Review

John Holms was the first porn star – called „the king“. According to legend, he starred in more than 1000 adult films, gained worldwide notoriety and slept with 14000 women. This is the story of what happened once the legend was over ... a story called “Wonderland”.

Man sollte sich im Vorfeld vor Augen führen, worauf sich das Hauptaugenmerk dieses Films richtet, denn trotz der Person “John Holmes” handelt es sich nicht um eine filmische Biographie seines Lebens, sondern konzentriert sich – wie der Alternativtitel “the Wonderland Murders“ impliziert – ausschließlich auf die Tage vor und nach einem vierfachen Mord am 01. Juli 1981, in welchem Holmes (auf die eine oder andere Weise) involviert war.
Dieser Umstand, dass es sich nur um eine Momentaufnahme weniger Tage handelt, verleiht „Wonderland“ eine besondere Klasse, denn mit dem Ausklammern der Zeit davor und danach behält er seinen angestrebten Fokus und driftet erzählerisch nie ab – die nötigen Rahmeninfos erhält der Zuschauer aus den Dialogen oder von den am Anfang und Ende eingeblendeten Schrifttafeln.

Im Sommer 1981 überfallen drei Personen (gespielt von Dylan McDermott, Josh Lucas und Tim Blake Nelson) die Unterweltgröße Eddie Nash (Eric Bogosian) und erbeuten ca.1,2 Millionen Dollar. Kurz darauf nimmt dieser jedoch blutige Rache – vier Personen werden in einem Haus in der Wonderland Ave. in L.A. bestialisch ermordet, unter ihnen zwei der ersteren Täter. Der Dritte (McDermott) hatte sich zur Tatzeit nicht im Haus aufgehalten – da seine Freundin jedoch eine der Opfer ist, stellt er sich der Polizei und erzählt ihnen die ganze Geschichte, mit dem Ex-Pornostar John Holms (Val Kilmer) im Mittelpunkt…
Holms treibt sich derweil (psychisch am Ende und ständig auf Drogen) mit seiner Freundin Dawn (Kate Bosworth) in billigen Absteigen herum, wo er schließlich verhaftet wird. Seine einzige Chance besteht nun darin, mit den Cops einen Deal einzugehen – gegen eine Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm liefert er den Behörden eine Aussage, in welcher er Dave (McDermott) als Drahtzieher und Schuldigen darstellt…
War John nun doch Mittäter bei den Morden, oder hat er seine Freunde nur verraten, um sich, Dawn und seine noch-Ehefrau (Lisa Kudrow) vor Nashs Rache zu retten?

Die bekannten Fakten der Geschehnisse und deren Folgen (beispielsweise in Form von Gerichtsurteilen) werden dem Zuschauer am Ende des Films schriftlich offenbart – der Film konzentriert sich auf die zwei Versionen (von Dave und John) und verbildlicht diese im Laufe der Handlung. Die gesamte Geschichte wird fast ausschließlich durch Rückblenden erzählt, die zum Teil (je nach Aussage) variieren.

Sex, Drugs & Rock`N Roll ... gepaart mit menschlichen Schicksalen und einem grausamen Verbrechen in der filmischen Aufarbeitung einer wahren Geschichte. Man mag sich im ersten Augenblick vielleicht an „Boogie Nights“ oder „Auto Focus“ erinnert fühlen, doch dieser Film geht mit seiner Konzentration aufs Verbrechen andere Wege … so ist „Wonderland“ mehr ein Krimi vor dem Hintergrund der damaligen Zeit – zwar ein Szene- und Charakterportrait, jedoch nicht in erster Linie. Die von Sex, Drogen und Verbrechen geprägte Subkultur L.A.s zu jener Zeit wird trotzdem stimmungsvoll eingefangen, wozu vor allem der großartige Soundtrack (Bob Dylan, Ted Nugent, Iggy Pop, T-Rex,…) beiträgt.

Der Film ist von dem relativ unbekannten James Cox modern (z.B. durch den Einsatz von Spill-Screen-Sequenzen) und stilvoll inszeniert worden. Neben der hervorragenden Atmosphäre sind es aber vor allem die Schauspieler, die ihren Charakteren Leben verleihen und den Film tragen – allen voran Val Kilmer (der hier in Sachen Lebensgefühl, Sex- und Drogenkonsum auf den Spuren seiner „Doors“-Rolle wandelt und schauspielerisch endlich mal wieder voll überzeugen kann), die talentierte Kate „Blue Crush“ Bosworth und Dylan McDermott, der konsequent entgegen seiner sonstigen „glatten“ Rollen (wie in „the Practice“ oder „Runaway Jury“) besetzt wurde.
Aber auch der Rest der Besetzung ist hochkarätig: Josh Lucas („Hulk“), Lisa Kudrow („Friends“), Tim Blake Nelson („O Brother…“), Ted Levine („Silence of the Lambs“), Carrie Fisher („Star Wars“), Janeane Garofalo („Cop Land“), Eric Bogosian („Under Siege 2“), Christina Applegate („View from the Top“), Natasha Gregson Wagner („Urban Legend“), Paris Hilton („Nine Lives“) und so weiter…

Noch eine Anmerkung am Rande: Der extrem brutale Vierfach-Mord wird im Film nicht ganz so explizit dargestellt – auf der US-DVD (Special Edition) findet sich jedoch für alle „Interessierten“ ein umstrittenes Feature, nämlich das offizielle und unzensierte „Crime Scene Video“ mit Originalaufnahmen der Tatortbegehung.

Es mag sein, dass einige „Fans“ des wahren John Holms enttäuscht sein werden, da seine Karriere fast völlig ausgeklammert wurde, doch alle anderen dürften sich an diesem Einblick in jene Geschichte erfreuen – spannend und interessant ist der Fall allemal, auch wenn er hier in Deutschland nahezu unbekannt sein dürfte. Nicht nur aus diesem Grund ist der Film weniger etwas für die breite Masse, sondern eher für cineastische Feinschmecker oder Freunde dieses Genres.

Ich vergebe nur sehr selten „10 von 10“, doch im Falle von „Wonderland“ finde ich es durchaus angemessen, denn einen solch überzeugenden Film habe ich in letzter Zeit (leider) kaum zu Gesicht bekommen … großartige Schauspieler, toller Soundtrack, interessante Geschichte, gute und stimmungsvolle Inszenierung = klasse Film!

Details
Ähnliche Filme