Review

Nachdem sich im Jahre 1997 Luis Llosas gut besetzter Riesenschlangen-Edel-Trash „Anaconda“ an den Kinokassen als erstaunlich lukrativer Überraschungserfolg entpuppte, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich clevere Produzenten an die Produktion einer Fortsetzung machen würden – schließlich konnten sich selbst zweitklassige, direkt für den Videothekenmarkt konzipierte Ableger wie „Python“ oder „King Cobra“ in den Folgejahren beachtlicher Beliebtheit erfreuen.
2004 sollte es schließlich soweit sein, doch da das Geld des Publikums inzwischen nicht mehr so locker wie damals saß und aufwändigere Filme mit übergroßen Schlangen doch ein gewisses Floppotential mit sich bringen, bewilligte man zur Risikominimierung nur ein um rund 10 Millionen Dollar geringeres Budget als das des Originals, beharrte auf ein massenkompatibles „PG-13“-Rating und ließ etliche Drehbuchautoren das Konzept des ersten Films ohne inhaltliche Experimente variieren. Angesichts der begrenzten finanziellen Mittel verzichtete man zudem auf große Namen zugunsten einer soliden B-Film-Besetzung und verpflichtete als Regisseur den Action- (“Rapid Fire“/“Marked for Death“), Fortsetzungs- (“Halloween 4“/“Free Willy 2“) und TV-Serien- (“X-Files“/“Millenium“) erprobten Routinier Dwight H.Little – und tatsächlich ging das Konzept ein weiteres Mal auf: Allein in den USA spielte der Film sein Budget locker wieder ein…

Eine Gruppe junger Wissenschaftler und Geschäftsleute glaubt entdeckt zu haben, dass ein Element der seltenen „Blutorchidee“ den Alterungsprozess verlangsamen kann, weshalb sie sich zum Sichern eines Beweisexemplars im Auftrag eines Pharmakonzerns auf den Weg nach Borneo machen, wo jene Pflanze nur alle sieben Jahre für rund sechs Monate blüht – und da sich dieses Zeitfenster gerade dem Ende entgegenneigt, ist Eile angesagt. Während der vorherrschenden Regenzeit will es aber kein örtlicher Kapitän riskieren, flussaufwärts ins Zielgebiet zu fahren – in Anbetracht einer nicht unbedeutenden Summe erklärt sich der etwas heruntergekommene (aber verflucht durchtrainierte) Skipper Bill Johnson (Johnny Messner) jedoch schließlich dazu bereit…
Begleitet von Bills Partner Tran (Karl Yune) sowie einem kleinen Äffchen, macht sie sich die Gruppe sogleich auf den Weg, hat aber unter etlichen „inneren Konflikten“ (wie einem Zickenkrieg zwischen den beiden weiblichen Expeditionsteilnehmern Gale und Sam) zu leiden. Außerdem sind die Beteiligten gegenüber der Qualifikation ihres Kapitäns etwas misstrauisch – bis sich dieser bewährt, indem er Gale (Salli Richardson) mit bloßen Händen vor einem Krokodil rettet. Zeitgleich mehren sich die Probleme: Der Flussverlauf wird zunehmend gefährlicher, und als Bill deshalb umkehren will, kann ihn der skrupellose Byron (Matthew Marsden) gerade noch so durchs Verdoppeln des Honorars umstimmen…
Kurz darauf beschädigt jedoch ein Stück Treibholz ihr Ruder derart, dass sie die eigentliche Flussabzweigung verpassen und in Folge dessen einen Wasserfall hinunterstürzten, wobei das Boot sinkt und ein Großteil der Ausrüstung verloren geht. Fernab der Zivilisation spaltet sich die Gruppe bezüglich der Frage, ob die Expedition abgebrochen oder weitergeführt werden soll – der lockende Reichtum contra den klaren Menschenverstand. Während des unumgänglichen Fußmarsches durch den Dschungel müssen sie sich nun mit einigen lästigen Geschöpfen der Tierwelt (Spinnen, Blutegel) auseinandersetzen, doch das ist nichts im Vergleich zur bisher unentdeckten Gefahr: Unwissentlich führt die eingeschlagene Route geradewegs durch das Revier etlicher übergroßer Anacondas, die sich zudem inmitten ihrer Paarungszeit befinden und daher besonders aggressiv sind…
Es kommt, wie es kommen muss: Einer nach dem anderen fällt den gefräßigen Riesenreptilen zum Opfer, und letztendlich wendet sich der profitgierige Byron gar mit Waffengewalt gegen die verbleibenden Gruppenmitglieder – auf keinen Fall will er ohne die Blutorchidee zurückkehren, doch jene wächst unglücklicherweise genau am Paarungsplatz der Schlangen…

