur umgehen. Das müssen Republikaner sein, wenn man dem Klischee glauben darf. Dementsprechend jubelt man bei der nationalen „patriot act“ Überwachung, wenn die Terrorabwehr endlich mal jemand Gesuchten erfolgreich findet – hey baby, wir scheißen auf Osama.

Die Simpsons sind die neue Angst – dead or alive. Sie wissen, was Restamerika wie so oft nicht weiß. Springfield wird isoliert und die Masse in der Dunstglocke tobt. Alle sind sie da. Rektor Skinner, Barney, Moe und auch Burns, ein oberskrupelloser Vorzeigekapitalist, der leider viel zu wenig wüten darf. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Der Film ist ein Film und wird nie die jahrzehntelange Seriengenialität erreichen. Er passt aber gut ins Bild und bricht die Konventionen, die es zu brechen gilt. Barts Pimmel halt, der so gelb und konturenlos ist, wie alles andere im simpel gezeichneten, aber umso tiefgründigen Spaß.

Wir mussten lange darauf warten und die Geduld zahlt sich aus. Matt Groening hat sich einmal mehr Gedanken gemacht. Hans Zimmer begleitet musikalisch mit einem imposanten Score - überhaupt schätzt man die gelben Wesen mittlerweile. Das schwemmt leider auch jede Menge ärgerlicher Figuren ins Kino, die lachen, wenn sie nicht lachen sollen und sich still fragend stupide am Hirn kratzen, wenn der Tiefsinn mehr als den bloßen Hype erfordert.

Unterhaltung ist das alles trotzdem – sogar in Reinform, falls man nicht nur auf den Zug des Hip-Seins aufspringt. Die „Simpsons“ sind eben mehr als nur eine kleiner Spaß, den man nebenbei mitnimmt. Dahinter verbirgt sich eine Krankheit, die man mit der Gelbsucht vergleichen kann, wenn man so will. Das hat nichts mit Alkohol zu tun – ein Bier fördert eventuell nur den Harndrang, der bei diesem Spektakel gar nicht zu gebrauchen ist. (9/10)

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