Slasherfilm-Freaks wissen, ihr Lieblingsgenre hat es heutzutage unheimlich schwer, sich noch zu behaupten. Vor allem deshalb, weil es kaum noch möglich ist, dem Genre etwas Neues oder Innovatives einzuführen. Alles was man in so einem Film zeigen kann war schon mal irgendwie, irgendwo da gewesen und somit kann sich ein Slasher eigentlich einzig und allein nur noch durch seine Machart, sowie Spannung und Atmosphäre behaupten. Doch seit einiger Zeit geistert im I-Net die Nachricht von einem Schlitzerfilmchen durch die Foren, das nun doch mal etwas was bieten soll, was noch nie da gewesen ist. Nämlich ein Slasher, in dem es der Killer auf ein Bündel Homosexuelle abgesehen hat, der aber trotzdem alles andere als Schwulenfeindlich daherkommen soll, eher im Gegenteil. Denn auch Regisseur Paul Etheredge-Ouzts ist schwul und somit wurde "Hellbent" auch schnell der Hit auf diversen Homo-Festivals. Ich persönlich bin nicht schwul und habe auch keinerlei Neigungen in diese Richtung. Aber ich bin Slasherfreak und somit war natürlich klar, dass ich mir auch diesen Streifen anschauen musste. Doch nach dem Anblick die Ernüchterung, auch "Hellbent" ist nur ein Slasher unter vielen, wenn auch kein Schlechter.
Die Story und das Drehbuch an sich sind jedenfalls genauso abgegriffen, wie die meisten Videotheken-Slasher von heute, nur das es dieses mal eben Homo- statt Heterosexuelle sind, die hier das Opfer eines (anscheinend ebenfalls schwulen) Killers werden. Die Story mal kurz angerissen: Vier schwule Freunde machen sich auf, um auf einer Halloween-Party mal richtig die Sau raus zu lassen. Bald schon müssen sie allerdings merken, dass sich unter ihnen ein Killer mit Sichel aufhält, der den Party-Peoplen schon bald an die Wäsche will. Und eine blutige Mordwelle nimmt seinen Lauf... Tja, wie schon erwähnt, in Sachen Story und Handlung gibt es hier wirklich nichts Besonderes zu berichten, außer das es hier ausschließlich männliche Wesen sind, die dem Killer zum Opfer fallen und Frauen hier nur ab und zu mal Rand erscheinen. Ansonsten ist der gewohnte Ablauf eines jeden Slashers gegeben, sprich es gibt einen Anfangsmord, dann die Vorstellung der Hauptfiguren, die allesamt hinreißend dämlich sind, einige blutige Kills und zum Schluss bleibt nur einer von den Typen übrig. Logikschwächen, Klischees und Plotholes satt, eben alles so wie man es aus einem typischen Schlitzer kennt.
Ungewöhnlich bleibt einzig und allein die homosexuelle Seite der Handlung. Hier knutschen sich nun mal Männer untereinander ab, haben (angedeuteten) Sex, und kauen wirklich ein Schwulenklischee nach dem anderen durch, dies allerdings auf eine Art die in keinster Weise beleidigend wirkt, sondern eher liebevoll aufgeblasen wurde und wohl deshalb unter der Schwulengemeinde solch einen Anklang findet. Im Grunde nutzen die Jungs hier wirkliche alle Klischees aus, die auch ihre Heterosexuellen im normalen Slasher durchwandern, nur eben auf ihre eigene Art. Für Heterosexuelle dürften manche Szenen aber dennoch schwierig anzusehen sein, denn Sex und Liebe zwischen zwei Männern ist eben nun doch etwas, was nicht jeder nachvollziehen und ansehen kann, auch wenn eigentlich jeder dafür zumindest Toleranz aufbringen sollte. Für mich jedenfalls waren aber manche dieser Szenen nicht so ganz das "Wahre"!
Das dieser Schlitzer aber dennoch in den überdurchschnittlichen Bereich rutscht, dafür sorgt vor allem der gelungene Spannungsaufbau, sowie die beißende Atmosphäre, an so mancher Stelle im Film. Der Einsatz von rötlichen und bläulichen Farbfiltern ist ideal gelungen, die Nacht ist mal wieder schwärzer als schwarz und der Score hämmert wirklich durch alle Rohre, wenn der mysteriöse und wirklich gruselig wirkende Killer durch die Gegend streift. Schade nur, dass sich das ganze Treiben dennoch immer wieder mal in die Länge zieht und das der Schluss mal wieder etwas unbefriedigend ausläuft. Denn zum Killer und seinen Motiven erfährt man leider irgendwie gar nichts. Sein Abgang ist dafür allerdings perfekt.
Ebenfalls sehr gelungen sind zudem die (spärlich gesähten) Gore-Szenen, die allesamt absolut fabelhaft zur Geltung kommen. Das Blut spritzt jedenfalls reichlich, Köpfe rollen und auch so geht es nicht gerade zimperlich zur Sache. Hierzulande dürfte es jedenfalls mit Sicherheit einen KJ-Stempel dafür geben. Die Sichel als Mordwerkzeug ist somit einmal mehr ein überzeugendes Instrument zum Töten und ihr Einsatz klappt auch wirklich ideal.
Die Darsteller bewegen sich dagegen allesamt auf typischen Teen-Slasher-Niveau, auch wenn man sie (zumindest als heterosexueller Zuschauer) wieder einmal allesamt nicht kennt und sie auch nicht unbedingt wiedersehen möchte. Für größere Filme sind sie jedenfalls keineswegs geeignet, aber für einen Slasher kann man sich schon noch mit ihren Leistungen zufrieden geben. Jedenfalls nimmt man wirklich allen ihre sexuelle Neigung ab und die der hilflosen Opfer eigentlich auch.;)
Fazit: Der hochgejubelte Gay-Slasher "Hellbent" entpuppt sich, zumindest für alle Non-Gay-Watchers, als ein weiterer Slasher unter vielen, nur eben mit dem Unterschied, dass die Opferliste dieses mal ausschließlich aus homosexuellen Kerlen besteht und man sich deshalb auch anstatt auf heiße Bunnys, eher auf einiges Gefummle zwischen Männern untereinander einstellen muss. Ansonsten aber bedient der Film wirklich jedes Slasher-Klischee, badet diese allerdings mit einer wunderbaren Atmosphäre, sowie einem netten Spannungsbogen doch insgesamt recht unterhaltsam aus. Wer Jungs in Frauenkleidern und Küsse zwischen Mann und Mann also tolerieren kann, der darf sich "Hellbent", auch als "Normalo" ruhig mal anschauen und für Schwule dürfte es sowieso der Slasherhit schlechthin sein. Also egal welche Neigungen man auch hat, "Hellbent" ist auf alle Fälle konsumierbare (wenn auch keineswegs geniale) Slasherkost!
Wertung: 6/10 Punkte