„Hard Boiled“ war John Woos letzter großer Actionfilm, bevor er sein Glück in den USA versuchte. Und was für einer! „Harte Ziele“, sein erster Hollywoodstreifen, ist ja kein schlechter Film (einer der raren Höhepunkte in Van Dammes Filmografie), doch gegenüber „Hard Boiled“ ein echter Schritt zurück. „Hard Boiled“ ist ein wahrhaft orgiastisches Actionfeuerwerk mit enorm vielen Schußwechseln, Stunts und Pyroeinlagen. Es gibt kaum einen Film, der es mit diesen furios inszenierten Actionszenen aufnehmen kann. Woo inszeniert diese aber auch so gekonnt, dass keine Langeweile oder Abnutzungserscheinungen bei diesem Actionoverkill aufkommt. Dabei sind Woos Trademarks als Regisseur wieder klar erkennbar: Viele Zeitlupen, streng choreographierte Ballerorgien, die schon fast an ein Ballett erinnern. John Woo hat mit „Hard Boiled” definiv den Höhepunkt seines Schaffens erreicht, den er (bisher) in seinen Hollywoodfilmen nicht wieder erreichen konnte. Einhergehend mit den stylischen Feuergefechten ist natürlich auch ein enorm hoher Bodycount, der diesmal jede Grenze sprengt. Komischerweise fällt bei „Hard Boiled“ eine typische Rambokrankheit kaum negativ auf. Wie auch in den Stallone-Vehikeln schießt sich Chow Yun Fat oft allein durch ganze Gangsterhorden, meist ohne eine Schramme abzubekommen. Wo allerdings viele Actionfilme die Skepsis des Zuschauers erzeugen, sitzt das Publikum bei „Hard Boiled“ mit offenem Mund vor der angerichteten Zerstörung und bekommt bei solch einem Feuerwerk denselben auch so schnell nicht mehr zu. Da bleibt einfach keine Zeit für Skepsis.
Neben der herausragenden Actionregie kommt auch die Story nicht zu kurz. Zwar wird auch hier kein Shakespeare abgeliefert, aber es reicht dennoch, um die Zuschauer auch zwischen dem Geballer zu unterhalten. Es gibt hier alles: Betrug, Liebe, Verrat, Undercovercops und Gangster verpackt in eine packende, aber nichtsdestotrotz recht einfache Story. Diese wird wieder Woo-typisch von großartigen asiatischen Hauptdarstellern getragen. Über allen anderen thront der „King Of Cool“ Chow Yun Fat, der diese Art Rollen wie kein zweiter spielt. In den Actionszenen brilliert er mit einer pysischen Präsenz, die aufgrund dem gleichzeitigen Einsatz von Kraft und Eleganz ihresgleichen sucht. In den Handlungsszenen verkörpert er wie kein anderer eine Mischung aus Nachdenklichkeit, Witz und enormer Coolness. In seiner Rolle darf er nicht nur Ballern, sondern z.B. auch Klarinette spielen, was ihr mehr Tiefe verleht. Genau wie John Woo befindet sich Chow Yun Fat bei „Hard Boiled“ auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Man wünscht sich bei Betrachten des Filmes, dass Woo und sein Lieblingsmime einen Hollywoodstreifen dieses Kalibers auf die Beine stellen. Was Woo dann mit einem großen Hollywoodbudget so alles anstellen könnte, kann man sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Neben Chow Yun Fat kann auch Tony Leung überzeugen, der einen Undercovercop spielt, der durchaus mit seinem Gewissen zu kämpfen hat, weil er in seiner Rolle auch morden muß. Alles in allem ist die Story wieder Woo-typisch. So raufen sich Chow Yun Fat und Leung im Laufe des Filmes zusammen, so dass eine tiefe Männerfreundschaft entsteht (eines von Woos Lieblingsmotiven), die immer wieder auf eine harte Probe gestellt wird.
Abschließend läßt sich in der „Hard Boiled“-Suppe kein Haar finden. Actionhasser sollten natürlich einen enormen Bogen, um diesen Streifen machen. Allen anderen sei er jedoch wärmstens ans Herz gelegt. „Hard Boiled“ ist nicht nur der beste Film von John Woo, sondern auch einer der besten Filme Asiens und einer der besten Actionfilme überhaupt. Konnte man sich nach „A Better Tomorrow“ kaum eine Steigerung vorstellen, klopfte die Steigerung in Form von „Hard Boiled“ nicht höflich an die Tür, sondern pulverisierte sie förmlich!
Fazit:
10/10