Review

Okay – dass es in Hollywood so gut wie keine neuen Ideen mehr gibt, wissen wir nicht erst seit gestern, weshalb es auch irgendwie kaum noch sonderlich tragisch ist, wenn uns die Industrie ständig „alten Wein in neuen Kelchen“ vorsetzt...

Vor allem im Horror-Genre schaut man in letzter Zeit verstärkt in die Filmgeschichte zurück – immer in der Hoffnung, einige klassische Ideen in die aktuellen Konzepte integrieren zu können: Manchmal gelingt es, wie etwa bei „Jeepers Creepers 2“, bei welchem offensichtlich Motive aus „die Vögel“ und „der Weiße Hai“ verwendet wurden, und manchmal wird einfach ein ganzes Remake daraus, was auch nicht automatisch schlecht sein muss (wie beispielsweise die Neuauflagen von „Dawn of the Dead“ oder „T.C.M“ beweisen) … aber dann gibt es natürlich noch die hoffnungslosen, uninspirierten Fälle, zu denen leider auch „Mimic 3 - Sentinel“ gezählt werden muss. In diesem Fall hat man sich Hitchcock´s „das Fenster zum Hof“ als Vorbild genommen und dessen Ausgangsidee in einen neuen Kontext gesetzt, dabei jedoch leider die entscheidende Schlüsselkomponente vergessen – nämlich Spannung!

Trotz des schwachen Vorläufer-Sequels („Hardshell“) war ich einigermaßen guter Dinge – vor allem da einer meiner Lieblings Genre-Darsteller (Lance Henriksen, zB aus „Near Dark“) auf der Besetzungsliste stand und die Story eigentlich Potential für eine spannende Ausgangssituation bot ... aber wie so oft, gerade in letzter Zeit bei Fortsetzungen aus dem Hause „Dimension Films“ (siehe „Dracula 2“ oder „Hellraiser 6“), wurde ich erneut bitter enttäuscht!

Tatsächlich ist Henriksen einer der wenigen Elemente, über die man angesichts dieses Werks noch positiv berichten kann – hinzu kommt noch die visuelle Umsetzung, welche in der Tradition der Vorgänger sehr düster ausgefallen ist, die urbane Location des anonymen Wohnkomplexes und vielleicht noch die (zwar nicht unbedingt originelle, aber doch reizvolle) Grundidee.

Die Story richtet ihren Fokus auf Marvin (Karl Geary), eines der letzten Opfer der Strikler-Krankheit. Inzwischen gilt er zwar mehr oder minder als geheilt, doch trotzdem muss er wegen vieler Allergien (gegen Rauch, Parfüm, Staub etc.) ein äußerst isoliertes Leben führen. So bleibt ihm nur der Ausblick aus seinem Fenster, durch welches er das Treiben im Innenhof des großen Apartmentkomplexes hervorragend beobachten kann. Viele Details und Momentaufnahmen hält er zusätzlich auf Fotos fest, wodurch er sich im Laufe der Zeit einen Überblick über die (geregelten) Tagesabläufe der Bewohner verschafft hat. Als er eines Nachts scheinbar einen Mord beobachtet, will ihm jedoch niemand glauben, zumal es keine Beweise für die Tat gibt – der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt hingegen, dass sich eine „Judas-Züchtung“ in Menschengestalt dafür verantwortlich zeichnet...

Gemeinsam mit seiner Schwester und einer Nachbarin, versucht er folgend der Sache auf den Grund zu gehen – vor allem weil sich ein neuer Bewohner (Lance Henriksen) der Anlage merkwürdig verhält sowie ständig im Bereich der Mülltonnen auftaucht, weshalb jener von allen nur „Garbageman“ genannt wird. Die Cops scheinen ohnehin kein größeres Interesse an diesem potentiellen Fall zu haben, und Marvins Mutter (Amanda („Pulp Fiction“) Plummer) schreibt seine Beobachtungen ebenfalls als Hirngespinste ab – doch nach und nach (...einige Tote später...) erweist sich die Spur zum Garbageman tatsächlich als zutreffend, denn dieser ist in Wirklichkeit ein Wissenschaftler, der noch immer Forschung auf dem Gebiet der „Judas-Züchtung“ (zwecks lukrativer Vermarktung) betreibt...

Es kommt, wie es kommen muss: Der Kampf Mensch gegen Kreatur bahnt sich an – nur entsteht bis zu diesem Zeitpunkt leider so gut wie überhaupt keine Spannung! Fast zwei Drittel des mit 75 Minuten Lauflänge ohnehin sehr kurzen Films dümpelt so dahin, bevor im letzten Akt doch noch etwas aufgedreht wird: Hier versucht man sich an diversen Erklärungen (inhaltlich eher mau, dafür aber verwirrend), der Ausgang der Sache resultiert gar in etwas Action (bei der leider die „CGI“-F/X negativ ins Auge fallen, welche einfach nicht wirklich auf der Höhe der Zeit sind) und der Unterhaltungswert steigt für einen gewissen Moment – was aber angesichts des vorherigen Verlaufs in keiner Weise ausreicht, um den Gesamteindruck entscheidend zu verändern.

Die Stimmung ist, dem trostlosen Wohnkomplex angeglichen, düster sowie Kameratechnisch ganz passabel eingefangen worden, die Darsteller fallen nicht wirklich negativ auf und es gibt einige blutige Morde (welche allerdings sehr dunkel gefilmt wurden) – trotzdem enttäuscht „Mimic 3“ mit einer nahezu belanglosen Geschichte, schwachen Effekten und fehlender Spannung. Man hätte deutlich mehr aus dem „Fenster zum Hof“-Konzept machen können/müssen, doch auch so ist wenigstens letztendlich kein reiner Abklatsch der beiden Vorgänger herausgekommen. Vielleicht sollte man, trotz der „DTV“-Prämisse, bei derartigen Fortsetzungen eher auf bessere/erfahrenere Regisseure und Drehbuchschreiber zurückgreifen. Natürlich ist es immer eine gute Sache, Einsteigern interessante Chancen zu ermöglichen, doch qualitativ tendieren die (filmischen) Ergebnisse leider überwiegend eher in eine negative Richtung.

Fazit: „Mimic 3 - Sentinel“ ist eine enttäuschende zweite Fortsetzung, die hauptsächlich an mangelnder Spannung krankt – qualitativ ist sie allerdings nicht viel besser oder schlechter als der zweite Teil … 3 von 10.

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