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Der Einbruch des Kleinkriminellen George Dyer (Daniel Craig) in das Atelier des noch wenig bekannten Malers Francis Bacon (Sir Derek Jacobi) ist der Beginn einer Beziehung, die angesichts der Egozentrik und Rücksichtslosigkeit des Künstlers von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist. Für kurze Freudentaumel der Liebe und sexuellen Erfüllung opfert Dyer seine Seele und seinen Körper für Bacon und dessen Malerei. Doch der ist so fixiert auf sich selbst und das schüren seiner wachsenden Popularität das er gar nicht wahrnimmt wie die unerfüllte Sehnsucht und Einsamkeit von George diesen zerfrisst und in existenzielle Angstzustände und Depressionen treibt.

Regisseur John Maybury hat mit "Love is the devil" eine ungemein intensive und ohne erzählerische, wohl aber mit der hier angemessenen inszenatorischen Gefälligkeit versehene Skizze um die schwer zu erfassende Persönlichkeit von Francis Bacon angelegt. Die Kamera versucht zu jedem Zeitpunkt, der Stimmung nachzuspüren, die den Künstler zu seinen Bildern angetrieben hat und vollbringt dabei einige kleine Meisterstücke.

Einher mit den kunstvollen, aber zugleich auch trostlosen und verstörenden Bildern gehen die meisterlichen Darbietungen von Sir Derek Jacobi und Daniel Craig (Ja, der der demnächst als 007 über die Leinwand donnern wird), welche ihren Figuren eine spürbare Präsenz und Glaubwüdigkeit verleihen und sie dringend als unterbeschäftigte Charakterdarsteller ausweisen (und man kann gerade im Falle Craig hoffen das dessen wahre Größe nicht von James Bond überschattet werden wird). Maybury verzichtet weitgehendauf den für biographische Filme üblichen dramaturgischen Aufbau sondern springt auch einmal extrem in die Zukunft, bzw. in die Vergangenheit, er unterlässt es, plakative Details aus dem sadomasochistisch angehauchten Sexualleben des Paares zu zeigen und er präsentiert uns keinen versöhnlichen Schluss sondern einen tiefschwarzen, in dem die große Schwäche des äußerlich so unverletzlichen Malers zum Ausdruck kommt. Der minimalistische Soundtrack des renommierten japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto fügt sich unaufdringlich in das Gesamtbild ein.

"Love is the devil" ist kein Meisterwerk, aber er ist ein im Bereich "Film-Autobiographie" äußerst sehenswertes, faszinierendes und vor allem extrem intensives Portrait zweier Menschen, von denen einer seine emotionale Intelligenz im Keim erstickt und der Andere dieselbige und damit sich selbst bis zum vom Zuschauer trotz fehlender Sentimentalität als wirklich schmerzhaft empfundenen Untergang vergeben will und es nicht kann. Ein Film der wehtut und gleichzeitig durch seine Ästhetik und Ehrlichkeit begeistert und eine weitaus sensiblere und tiefgründigere Sicht auf eine homosexuelle Beziehung aufzeigt als die meisten anderen Filme, die dies bisher versucht haben.

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