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Peter Stormare ist wohl einer der seit Jahren interessantesten Schauspieler, die sich auch im Internationalen Geschäft einen Namen gemacht haben. Die Rollen die er annimmt sind selten im Mainstreambereich zu suchen, sondern meistens eine Mischung aus psychopatisch und schräg. Das er auch anders kann, und sogar die Fähigkeit besitzt einen gesamten Film zu tragen bewies er 1998 in dem Schwedischen Action-Agenten Thriller "Hamilton".

Stormare spielt den Titelgebenden Commander Hamilton, der als Leiter einer Special Einheit des Schwedischen Militärs nicht nur hohes Ansehen genießt, sondern auch über reichlich Erfahrung im Umgang mit Waffen und extremen Situationen verfügt. Und in eine der wohl extremsten Situationen führt ihn sein neuester Auftrag. Er soll mit seinem Trupp mit einem Fallschirm über Russland abspringen, eine Gruppe Männer aufhalten die versuchen zwei Atomsprengköpfe nach Schweden zu schmuggeln und dabei jeden der Schmuggler töten.
Der Auftrag verläuft so weit sehr gut, doch statt der angekündigten 2 Sprengköpfe kann die Einheit nur einen entdecken.
Zurück in Schweden wird Hamilton von Gewissensbissen geplagt, da er den Auftrag gegen hat die Männer zu töten. Auch seine Freundin (Lena Olin) spürt das etwas anders ist mit Hamilton. Der macht sich derweil auf die Suche nach den Hintermännern der Schmuggler. Dabei führen ihn seine Ermittlungen von Schweden nach Russland, Finnland, die USA und schließlich sogar in die Wüstenregionen des Nahen Ostens. Hier kommt es dann auch zum Showdown mit dem Industriellen Hawkins (der wie der Zuschauer und Hamilton schon recht bald erfahren hinter allem steckt).

Der Film beginnt mit einem wahren Actionfeuerwerk. Der Einsatz in der unwirklichen ewig weißen Landschaft Russlands steht keinem US Action Film in Sachen Inszenierung und Aufwand nach. Da gibt es von blutigen Schusswechseln bis hin zum ausgiebigen Einsatz von Flammenwerfern alles zu bestaunen. Danach drosselt Regisseur Harald Zwart das Tempo, nimmt dabei aber nicht die Spannung aus dem Film. Es wird den Charakteren, insbesondere Hamilton, viel Zeit gegeben. Erst als Hamilton sich auf den Weg nach Russland macht um dort mit den Behörden vor Ort zu ermitteln, zieht auch die Actionschraube wieder an. Da gibt es dann eine mitreisende Jagd durch eine Hochhaus und ähnliches. In diesen Phasen ist der Film ganz klar mehr klassischer Agententhriller als Actionreißer. Das tut dem Film aber nur gut, da man so doch einiges von der recht interessanten Story mitbekommt und diese nicht gänzlich von Actionszenen erdrückt wird. Erst am Ende wird das ganze dann zu einer Art schwedischen Variante von Rambo, wenn Hamilton in der Wüste seinen Gegner Hawkins, gespielt von Mark "Luke Skywalker" Hamill gegenüber tritt. Hier bekommt man dann auch die schwächsten Szenen des Films zu sehen, es geht einfach alles zu schnell, nachdem sich im Voraus teilweise sehr lange Zeit gelassen wurde.

Das der Film auch auf ein Publikum außerhalb Schwedens zugeschnitten ist merkt man hauptsächlich an der Besetzung. Neben Peter Stormare, der damals zumindest in Europa bereits auf dem besten Weg war als Schauspieler anerkannt zu werden, hat man mit Lena Olin eine der vielseitigsten und, meiner Meinung nach, besten Schauspielerinnen der 90er Jahre an Bord. Sie hat zwar relativ wenig Screentime, doch in den Szenen in denen wir sie sehen, dominiert sie ganz eindeutig.
Stormare spielt den Commander Hamilton wirklich überzeugend. Man nimmt ihm sowohl die Rolle als Actionheld, als auch die des schwedischen Topagenten ohne Weiteres ab.
Einziger Totalausfall, wobei sich das ja durch seine gesamte Karriere zieht, ist Mark Hamill. Das bereitet schon fast körperliche Schmerzen ihm dabei zuzusehen wie er versucht ein Schauspieler zu sein. So ist die Figur des überheblichen Hawkins dann auch die unglaubwürdigste und mit Abstand schwächste in der Geschichte. Hier hätte man Stormare wirklich einen ebenbürtigen Gegner gewünscht.

Vom optischen und inszenatorischen her gesehen, braucht sich der Film vor keiner Produktion aus dem Ausland verstecken. Die Actionszenen sind realistisch und hart umgesetzt, die Kameraarbeit auf absolutem Top-Niveau und auch die Ausstattung und Sets wissen zu gefallen.

So bleibt unterm Strich, ein spannender Agenten Thriller mit einigen harten Actioneinlagen, der aber zum Ende hin leider zu sehr in B-Action Gefilde abdriftet. Aber zumindest bietet er mit Peter Stormare als Commander Hamilton einen bestens aufgelegten Hauptdarsteller, der den Film ohne Probleme trägt. Der Film trifft sicherlich nicht den Geschmack von Jedem Action Fan, mir zumindest hat er doch mehr als gut gefallen. Bleibt nur zu hoffen das Stormare auch in Hollywood mal das Vertrauen entgegen gebracht wird, und er eine Chance bekommt in einem großen Film mehr zu spielen als den Bösen oder eine Nebenrolle.

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