Okay: Wer Anspruch, Charakterentwicklung oder eine bahnbrechende Story erwartet, liegt bei einem Film dieser Art sowieso falsch, weshalb es sich auch gar nicht lohnt, jene zweifellos vorhandenen Defizite im Detail aufzuführen – Fans dieses (Sub-)Genres werden bei „Anacondas“ jedoch recht gut auf ihre Kosten kommen, zumal vergleichbare Werke (ja, sogar „Boa vs Python“) angesichts der soliden Produktionseigenschaften deutlich schwächer abschneiden. Nur an den ersten Teil kommt diese Fortsetzung nicht ganz heran – dazu fehlt einfach ein stärkerer Trash-Faktor, der beim Original ausgeprägter war.
Scheinbar haben die Macher selbst erkannt, dass ihre Schlangen trotz der Fortschritte auf dem CGI-Sektor nicht vollkommen überzeugen können, weshalb man diese Tatsache unauffällig zu verschleiern versuchte: In den ersten zwei Dritteln tauchen die Reptilien immer nur kurz auf oder werden aus ihrer Blickperspektive heraus in Szene gesetzt – als die Anacondas dann gegen Ende in den Vordergrund rücken, ist die Nacht hereingebrochen, so dass man die Texturen nicht allzu deutlich erkennen kann. Eine clevere, erfolgreiche Vorgehensweise, wodurch ein etwas besserer Eindruck zurückbleibt als von dem Exemplar des Originals.
Natürlich ist es unglaubwürdig, dass sich ein derartig riesiges Reptil im seichten Gewässer mehr oder minder unbemerkt zwischen den Gruppenmitgliedern hindurchschlängelt, doch die so arrangierte Aufnahme erzeugt zweifellos eine gewisse Wirkung, wie man sie von einem Film dieser Art erhofft. Es wird sogar eine nachvollziehbare Erklärung für die Größe der Schlangen geliefert: Da Anacondas bis zu ihrem Tode konstant wachsen, bewirken die lebensverlängernden Eigenschaften der Blutorchidee (welche sie mit der Nahrung aufnehmen) eine längere Lebens- und somit Wachstumsdauer…

Im Endeffekt wirkt der Film in seinen ersten zwei Dritteln eher wie ein klassischer Abenteuerstreifen (was zwar auf Kosten der Spannung, nicht aber der Unterhaltung geht) und kann dabei mit der großartig in Szene gesetzten Wasserfall-Sequenz auftrumpfen, bevor in den letzten 30 Minuten die Spannung nochmals anzieht (vor allem beim Gang durch die Höhle) und ein guter Showdown ober- und innerhalb der Schlangen-Paarungsgrube einsetzt. Härten gibt es angesichts des Ratings kaum, die meisten Tötungen finden im Off statt. Zusätzlich kommt dem Film seine gekonnte Inszenierung sowie die saubere und hochwertige Optik zugute.
Die Rolle des Bill Johnson entspricht dem klassischen Action- und Abenteuerhelden (= ein ganzer Mann, der sich mit dem Jagdmesser am Lagerfeuer rasiert, früher bei den Special Forces war und ne gewisse Portion Machoattitüden mit sich bringt), wie man sie heutzutage nur noch selten zu sehen bekommt – und Messner passt hervorragend zu der Figur (derart, dass ich ihn gerne in der Hauptrolle einer „Far Cry“-Verfilmung sehen würde).
Insgesamt liefert die B-Film-Besetzung (Matthew Marsden („Black Hawk Down“),“J-Lo“-Verschnitt Salli Richardson („Biker Boyz“) sowie Morris “Half Past Dead“ Chestnut) passable Vorstellungen ab (mit Ausnahme des afroamerikanischen Klischee-Sidekicks, der mit seinen Sprüchen auf Dauer nervt), wobei KaDee Strickland („the Grudge“) und Johnny Messner („Tears of the Sun“) ein gutes Hauptgespann bilden.

Fazit: „Anacondas – Hunt for the Blood Orchid“ ist ein routinierter B-Film, der aufgrund seines Abenteuer-Flairs und einigen guten Szenen passabel zu unterhalten vermag … 6 von 10.

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