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Nicolas Cage traf in der Vergangenheit einige fragwürdige Entscheidungen bei seiner Rollenwahl. Neben den künstlerischen wie kommerziellen Flops Next (2007) und Wicker Man (2006) wirkte er in erfolgreichem Trash-Kino (Ghost Rider) ebenso mit wie in ambitionierten Projekten wie Lord of War (2005; spielte bei 42 Mio. Dollar Produktionskosten in den USA nur 24 Mio. wieder ein) oder The Weather Man (2005; Budget: 20 Mio. Dollar; US-Box Office: 12,4 Mio.), die jedoch keiner sehen wollte. Da kam die Fortsetzung zum Indiana Jones-Update Das Vermächtnis der Tempelritter gerade recht.

Doch stellt sich natürlich die Frage, ob Cage auch dieses Mal wieder ordentlich daneben griff. Anscheinend nicht, wenn man sich allein schon das US-Einspielergebnis von Das Vermächtnis des geheimen Buches mit über 200 Mio. Dollar anschaut. Und auch der Film vermag die Klasse des Vorgängers zu halten, sieht man großzügig über einige kleine Mängel hinweg.

Der Film schließt nahtlos an die Geschichte des ersten Teils an, auch wenn zu dieser kaum Bezüge hergestellt werden, was auch Neueinsteigern das „Mitkommen" in der Handlung ermöglicht. Ben Gates (Nicholas Cage) hält einen Vortrag über die Verschwörer um das Attentat auf Abraham Lincoln sowie John Wilkes Booth, der Lincoln letztendlich erschoss. Da taucht Mitch Wilkinson (Ed Harris), ein ominöser Sammler von historischen Schriften, auf, der anhand einer fehlenden Seite von Booths Tagebuch beweisen kann, dass Bens Urgroßvater in das Attentat verwickelt war. Als er das Schriftstück genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt er einen mysteriösen Code, der Ausgangspunkt ist für eine Jagd nach der legendären Stadt aus Gold. Problem an der Sache: Ben muss für die entscheidenden Hinweise ans „geheime Buch des Präsidenten" gelangen, dessen Inhalt und Aufenthaltsort nur der jeweilige US-Präsident kennt und sich gegen Wilkinson und seine Schergen erwehren, die ebenfalls hinter dem Schatz her sind...

Soviel erfährt man schon im Trailer und tatsächlich lässt sich die überschaubare Handlung gut darauf begrenzen. Dass Abigail Chase (wieder mit dabei: Diane Kruger) und Ben sich mittlerweile verkracht haben und Helferlein Riley (Justin Bartha) ein erfolgloses Buch über den Schatz der Tempelritter geschrieben hat, sind nur unwesentliche Seitenhiebe, die einzig zur Belustigung dienen. Apropos: Riley führt seine Rolle als ständig witzelnder Computer-Experte wie im ersten Teil fort, ohne dass seine Figur auch nur irgendeine Relevanz für die Narration des Films hat.

Helen Mirren tritt auch auf - allerdings nicht in einer Gastrolle als britische Queen, wie man es nach ihrer Oscarrolle im gleichnamigen Film und angesichts des Trailers, der den Buckingham Palace zeigt, annehmen könnte, sondern als Bens Mutter, die sich mit Bens Vater (Jon Voight) im Stil klassicher Screwball-Comedies herrlich giftige Wortgefechte liefert. Nebenbei wird noch etwas gerätselt und kombiniert, es gibt eine hektisch geschnittene Verfolgungsjagd quer durch London, einige Intrigen und ein Finale, dass dann einmal mehr an die Raffinesse der Konstruktionen an Indiana Jones erinnert.

Das ist zwar alles gut und schön, nur fehlt dabei der Tiefgang. Weder Cage, noch Mirren, Harris oder Voight gelingt es, ihre Charaktere zu zeichnen. Der Unterhaltungsfaktor steht im Vordergrund und auch mit der Logik (Warum schaltet sich das FBI schon so früh ein? Brauchte Harvey Keitel Geld? Warum ist Mitch Wilkinson am Ende so nett und hilft den Anderen? etc.) oder der Plausibilität (u.a.: Man kommt sehr leicht an den US-Präsidenten ran und der nimmt Ben seine Entführung natürlich nicht übel weil er selbst Architektur studiert hat) nahmen es die Macher nicht so genau. Dazu wurde bei einigen Dialogen, als Teile amerikanischer Geschichte durch Cages Ausführungen Revue passieren, eine derart pathetische Musik unterlegt, dass man sich fragt, wann denn endlich die amerikanische Flagge gehisst und die amerikanische Nationalhymne angestimmt wird.

Seis drum. Das Vermächtnis des geheimen Buches ist ein sehr kurzweiliges, witziges und flott erzähltes Stück Popcorn-Kino, das zwar nicht perfekt und/oder tiefgründig geworden ist, wohl aber einige Schauwerte und Gimmicks bereit hält, um den Abenteurer in uns zu wecken. Nach diesem Warm Up darf auch endlich der vierte Teil von Indiana Jones im Sommer kommen (Knappe 7/10).

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